Geldpolitik

Die Schweiz hat die tiefsten Zinsen der Welt – doch der Vorteil wird nun zum Problem

Die Schweizerische Nationalbank behält ihren Null-Zins und kämpft zunehmend mit ihrer globalen Sonderstellung.

Die Schweizerische Nationalbank hat heute entschieden: Sie belässt ihren Leitzins bei 0 Prozent. Damit steht sie alleine da in der Welt: Keine andere Zentralbank weltweit hat einen Leitzins von 0 Prozent, wie ihn die hiesige Notenbank seit dem Juni des vergangenen Jahres hat. Doch um die Nationalbank herum wurde es diesen Sommer noch einsamer.

Ab dem Frühjahr hatte der Iran-Krieg starke Schockwellen durch das globale Energiesystem geschickt. Mit einiger Verzögerung zeigen sich die Folgen jetzt auch bei weltweiten Energiepreisen. Benzin, Diesel und Heizöl beispielsweise haben sich stark verteuert, in manchen Ländern kosten sie mehr als je zuvor. In der Schweiz steht Diesel bei einem historischen Höchstpreis.

Dieses Energiepreis-Hoch hat weltweit die Inflation bereits mit nach oben gezogen. Die grosse Frage ist, wie weit sich dieser Trend noch fortsetzt. Die Zentralbanken in aller Welt können nicht abwarten, sie müssen bereits jetzt gegensteuern, indem sie ihre Leitzinsen erhöhen.

In der Eurozone, dem wichtigsten Schweizer Exportmarkt, ging die Inflation bis hinauf auf 3,2 Prozent. Im Juni reagiert die Europäische Zentralbank (EZB) ein erstes Mal und setzte ihre Leitzinsen hinauf. Vor zwei Wochen tat sie es erneut.

In den USA wurde es vor einer Woche dem neuen Chef der Notenbank Fed zu viel. Kevin Warsh fand, die Inflation sei in den USA «schon zu lange zu hoch», und setzte den Fed-Leitsatz zum ersten Mal seit drei Jahren wieder höher an. US-Präsident Donald Trump hatte zwar vehement tiefere Leitzinsen gefordert, und tut es immer noch, aber es half nicht.

Durch den globalen Energieschock steht die Schweizer Nationalbank also einsamer da, als noch zu Jahresanfang. Nicht nur hat sie den niedrigsten  Leitzins aller wichtigen Zentralbanken. Auch ist ihre Zinsdifferenz zur Europäischen Zentralbank so gross wie nie zuvor.

Die Nationalbank bewegt sich also nicht, aber in der Schweiz ist dennoch einiges in Bewegung geraten.

Die hohe Zinsdifferenz zur Eurozone hat den Euro gegenüber dem Franken deutlich gestärkt. Zwischenzeitlich legte er um über 4 Rappen zu. Und die hohen Energiepreise schlugen auch in der Schweiz durch. Wie überall sonst in der Welt verteuerten sich auch in der Schweiz die Preise von Benzin, Heizöl oder Diesel stark.

Weitere Zinsentscheide hängen vom Iran-Krieg ab

In der Folge ginge auch in der Schweiz die Inflation überraschend stark in die Höhe. Viel weniger als in der Eurozone zwar, aber doch spürbar. Im August wie das Bundesamt für Statistik eine Inflation von 0,8 Prozent aus, angetrieben vor allem von steigenden Energiepreisen.

Dennoch glaubt die Nationalbank, der Inflationsdruck habe mittelfristig nur leicht zugenommen, wie Chef Martin Schlegel erklärte. Die aktuelle Geldpolitik sei damit angemessen, um die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und die Wirtschaftsentwicklung zu stützen,

Gemäss der Nationalbank wird die Inflation im vierten Quartal 2026 noch etwas ansteigen, im Verlauf des Jahres 2027 aber wieder zurückgehen – somit braucht es keine Leitzinserhöhungen. Doch vieles hängt von der Energiekrise und damit vom Iran-Krieg ab. Schlegel sagte: «Die Prognose beruht indessen auf der Annahme, dass die aktuell deutlich erhöhte Teuerung bei der Energie in den kommenden Quartalen wieder sinkt.»

Und der Eurokurs wird die Inflationszahlen in der Schweiz bewegen. Sollte der Euro weiter aufwerten, drückt das hierzulande auch die Inflation nach oben. Nachdem der Euro vor dem Leitzinsentscheid wieder weniger als 94 Rappen gekostet hatte, kostet er nun wieder etwas mehr. Sollte die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen im Oktober nochmals erhöhen, dürfte der Euro noch stärker werden.

Die Nationalbank hat heute entschieden, wie sie auf den bisherigen Verlauf der Energiekrise reagieren wollte. Jetzt wird sie wie alle anderen Zentralbanken abwarten und schauen müssen, wie sich die Energiekrise weiterentwickelt. Zumindest damit ist sie unter den Zentralbanken weltweit nicht alleine.

++ Update folgt ++

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