Stefan Büsser

«Ich sollte gar nicht mehr hier sein»: Büssi testet in einem intimen Programm den Sarg

Zwischen Todesdiagnose und Konfettikanonen: Stefan Büsser erzählt in seiner ersten Solo-Show «Über-Lebt» von einem Leben auf Verlängerung.
Anzug und Ort sind beim ersten Auftritt mit dem neuen Soloprogramm gleich wie bei der wöchentlichen Late Night Switzerland Ausstrahlung (hier zu sehen). Im Kaufleuten begeistert das Soloprogramm weitaus mehr.
Bild: zVg

Glück gehabt! Den Sarg, den Stefan Büsser zu Beginn seines Soloprogramms ausprobiert, wird er noch lange nicht brauchen. Noch mehr freut sich bestimmt sein Hund. Für den kerngesunden Kläffer hatte Büssi nämlich eine Art Seitenwagen installieren lassen.

Ein Medikament hat seine Lebenszeit verlängert. Worüber er sich natürlich, wie alle, freut. Aber es stellt sich die Frage, wohin mit dem Sarg. Denn auf Ricardo will ihn niemand, aber vielleicht lässt sich die zwei Meter lange Holzkiste am Zürich HB vermieten. Als Einzimmerwohnung in bester Lage ginge der Sarg sicher weg.

Vorerst kommt er, wie Büssi, auf die Bühne. Der gut gelaunte Moderator und Comedian begrüsst ein zahlreich erschienenes, euphorisches Publikum. Auf die Tour haben sich offenbar sehr viele gefreut. Auch weil es sich um sein bisher persönlichstes Programm handelt.

Ein Leben mit Zugabe

Eigentlich sollte er gar nicht mehr hier sein, sagt Büssi. Er leidet an zystischer Fibrose, einer unheilbaren Lungenkrankheit. Die Ärzte sagten damals, man könne froh sein, wenn er die Pubertät erlebt. Dabei hätten ihm auch die Eltern leidgetan. «Ich meine, wie reagiert man in so einer Situation?» Dann schiessen zwei gigantische Konfetti-Kanonen los. Immerhin hätten die Eltern ja nur bis zur Pubertät budgetiert.

Aber es kommt anders. Büssi steht noch immer hier, auf der Bühne im Kaufleuten. Es ist der Ort, wo er seit zwei Jahren «Late Night Switzerland» moderiert – und der Anfangsort für seine eigene Comedy-Tour. Und die hat es in sich.

Von der Late Night Show unterscheidet sich das erheblich. Weil sich Büssi nicht am aktuellen Weltgeschehen abarbeiten muss, kann er seine Stärken ausspielen. Er ist selbstironischer, tollkühner und stimmungsvoller denn je.

Er nimmt kein Blatt vor den Mund

Das Programm ist als Rückblick auf sein Leben angelegt. Büssi redet also übers Leben und das Überleben. Im Hintergrund zeigt eine Jahresanzeige, wo wir zeitlich sind. Von der Kindheit, die unter dem tödlichen Vorzeichen den Schulunterricht überflüssig erscheinen lässt, geht es bis zum heutigen Schweizer Promi, der in der Schweizer Comedyszene fest etabliert ist.

Zwischen Lausbubenstreichen, pubertären Peinlichkeiten, der Zeit bei Blick und als DJ in der Ostschweiz bis hin zur inzwischen annullierten Verlobung greifen die Geschichten ineinander.

Büssi ist gut drauf. Er witzelt bitterböse auch über sensible Themen wie den Umgang mit Senioren, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die derbsten Witze aber macht er über sich selbst, womit er beim zahlreichen Publikum punktet. Seine Lungenhärchen, erklärt er, seien französischer Natur – das heisst, sie sind immer im Streik.

DJ Stöffel wird zum Schlagersänger

Am meisten lässt er es aber mit einem eigens komponierten Meisterwerk der Schlagermusik krachen. Dafür hat er auch den schönsten Dialekt der Schweiz gelernt und singt wie ein Thurgauer: «Dä Büssi hät di göon.» 
Doch kann Büssi tatsächlich singen? Sagen wir mal so: Der Song versprüht die nötige Energie. Eine Mischung aus Selbstironie und wagemutigem Entertainment. Auch das funktioniert – vielleicht nirgendwo so gut wie in der Schweiz.

Denn sein Publikum kennt ihn bestens. Und Büssi weiss, vor wem er steht. Für die zurückhaltenden Schweizer kommt so einer wie gerufen. Er ist frech, aber selten frivol, kann gut und breit austeilen, aber auch einstecken. Gerade dadurch schafft er es, über so ziemlich jedes Thema zu witzeln. Und es gibt kaum eine Sekunde an diesem Abend, in der das Publikum nicht mitgeht.

Fazit: Ein grandioser Auftakt

Das ist auch nach der Pause so, in der «zweiten Halbzeit» oder der «Verlängerung». Sowohl im Leben als auch auf der Bühne. Und wer jetzt Lebensweisheiten erwartet, wird nicht ganz enttäuscht.

Auch wenn es stark ans Primitive und weniger ans Erleuchtete grenzt: Wenn Büssi als Guru einen Zuschauer «spirituell reinigt», «von aller Last befreit» oder was Gurus eben sonst so tun, geht das mit lauten Flatulenz-Geräuschen einher. Das ist einfach, aber nicht völlig wirkungslos.

Zu den stärksten Einfällen gehört die «SRG-Partei», die Büssi gründet. Sie tut rein gar nichts, ausser beliebige Titel von SRG-Formaten so aneinanderzureihen, dass korrekte, aber sinnlose Sätze entstehen. Damit ist er ganz «bi de Lüt», egal ob Giacobbo/Müller oder Gredig direkt. Er erreicht alle, von der Arena bis in die Landfrauenküche. Und so weiter.

Das passt doch zum 40-Jährigen, der nicht mehr weiss, was anfangen mit seiner Zeit – ist er womöglich bereit für den Wechsel in die Politik?

Das hofft man nicht, gelingt ihm doch als Comedian der perfekte Auftakt zur Tour. Ansonsten stehen auch die Türen zur Schlagersängerkarriere offen. Der eingängige Song hat tatsächlich das Zeug zum Interneterfolg und wird hoffentlich nach der Tour online gestellt. Zuletzt gibt Büssi denn auch eine Zugabe, mitsamt Dinokostüm, goldenem Anzug und Haaren wie der junge Thomas Gottschalk - und schickt sein Publikum mit grossem Dank nach Hause.

Die nächsten Auftritte von Stefan Büssers Programm «Über-Lebt» sind am 6. Mai in Heerbrugg, am 7. Mai in Emmen und am 9. Mai in Rapperswil.

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