Tessin

Tessiner Regierungsrat entmachtet Zali wegen neuer Anklage

Die Tessiner Regierung entzieht Claudio Zali sein letztes Departement. Der Lega-Politiker verweigert jedoch den sofortigen Rücktritt.

Der Tessiner Regierungsrat Claudio Zali ist faktisch entmachtet. Am Mittwoch gab die Gesamtregierung bekannt, dass Zali nach dem Justiz- und Polizeidepartement auch das Umwelt- und Baudepartement entzogen wird. Mitte-Regierungsrat Raffaele De Rosa übernimmt die Führung vorübergehend. Damit besitzt Lega-Politiker Zali keine Kompetenzen mehr und ist nur noch formal Regierungsmitglied.

Claudio Zali steht seit Wochen im Zentrum eines politischen Sturms. Nachdem am Dienstag ein weiteres Strafverfahren wegen eines mutmasslichen Sexualdelikts gegen Zali bekannt wurde, war das Fass für die Regierung endgültig voll. Zali hatte seinen Rücktritt per September angekündigt – das Gremium forderte ihn auf, den Schritt per sofort vorzuziehen.

Zali weigert sich jedoch. In einer Mitteilung, die der «Corriere del Ticino» zitierte, erklärt er, dass dieses Verfahren aufgrund einer «falschen Anzeige der 52-jährigen Frau eingeleitet wurde, die am 18. August in Melide auf tragische Weise ertrunken ist». Die Frau sei «von tiefem Groll» ihm gegenüber getrieben gewesen und habe zuvor bereits heimlich Gespräche aufgenommen. Sie habe zudem keine Straftaten gemeldet, die an ihr begangen worden sein sollen, sondern an einer Drittperson. Das bezeichnete Opfer habe die Vermutungen vor den Ermittlern jedoch bestritten. Auch Zali habe «jegliches rechtswidriges Verhalten» bestritten.

Der Skandal um Zali schwelt schon seit dem Frühsommer. Zunächst geriet er wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch in die Schlagzeilen. Fahrt nahm die Affäre durch Audioaufnahmen auf, die eine mutmassliche Ex-Geliebte publizierte. Darin rät Zali ihr, eine Nebenbuhlerin zu verprügeln; er habe das selbst schon getan. Zali stritt dies ab und meinte später, er habe die Frau hart angepackt.

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema: