
Emmi-Chefin Ricarda Demarmels fehlt es nicht an englischen Worten, um das Wachstumsfeld des Luzerner Milchverarbeiters zu umreissen. Sie spricht von «Ready-to-drink»-Kaffee und der «Premium-Nische Nutrition+». Wie bitte?
Unter dem genannten Kaffee-Angebot versteht Emmi das Geschäft mit den bekannten Caffè-Latte-Produkten. Dort gibt es neuerdings auch eine Variante mit Matcha, dem japanischen Grüntee-Pulver. Und unter «Nutrition+» fasst Emmi Neuheiten wie eine Trinkmahlzeit, laktosefreies Joghurt oder Milchdrinks mit viel Protein zusammen. Die Drinks gibt es mittlerweile in unzähligen Geschmacksrichtungen und sogar in einer veganen Variante.
Eine weitere Nische hat Emmi bei den Desserts ausgemacht. In den vergangenen zwei Jahren kaufte der Luzerner Milchverarbeiter zwei Dessertspezialisten zu. Für die französische Pâtissier-Gruppe Mademoiselle Desserts warf Emmi 900 Millionen Franken auf – so viel wie noch nie für eine Übernahme. Im Herbst 2025 schlug Emmi zudem bei der britischen The English Cheesecake Company zu.

Auch dieses süsse Geschäft will Emmi nun «funktionaler» machen, also mit einem «Zusatznutzen» versehen. Dazu entwickelt das Unternehmen Desserts, die etwa in kleineren Portionen, mit weniger Zucker und mehr Protein daherkommen. Das Unternehmen betreibt weltweit 20 Produktionsstandorte für Desserts mit 3600 Angestellten.
Die Gesundheitsoffensive zahlt sich aus, wie die am Mittwoch präsentierten Halbjahreszahlen zeigen. Die genannten Geschäftsfelder machten bereits 40 Prozent des Gruppenumsatzes aus, hält Emmi in seinem Halbjahresbericht fest. Und der Trend zeige mit einem Wachstum im zweistelligen Prozentbereich bei «Nutrition+» steil nach oben, insbesondere in der Schweiz, Spanien, Chile und Brasilien. «Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten suchen Lebensmittel, die natürlich, gesund und nährstoffreich sind», erklärt Ricarda Demarmels. Sie sieht darin eine grosse Chance für Emmi.
Prognose leicht angehoben
Insgesamt konnte der Milchverarbeiter den Umsatz im ersten Halbjahr auf 2,32 Milliarden Franken steigern. Das entspricht einem Wachstum von 2,2 Prozent. Zulegen konnte Emmi vorwiegend im Heimmarkt, aber auch in Europa.
Als Reingewinn blieben 100,9 Millionen Franken übrig, was 4,3 Prozent mehr sind als in der Vorjahresperiode. Dieses Ergebnis war allerdings nur möglich, weil Emmi auch Kosten eingespart und die Preise angehoben hat. Denn auch der Milchkonzern spürt die aktuellen Kriege, die gedrückte Konsumstimmung, die steigenden Energiekosten – insbesondere beim Verpackungsmaterial – und den starken Franken. Dennoch blickt die Emmi-Chefin Demarmels optimistisch in die Zukunft und hebt gar die Prognose fürs gesamte Jahr leicht an.
Der Gesundheitsboom dürfte somit auch die Zentralschweizer Milchproduzenten freuen. Die Genossenschaft mit rund 2800 Milchbauern ist über eine Investmentgesellschaft an Emmi beteiligt. Ihnen kann egal sein, wenn Emmi die Schweizer Milch mit englischen Worten verziert. Hauptsache, sie können die Milch verkaufen.





