
Udo Lindenberg ist seit Jahrzehnten ein deutscher Superstar – und doch fällt es dem einen oder anderen wohl schwer zu sagen, welche Augenfarbe der Sänger eigentlich hat. Kein Wunder, schliesslich kennt man ihn nur mit Hut und Sonnenbrille. Dazu enge Jeans und eine hervor geschobene Unterlippe.
Dass er 80 Jahre alt wird, bezeichnen viele Medien als Wunder. Vor 26 Jahren soff er sich beinahe zu Tode und überlebte nicht zum ersten Mal. «Ich trank eine halbe Flasche Absinth leer – und weiss nichts mehr», sagt er später darüber. Und dass er dank Spital-Sex wiederbelebt wurde. Zuvor hatte er schon einen Herzinfarkt und in den 80er-Jahren wollte ihn sogar seine Geliebte erstechen. Sie traf ihn am Kopf und zurückblieb eine Narbe: «Seitdem trage ich Hut!»

Lindenberg der rebellische Rock-Dichter
Lindenberg war schon immer ein schräger Typ. Auch musikalisch. In einer Zeit, in der es deutsche Songs eigentlich nur als geschönte Heimatliedchen und Schlager-Kitsch gab, beschloss er, es anders zu machen. Er sang davon, was die Menschen im echten Leben beschäftigte: Liebe, Krieg, Arbeitslosigkeit oder Einsamkeit. So, dass es ihnen aus dem Herzen sprach und trotzdem schön klang. Wie ein genuscheltes Rock-'n'-Roll-Gedicht.
Der ewige Rebell sagt: «Ich mach mein Ding, egal, was die anderen labern.» So tat er es auch in den 80er-Jahren, als er mit «Sonderzug nach Pankow» einen seiner berühmtesten Songs herausbrachte. Entstanden, weil er in der DDR auftreten wollte, aber nicht durfte. In einem Brief schrieb er dem DDR-Politiker Erich Honecker: «Lass doch nun auch mal einen echten deutschen Klartext-Rocker in der DDR rocken. Zeig dich doch mal von deiner locker-menschlichen und flexiblen Seite. Sieh das alles nicht so eng und verkniffen, Genosse Honey, und gib dein Okay für meine DDR-Tournee.»

Lieber spät als nie
Udo Lindenberg scheint nie wirklich erwachsen geworden zu sein. Er bleibt ein Träumer – im besten Sinne. Politisch aktiv und informiert, aber immer voller Hoffnung. Er unterstützt junge Musiker und bleibt damit selbst relevant. So knackte er 2023 auch erstmals in seiner Karriere die Spitze der deutschen Charts – und setzte gleich noch einen Rekord. Der Song «Komet» mit Apache 207 blieb ganze 19 Wochen auf Platz 1 der deutschen Single-Charts. Länger als jeder andere deutschsprachige Song zuvor.
Im selben Jahr wurde er auch zum Ehrenbürger von Hamburg ernannt. Und als solcher gäbe es eigentlich ein elegantes Senatsfrühstück zum runden Geburtstag. Doch nicht für Lindenberg. Der Grund: «Das Senatsfrühstück passt nicht so ganz zum Tagesablauf von Udo Lindenberg», sagte ein Sprecher. Klar, der Sänger ist nämlich alles andere als ein Frühaufsteher. Bevor es Nachmittag ist, sollte man nichts von ihm wollen. Auch nicht, wenn er 80 Jahre alt wird.
Das ist für den Sänger übrigens nur eine Zahl. Kürzlich sagte er, er plane, «Mitglied im Club der Hundertjährigen» zu werden, und noch mindestens 20 Jahre «das Mikrofon zu schwingen». Ach ja: Und seine Augen sind übrigens blau.



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