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Gleichstellung

Aufstieg mit Warnsignalen: Warum die Schweiz trotz Ranggewinn stagniert

Kurz vor dem internationalen Tag der Frau wartet PWC mit schlechten Nachrichten auf: Die Schweiz macht Rückschritte.
Die Forderung beim Frauenstreik ist jeweils klar, bei der Umsetzung hapert es: «Gleichstellung jetzt!»
Bild: Keystone

Die Schweiz verbessert sich bei der Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt um einen Rang, wie aus dem neusten «Women in Work Index» des Beratungsunternehmens PWC hervorgeht, der am Montag publiziert wurde. Ein Blick auf die Details zeigt jedoch, dass die Gleichstellung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ins Stocken geraten ist. Zwar ist die weibliche Erwerbsquote mit 80,8 Prozent gut, die Lohnlücke liegt jedoch mit 17,4 Prozent weiterhin «sehr hoch» und damit weit über dem OECD-Schnitt von 12,4 Prozent. Sie hat sich im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht wieder vergrössert.

Besonders alarmierend ist zudem gemäss PWC ein gegenläufiger Trend: Der Anteil der vollzeitbeschäftigten Frauen sank im Vergleich zur Auswertung vom Vorjahr von 60,7 auf 59,2 Prozent.

«Diese Werte zeigen, dass die Stellung der Frauen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt stagniert und sich in einigen Bereichen sogar verschlechtert hat», sagt Teena Madhvani, Partnerin bei PWC Schweiz. Frauen stünden hierzulande weiterhin vor erheblichen Herausforderungen, wie «der begrenzten und kostspieligen Kinderbetreuung», während sie gleichzeitig den Grossteil der Pflegeverantwortung übernehmen würden.

Strukturelle Hürden im Schweizer Alltag würden viele Frauen in die Teilzeit zwingen. Madhvani sieht deshalb die Unternehmen in der Pflicht, Beruf und Familie besser vereinbar zu machen, um «für weibliche Talente attraktiv» zu bleiben. Die Auswertung jedenfalls zeigt laut PWC, dass «die Schweiz beim Thema Gleichstellung weiterhin Nachholbedarf hat».

Island ist top, Italien floppt

Ein Blick auf den internationalen Vergleich zeigt, wie dies gelingt. Die vordersten Plätze im Ranking belegen Island, Luxemburg, Neuseeland, Slowenien und Schweden. Erfolgsfaktoren dafür seien grosszügige Elternzeitregelungen, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung sowie eine familienfreundliche Arbeitskultur. Diese Länder verfügen damit über eine Infrastruktur, die berufstätige Frauen mit familiären Verpflichtungen gezielt unterstütze.

Der «Women in Work Index» bewertet seit 2011 die Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt anhand von fünf Kernindikatoren: Erwerbsquote von Frauen, Differenz in der Erwerbsquote zwischen Männern und Frauen, Arbeitslosenquote von Frauen, Anteil der Frauen mit Vollzeitbeschäftigung sowie geschlechtsspezifische Lohnlücke. Insgesamt beinhaltet die Untersuchung 33 OECD-Länder.

Die Schweiz befindet sich mit ihrem Rang 20 somit im unteren zweiten Drittel der Tabelle. Am schlechtesten schneiden im Ranking Mexiko, Südkorea, Chile, Italien und Griechenland ab. Diese Länder haben sowohl eine niedrige Frauenbeteiligung am Arbeitsmarkt als auch grosse Unterschiede bei den Erwerbsquoten. Wie zementiert diese Verhältnisse sind, zeigt ein weiteres Detail der Untersuchung: Sowohl die fünf Spitzenreiter als auch die fünf Schlusslichter haben sich seit der Corona-Pandemie nicht mehr verändert.

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