Drinks

Bittere Konkurrenz: Campari wehrt sich gegen Aperol-Nachahmer

Wie jeden Sommer steht der Drink mit seinem leuchtenden Orange wieder überall auf den Tischen. Allerdings ist in den Gläsern nicht immer das Original. Jetzt geht der Mutterkonzern dagegen vor.
Genuss kann zu Streit führen: Zwei Gläser Aperol Spritz.
Bild: Marijan Murat/DPA

Auf ihre Nationalfarben sind die Italiener stolz: Die grün-weiss-rote Trikolore ist im täglichen Leben von früh bis spät omnipräsent. Längst gehört zwischen Südtirol und Sizilien allerdings eine weitere Farbe hinzu, insbesondere am späteren Nachmittag, wenn die Stunde des Aperitivo beginnt: ein leuchtendes Orange. Dann stehen überall die Gläser mit Aperol Spritz auf den Tischen, bei Italienern ebenso wie bei Touristen.

Das Dolce-Vita-Getränk ist in seiner Heimat seit vielen Jahren die klare Nummer eins, auch wenn zu Beginn jeden Sommers ein neuer Trendcocktail ausgerufen wird: Hugo, Pomello, Select und andere kommen längst nicht an die Beliebtheit von Aperol heran. Und ganz offensichtlich verdienen viele gut damit. In Touristenhochburgen wie Rom, Florenz oder Venedig werden fürs Glas inzwischen bis zu 16 Euro verlangt. Manchen ist die Mischung für einen Bitterlikör zu süss und zu klebrig. Am Erfolg ändert das nichts.

«Treueprogramm» für Bar-Besitzer

Nur, dass vielerorts nicht mehr das Original ausgeschenkt wird. Das hat den Campari-Konzern auf den Plan gerufen, zu dem die Marke gehört. «Wir beobachten, dass Bars und Restaurants orangefarbene Getränke servieren, oft vom Fass, die nicht unbedingt mit Aperol hergestellt werden», klagt der Geschäftsführer der Aperitif-Sparte, Andrea Neri. Deshalb hat der Konzern auf dem besonders umkämpften Heimatmarkt nun erstmals ein «Treueprogramm» für seinen wichtigsten Umsatzbringer (weltweit: 785 Millionen Euro) gestartet.

Nach dem Start in Padua, wo Aperol 1919 von den Brüdern Luigi und Silvio Barbieri erfunden wurde, nehmen mehr als 2000 Gaststätten am Programm «Aperol Spritz: L'originale» teil. Die Wirte verbürgen sich, dass in ihrem Aperol Spritz - drei Teile Prosecco, zwei Teile Aperol, ein Teil Sodawasser, dazu Eis und Orangenscheibe - tatsächlich Aperol verwendet wird. Im Gegenzug gibt es Werbematerial, Schulungen für Barkeeper und ein Zertifikat für die Eingangstür. Die genaue Rezeptur aus Bitterorangen und Kräutern bleibt geheim.

Der Name Spritz kommt übrigens daher, dass der Wein in Venetien im 19. Jahrhundert den österreichischen Soldaten zu kräftig war, weshalb sie ihn mit Wasser verdünnten – also «spritzten». Das lässt sich auch mit anderem Alkohol machen, aber seit der Übernahme von Aperol durch Campari 2003 ist der Italo-Drink in vielen Ländern zum beliebtesten Aperitif geworden. Auf Fotos, auch bei Tiktok und Instagram (Hashtag: #aperolspritz), macht sich das Orange ausgesprochen gut. Auch in der Schweiz hat der Konzern, der weltweit einen Gesamtumsatz von 3,05 Milliarden Euro erwirtschaftet, mit der Marke grossen Erfolg.

«Aperbitter» ist nicht erlaubt - «Bitterol» schon

Allerdings geht Campari seit längerem schon auf internationalem Gebiet juristisch gegen einen Missbrauch seiner geschützten Marke vor. So entschied das EU-Amt für geistiges Eigentum, dass ein anderes Bittergetränk nicht «Aperbitter» heissen darf. Nicht verhindern liess sich, dass die Discounter Aldi, Lidl und Penny mit halb so teuren Eigenmarken wie Apice oder Bitterol auf dem Markt sind. Auch Edeka und Rewe führen preisgünstigere Bitter-Aperitifs im Sortiment, die dem Original auch optisch sehr ähneln.

Campari-Manager Neri sagt dazu lediglich: «Das Vorhandensein von Produkten, die von Aperol inspiriert sind, ist in erster Linie eine Bestätigung für den Erfolg der Kategorie, zu deren Entstehung und Entwicklung wir im Laufe der Jahre beigetragen haben.»

Für Leute, die Markentreue und Preisbewusstsein miteinander verbinden wollen, gibt es übrigens eine Lösung – zumindest, wenn man den Sommerurlaub in Italien verbringt: Man kann sich Aperol mit nach Hause nehmen. Die Ein-Liter-Flasche (in Italien die Standardgrösse) ist in dessen Heimatland in der Regel um einiges billiger. (dpa)

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