«Alls wo mir id Finger chunnt verbricht mer i de Händ». Es sind Mani-Matter-Zeilen, aber sie könnten einmal die Grabrede für Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) einleiten. Der Dortmunder Ermittler hat seit 2012 etliche Menschen an seiner Seite verloren oder vergrault. Die tragischste Kommissaren-Figur im «Tatort»-Kosmos ist ein Schmerzensmann. Sein Spürsinn für die Wahrheit fordert Opfer, so auch in der Abschiedsfolge am Sonntag für Charakterdarstellerin Stefanie Reinsperger, die wieder mehr an der Wiener Burg spielen will.
Ihre Figur Rosa Herzog wird abgewickelt in einem Fall, der zunächst nach Milieumord aussieht: Ein Nachtclubbesitzer liegt erschossen in seiner Wohnung. Doch die Kriegsverbrechen des Jugoslawienkrieges, die dem Toten anhaften, lösen mehr aus als Ermittlungsarbeit, sie rufen Traumata wach: Fabers Kollegin Ira Klasnić (Alessija Lause) erinnert sich an ihre Kindheit im Bosnienkrieg, während Rosa Herzog und Faber von dessen einstigem Mitarbeiter Daniel Kossik (Stefan Konarske), heute LKA-Ermittler in den Verdacht geraten, in der vorletzten Folge den Chef der Kriminaltechnischen Untersuchung ermordet zu haben.
Dieser in Slow-Motion gedrehte, hochemotionale Showdown, bei dem jeder Ermittler die Pistole auf die Brust des anderen setzt, ist Schauspielkunst auf höchstem Niveau. Zur Fünfsterne-Bewertung hätte es aber einen klügeren Umgang mit der Komplexität des Falls gebraucht. Wer die beiden letzten Folgen des Dortmunder «Tatorts» nicht verfolgt hat, findet sich in diesem Netz aus persönlichen Verstrickungen nicht mehr zurecht.
«Tatort» - «Schmerz». So, 22.2., 20.05 Uhr, SRF1. Vier Sterne.





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