Das Gefühl danach

Eigentlich hat sich Büssi dieses Osterwochenende anders vorgestellt. Ohne Auftritt. Die Late-Night-Bühne wollte er den Podcasterinnen von «Zivadiliring» überlassen. Dumm nur: Die drei Frauen hatten sich kürzlich zerstritten. Nun gibt es keine gemeinsamen Auftritte mehr – und damit fiel auch die lange angekündigte Late-Night-Sendung im SRF ins Wasser.
Büssi musste also selbst wieder ran. Wie würde er aus der unvorhergesehenen Situation humoristisch Kapital schlagen? Gar nicht, verriet er dem «Blick» vor der Sendung. «Ich nehme die Situation für die drei Frauen und ihre Fans als sehr belastend wahr und sehe da kein Potenzial für Pointen», meint Büssi verständnisvoll. Zudem sei er mit allen dreien freundschaftlich verbunden – und halte sich deshalb bewusst zurück.
Hier zeigen sich gleich zwei Probleme des Late-Night-Talkers Stefan Büsser: Er hat zu viele Freunde und er will niemanden verletzen.
Passend dazu sagte Altmeister Harald Schmidt einmal in einem Interview mit unserer Zeitung: «Es gibt Satiriker, die Satire machen wollen, ohne zu verletzen. Das ist, als würde ein Fussballspieler sagen: ‹Ich will keine Tore schiessen›. Da fragt man sich natürlich, warum er überhaupt spielt. Aber in der eher kleinen Schweiz kennen sich viele Prominente – da nimmt man eher Rücksicht. Um niemanden zu beleidigen, den man bald wieder treffen könnte.»
Wahr ist es.
Das gab zu reden

Der gestrandete Wal Timmy. Der beklagt sich zumindest nicht, wenn man Witze auf seine Kosten macht – und mit ihm ist der Comedian auch nicht freundschaftlich verbunden. Genüsslich machte sich Büssi auch über ein Social-Media-Video einer sogenannten Tierkommunikatorin lustig, die diagnostizierte: «Dem Wal geht’s gar nicht gut, es war nicht geplant, dass er strandet.» Büssi bitterböse: «Wie viel abgelaufener Fisch muss man essen, um so einen Scheiss rauszulassen?»
Dann wird ein weiteres Video eingeblendet: ein Mann, der die leidenden Klänge des Wals aufnimmt, quasi das Todeslied von Timmy. Büssi nüchtern: «Das ist dann der Walgesang, den ihr zum Einschlafen hört und sagt: Das ist doch so beruhigend.» Gute Pointe. Und so allgemein, dass sie niemandem wehtut.
Der beste Spruch

- In Zürich ging eine Autospur über Nacht spurlos verloren (weil sie einem Veloweg zum Opfer fiel). «So eine Spur verschwindet halt mal in Zürich. Die weissen in der Nase.»
- Nach Artemis 2, der bemannten Mondmission der NASA, und Italiens Niederlage gegen Bosnien im Fussball: «Wenn es nicht so teuer wäre, würde Italien auch seine Fussballer auf den Mond schiessen.» Drei Mal hintereinander nicht an die WM reisen zu können, sei zwar krass, aber «die italienischen Männer bleiben halt immer länger zu Hause.»
- Eine Schlagzeile aus dem «Blick» wird eingeblendet, ein Zitat von Bischof Joseph Maria Bonnemain: «Gott ist bei den Prostituierten und den Drogendealern.» Büssi kommentiert: «Bei so vielen Tagen Arbeit ist das auch verdient.» Knallhart. Doch auch hier: Der Betroffene wird sich bei Büssi nicht beklagen – höchstens die Katholiken.
Der grösste Fail
Zum ersten Mal gibt es bei einer bemannten Mondmission auch eine Toilette in der Raumkapsel. Leider funktioniert sie noch nicht einwandfrei. Dennoch, im Sinne Neil Armstrongs meint Büssi: «Ein kleiner Shit für mich, ein grosser für die Menschheit.»
Der Gast

Thomas Aeschi nimmt auf dem Sofa Platz, und Büssi läuft zur Hochform auf. Er sehe gut aus. Viel besser als kürzlich. Aeschi trat in einem Interview mit Pflaster auf der Stirn auf. Was war da los?, will Büssi wissen. Wie kam es zu dieser «Pflästerlipolitik»? Hat etwa Marcel Dettling zu sehr mit seiner Hellebarde herumgefuchtelt? Kam es gar wieder zu einer Schlägerei im Bundeshaus?
Thomas Aeschi verrät, wie es wirklich war: «Ich lief im Bundeshaus in eine Flügeltür.» Danach habe und Parteikollegin Sandra Sollberger ihn verarztet.
Büssi: «Das steht für eure Politik: Mit dem Kopf durch die Wand oder eben in die Tür»
Ausserdem klärt Büssi die Zukunft der SVP und der SRG. Kommt eine neue Initiative? Aeschi: «Wir haben es mit No Billag versucht und mit der Halbierungsinitiative. Das Thema lassen wir nun für ‹es Ziitli ›in Ruhe.»
Knallhart wird es, als die «10-Millionen-Schweiz» zum Gesprächsthema wird. Büssi landet einen linken Haken: «Du bist mit deiner Frau und eurer Tochter zusammengezogen. Suchst du privat den Dichtestress?» Und dann setzt er zum K.-o.-Schlag an: «Du hast die Einwohnerzahl in deinem Haushalt verdreifacht. Wenn die Initiative durchkommt, wen würdest du zuerst ausschaffen?»

Hier traut sich Büssi etwas. Böse Zungen würden sagen, weil er gegen die SVP schlagen kann. Wahr ist wohl: Er weiss, dass Thomas Aeschi solche Treffer lachend wegsteckt. Richtig ist aber wohl auch: Die Gefahr, eine Freundschaft zu zerstören, besteht hier nicht.



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