
Die Aufnahmen brachten den Tessiner Regierungspräsidenten Claudio Zali zu Fall. In heimlich aufgezeichneten Telefongesprächen hat der Lega-Politiker einer Bekannten geraten, eine andere Frau zu verprügeln. Er habe dies selbst ebenfalls getan, als die Frau – eine Ex-Partnerin, die ihn gestalkt haben soll – bei ihm zu Hause aufgetaucht sei, sagte Zali. In einem weiteren aufgezeichneten Gespräch sagte Zali, er könne einen Freund in Mailand anrufen, der ihn niemals verraten würde und das Problem über Drittpersonen lösen könne.
Nun ist die Frau, die die Aufnahmen auf Instagram veröffentlicht hat, tot. Wie Tessiner Medien berichten, handelt es sich bei ihr um die 52-Jährige, die am Dienstag im Luganersee ertrunken ist.
Was ist passiert?
Die Tessiner Kantonspolizei hatte am späten Dienstagabend über den tragischen Todesfall informiert. Jemand hatte die Frau einige Meter vom Ufer des Sees in Melide gefunden, sie war bewusstlos.
Anwesende hätten erste Hilfe geleistet und sie ans Ufer gebracht. Dort hätten Polizisten und Rettungskräfte sie versucht wiederzubeleben – vergebens. Die alarmierten Sanitäter hätten nur noch den Tod feststellen können. Bei der Toten handle es sich um eine Schweizerin, die in der Region wohnte, teilte die Polizei mit.
Laut dem Tessiner Fernsehen RSI hat die Tessiner Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eröffnet. Vor knapp zwei Wochen sei es in Melide bereits zu einem Übergriff auf die Frau gekommen. Sie habe Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Wie die Zeitung «La Regione» indes berichtet, werde bei ihrem Tod derzeit nicht von Fremdeinwirkung ausgegangen. Die Ergebnisse einer Autopsie stehen aber offenbar noch aus.
Zali trat zurück, sah aber kein Fehlverhalten
Zali ist Ende Juli von seinem Amt zurückgetreten. Er hatte die Echtheit der illegalen Aufnahmen nicht angezweifelt, jedoch widersprach er gegenüber «Radio Ticino» den darin gemachten Aussagen. Er habe sich strafrechtlich nichts zuschulden kommen lassen und die Frau nicht geschlagen, sondern nur geschubst. Ausserdem habe er auch niemanden damit beauftragt. «Ich bin nicht gewalttätig», beteuerte Zali.
Doch der Druck auf Zali war immer grösser geworden. Die Regierung wollte ihm das Präsidium entziehen. Dem kam der Lega-Politiker schliesslich zuvor. Während er das Amt des Regierungspräsidenten per sofort abgab, bleibt er noch bis Ende September Mitglied des Tessiner Staatsrats.

