Fussball-WM 2026

«Unverschämt»: Die Deutschen haben den Schuldigen für das WM-Aus gefunden

«Unsere Kinder kennen Deutschland nur noch als Verlierer!» Die Presseschau nach dem Out im Penaltyschiessen gegen Paraguay.
Wird von den deutschen Medien nach dem Ausscheiden an der Weltmeisterschaft hart angegangen: Nationaltrainer Julian Nagelsmann.
Bild: Petr David Josek

Julian Nagelsmann hat fertig. So zumindest der fast einhellige Tenor in den deutschen Medien am Dienstagmorgen nach dem blamablen WM-Aus im Penaltyschiessen gegen Paraguay. «Ein dramatisch schwacher Auftritt unserer Nationalmannschaft, den Nagelsmann zu verantworten hat!», wütet die «Bild» - und gibt dem Trainer die nach deutscher Zählart schlechtestmögliche Wertung: «NOTE 6». Für 10 Spieler gibt es die zweitschlechteste Note 5.

Der «Spiegel» stimmt mit ein: «Dieses deutsche WM-Scheitern trägt auch den Namen Nagelsmann», konstatiert das Magazin. Und weiter: «Wer gegen diesen Gegner ausscheidet, hat in der Weltspitze nichts zu suchen»

Vom Süden der Republik («Nagelsmann ist als Bundestrainer gescheitert: Nur Klopp kann den DFB wiederbeleben», Münchner Merkur) bis in den hohen Norden ( «Dieses WM-Scheitern muss Nagelsmann verantworten – heisst die Konsequenz Klopp?», Hamburger Abendblatt) schiessen sich die Newsportale auf den 38-Jährigen ein.

Attestiert werden dem Nationalcoach taktische Fehler, aber auch charakterliche Schwächen. «Schuldgefühle? Nagelsmann doch nicht!», höhnt die «Süddeutsche Zeitung» - und schiebt in einem Kommentar nach: «Jemand sollte Julian Nagelsmann sagen: Es geht nicht weiter».

Der «Focus» meint: «Es ist unverschämt, wie Nagelsmann auf sein Scheitern reagiert».

Bild: screenshot

Aber auch der Bundeskanzler bekommt sein Fett weg. Friedrich Merz hatte nach dem Ausscheiden, das Millionen Deutsche Fassungslos machte, einen Post in den sozialen Medien abgesetzt. Er schrieb: «Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.» Die «Bild» entgegnet: «Kanzler, das stimmt einfach nicht!!!» Zweitklassigkeit akzeptiere sie nicht, so die Chefredaktorin. «Ich bin nicht stolz. Ich bin sauer. Ich bin enttäuscht. Ich bin wütend! Unsere Kinder kennen Deutschland nur noch als Verlierer!»

In der «Welt» heisst es zum Merz-Post: «Dieses Land, genauer sein Erfolgsmodell, funktioniert schon länger nicht mehr. Aber die Schönredner und Wegschauer verklären den Status quo und schwätzen unverdrossen ihr Weiter-so.»

Jenseits der Landesgrenzen gab man sich vor allem verwundert über das Auftreten der einst so grossen Fussballnation. Eine Auswahl:

England

Mirror: «Auf Wiedersehen! Deutschland scheidet nach schockierender Niederlage aus. Die erste Niederlage nach Elfmeterschiessen für Deutschland auf der grössten Bühne.»

Daily Mail: «Die bisher grösste Überraschung des Turniers.»

The Guardian: «Für Julian Nagelsmann fühlt sich Neuengland wie das Ende der Strasse an. Das hier ist nicht das Deutschland aus den Boomjahren der Eliteakademien. Aber sie sind besser als das. Jürgen Klopp hat das laufende Turnier gut gelaunt aus dem TV-Studio heraus genutzt, um über Nagelsmann zu urteilen, sich dafür zu entschuldigen, und insgesamt so zu tun, als würde er nicht mit grosser Lust selbst gern mal den Job übernehmen. Diese Chance könnte direkt vor der Tür stehen. Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst, Jürgen..»

The Sun: «Das Boot: Bundestrainer Julian Nagelsmann droht das Aus, nachdem Deutschland bei einer Weltmeisterschaft erstmals überhaupt im Elfmeterschiessen - und nach drei Fehlschüssen - die Segel streichen musste.»

