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90. Geburtstag

Ursula Andress, das ewige Bond-Girl – wenn Schauspieler nur mit einer Rolle in Erinnerung bleiben

Ein einziger Moment kann eine Karriere für immer prägen – doch was, wenn er alles andere überstrahlt? Denn manchmal ist es ganz schön anstrengend, unsterblich zu werden. Ist es also gut oder schlecht, wenn eine Rolle die gesamte Karriere eines Schauspielers prägt?
Ursula Andress 1962 als Honey Rider in «James Bond jagt Dr. No».
Bild: Imago

Es ist 64 Jahre her, seit Ursula Andress im weissen Bikini aus dem Meer stieg und James Bond die Kinnlade herunterfiel. Und dem Rest der Welt ebenso. Heute feiert die Schauspielerin, die aus Ostermundigen in die (Promi-)Welt hinauszog, ihren 90. Geburtstag – und wird noch immer als «Bond-Girl» bezeichnet.

Der Fluch

Im Musikbusiness würde man sie ein «One-Hit-Wonder» nennen und das wie eine Beleidigung. Als habe man nichts anderes drauf, sei nicht wandelbar oder habe einfach nur Glück gehabt. Und tatsächlich hassen manche Schauspieler es, für eine bestimmte Rolle in Erinnerung zu bleiben.

Auch Andress' Filmpartner Sean Connery. Obwohl ihm dank 007 der Durchbruch als Schauspieler gelang, fühlte er sich eingeengt und war frustriert über die wenigen kreativen Freiheiten. Er spielte den Spion zwar über 20 Jahre lang, lästerte aber, dass er die Nase voll von dem ganzen «Bond-Zeug» habe: «Ich würde ihn am liebsten umbringen.»

Sir Alec Guinness war es peinlich, auf seine Rolle in «Star Wars» reduziert zu werden, weil er glaubte, besseres gespielt zu haben. «Obi-Wan Kenobi war eine lächerliche Rolle», motzte er, obwohl er einen der kultigsten Charaktere der Filmgeschichte geschaffen hat.

Alec Guinness spielte viele Rollen – und jene von 1977 als Obi-Wan Kenobi in «Star Wars».
Bild: Keystone

Leonard Nimoy sträubte sich ebenfalls gegen seinen Kultstatus als «Star Trek»-Vulkanier. In den 70er-Jahren nannte er seine erste Autobiografie darum: «Ich bin nicht Spock». Doch die Figur wurde so legendär und beliebt, dass er sein Schicksal schliesslich akzeptierte und 1995 eine zweite Autobiografie veröffentlichte. Diesmal hiess sie: «Ich bin Spock.»

Leonard Nimoy (links) und William Shatner als Captain Kirk und Spock.
Bild: DPA

Der Segen

Klar kann es nerven, wenn alle immer dasselbe von einem wollen und wie ein Kleinkind schreien: «Nochmal! Nochmal! Nochmal!» Aber für eine einzige Rolle bekannt zu sein, ist nicht per se schlecht. Es ist ein Zeichen für eine unvergessliche Leistung. Selbst Schauspieler, die auch in anderen Filmen gut waren, können in einer Rolle in Erinnerung bleiben.

Es ist ein «Luxusproblem», wenn man die einzige Person ist, die einen Charakter verkörpern kann. So wie es beispielsweise ein gewaltiges Problem für Hollywood werden dürfte, wenn Hugh Jackman irgendwann keine Lust mehr hat, Wolverine zu spielen.

Harrison Ford ist sogar in zwei Rollen unsterblich geworden – obwohl er auch tonnenweise andere gespielt hat. Han Solo wollte er schon 1980 abmurksen und flehte Regisseur George Lucas an, ihn am Ende von «Das Imperium schlägt zurück» zu töten. Das geschah aber erst fast 40 Jahre später in «Der Aufstieg Skywalkers». Als er gefragt wurde, ob er als Machtgeist zurückkommen würde, meinte er trocken: «Ich habe keine Ahnung, was das ist. Und es ist mir scheissegal.»

Dann wäre da noch Indiana Jones. Gegen diese Rolle hat er eigentlich nichts. Aber gegen die Titelmelodie. Denn diese folgt ihm überall hin, wie er einst – hoffentlich? – im Scherz sagte: «Jedes Mal, wenn ich auf eine Bühne laufe, jedes Mal, wenn ich von einer Bühne laufe und schlimmer noch. Sie lief im Raum, in dem ich meine Darmspiegelung hatte.»

Es gibt genug Schauspieler, die in Hunderten von Filmen mitspielen, ohne dass sich jemand an sie erinnert. Ist es da nicht um einiges besser, mit einer Rolle in den Popkultur-Olymp aufzusteigen? Und im Fall von Ursula Andress gibt es wohl keine andere Schauspielerin, die einen so gewichtigen Spitznamen als Schweizer Hollywood-Export erhalten hat wie «Ursi National».

Zu diesem Anlass eine kleine Würdigung anderer «One-Hit-Wonder»:

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