Ungläubige Gesichter: Wieder enttäuscht Deutschland an einer WM.
Bild: SHAWN THEW

Frankreich

L'Équipe: «Es ist die bislang grösste Überraschung des Turniers. Obwohl die Paraguayer während des gesamten Spiels in puncto Ballbesitz unterlegen waren, kämpften sie verbissen darum, die deutschen Pläne zu durchkreuzen. Unter grossen Schwierigkeiten überstanden sie die Verlängerung und schafften es bis zum Elfmeterschiessen. Dort wird Deutschland für seine fruchtlose Dominanz bestraft.

Le Dauphiné: «Paraguay sorgt für eine Sensation und schaltet Deutschland aus. Die Deutschen enttäuschen bei ihrer dritten Weltmeisterschaft in Folge, während Paraguay sein erstes K.o.-Spiel gewinnt. Was für ein Erdbeben in Boston!»

Paraguays Held: Torhüter Orlando Gill wird nach dem Triumph im Penaltyschiessen über Deutschland geherzt.
Bild: SHAWN THEW

Italien

Gazzetta dello Sport: «Flop Germania! Die Deutschen zeigten zwar eine leichte Verbesserung gegenüber 2018 und 2022, konnten aber den Erwartungen nicht gerecht werden.»

Tuttosport: «Die erste grosse Überraschung der Weltmeisterschaft 2026 ist das Ausscheiden Deutschlands.»

Corriere dello Sport: «Sensationell: Deutschland scheidet im Elfmeterschiessen aus, Paraguay schafft das Kunststück und zieht ins Achtelfinale ein.»

Österreich

Kronen-Zeitung: «WM-Aus! Deutschland verliert Elfmeter-Thriller. Paraguay sensationell, mit diesem Ergebnis hätten wohl die wenigsten gerechnet.»

Spanien

Marca: «Von Deutschland ist nichts mehr übrig. Nicht einmal im Elfmeterschiessen. Die deutsche Mannschaft muss weitere vier Jahre warten, um ihrem Wappen einen weiteren Stern hinzuzufügen.»

As: «Historischer ‹Paraguayazo›. Gill wird zur Legende, nachdem er die Elfmeter von Havertz und Woltemade sowie Tahs letzten Fehlschuss pariert hat. Dieses paraguayische Team ist historisch.»

Sport: «Paraguay sorgt für die erste grosse Überraschung der Weltmeisterschaft, indem es eine niedergeschlagene deutsche Mannschaft im Elfmeterschiessen besiegt.»

Nach dem Vorrunden-Out an der WM 2018 und WM 2022 scheitert Deutschland erneut. Seit dem WM-Titel 2014 gewann die DFB-Elf kein K.o-Spiel mehr.
Bild: GREG COOPER

Paraguay

Última Hora: «Im Elfmeterschiessen schrieb Paraguay Geschichte und eliminierte Deutschland im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft. Nun wartet die Mannschaft auf den Sieger der Partie Frankreich gegen Schweden. Orlando Gill war der überragende Held des Spiels, da er zwei Elfmeter parierte.»

La Nación: «Eine heroische paraguayische Mannschaft, voller Mut und mit unbändigem Kampfgeist, getragen von der typisch guaranischen Leidenschaft, die sie in jedem Stadion auszeichnet, vollbrachte die Sensation: Sie warf den viermaligen Weltmeister Deutschland aus der Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika und zog ins Achtelfinale ein. Torhüter Orlando Gill parierte im Elfmeterschiessen zwei Strafstösse und wurde damit zu einem der Helden der Albirroja.»

ABC Color: «In einer Nacht voller Dramatik, heldenhafter Momente und bewundernswerter körperlicher Hingabe schrieb die paraguayische Fussballnationalmannschaft eines der glorreichsten Kapitel ihrer jüngeren Geschichte: Im Gillette Stadium warf sie Deutschland im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft nach einem nervenaufreibenden Elfmeterschiessen aus dem Turnier.»

USA

New York Times/The Athletic: «Paraguay sorgte für eine der grössten Überraschungen der jüngeren WM-Geschichte, indem es den viermaligen Weltmeister Deutschland die erste Niederlage in einem Elfmeterschiessen bei diesem Turnier zufügte.»

USA Today: «In einem der bislang schockierendsten Ergebnisse der WM 2026 hat Paraguay Deutschland aus dem Turnier geworfen.»

Mexiko

Esto: «Schluss mit dem deutschen Mythos! Paraguay schafft das Unmögliche und wirft Deutschland im Elfmeterschiessen aus der WM 2026.»

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