Abgesetzt – aber Fabienne Hadorn und Gabriel Vetter lächeln dennoch in die Kamera. Ende Jahr ist Schluss mit der gemäss Vetter «einzigen Sendung im Schweizer Fernsehen mit einem richtigen Genitiv im Titel». Hintersinniger Schabernack beherrscht Vetter auch in dieser Situation. SRF streicht «Die Sendung des Monats» und konzentriert sich auf «Late Night Switzerland». SRF hat sich entschieden, lieber auf laue Witzchen statt auf richtig gut recherchierte Politsatire zu setzen.
«Das letzte satirische Feigenblatt des SRF»
Also hofft man als Zuschauer in der ersten Sendung nach dem Kündigungsbrief auf eine lustige Abrechnung mit dem Gebührensender, der ja in letzter Zeit zu viel falsch macht. Als Beobachter hat man verstanden: «Kulturplatz» statt «Reporter» war ein so durchsichtig falscher Entscheid, dass er als Wink mit dem Zaunpfahl an Bundesrat Rösti erkennbar war: Wegen seinem Spardiktat komme Qualitätsjournalismus unter Druck. Jööö!
Aber zurück zur Sendung: Fabienne Hadorn doppelt nach. Gabriel Vetter sei das letzte satirische Feigenblatt beim SRF. Ui, war das sogar noch eine giftige Spitze gegen Kollege Stefan Büsser? Vetter nimmt den Ball nicht auf. Lieber kalauert er über den Herbst, zählt den Wahnsinn in der Weltpolitik auf und biegt in den Jura ab, wo die ‹Schweizer Illustrierte› Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider beim Zopfbacken begleitet hat.
«Jurassische Tradwife», spöttelt Vetter zurecht über diese groteske Kitschinszenierung. «Hat sie darin ein Schwarznasenschaf hineingebacken?», witzelt Hadorn (siehe Bild).
Und Vetter doppelt nach: «Wenn das der Zopf am Sonntag ist, will ich den Fisch am Freitag nicht sehen.»
So geht politische Satire
Dann aber zeigen Vetter und Hadorn, was Politsatire leisten könnte: Ausgiebig nehmen sie die Debatten um Rüstungsexporte und Arztzeugnisse fürs Blaumachen aufs Korn. Und greifen tief in die satirische Wundertüte: mal blödelnd, mal zynisch.
Fall 1: Vor der November-Abstimmung über das revidierte Kriegsmaterialgesetz, in dem es um die Lockerung der Rüstungsexporte geht, lässt Fabienne Hadorn den Chef von Rheinmetall Oerlikon zu Wort kommen. Seine Kanonen könne man nicht einfach auf einen Pickup schrauben, denn das sei ein «sehr, sehr komplexes Produkt», dafür brauche es «viel Know-How, Ausbildung, Munition von uns, Sensoren.» Er könne es nie ganz ausschliessen, für ihn aber sei es sehr unwahrscheinlich, dass seine High-Tech-Kanonen in falsche Hände geraten.
Hadorn ist gespielt beeindruckt und hat dessen Rede gleich zu einem Werbespot in einer Teleshopping-Sendung umfunktioniert. «Oerlikon Skyranger 30. Jetzt nur: 29'999'999 CHF. Jetzt anrufen.»
Hadorn lässt aber nicht locker. Zweifel, dass Schweizer Waffen in fragwürdige Hände geraten, seien halt berechtigt. Gemäss Zeitungsberichten tauchten solche im Krieg in Jemen, in den Händen von IS-Terroristen, oder in Katar auf – und «in Indien verschwinden Schweizer Maschinenpistolen».
Die GsoA befürchte, die Rüstungslobby möchte Waffen künftig wie Uhren oder Käse exportieren. Ist zwar reichlich übertrieben, aber gut für richtig makabre Satire, die Konsequenz in extremis betreibt: Egal, ob Pistole oder Käse, «Hauptsache Löcher im Leib?» Was das Publikum wieder zum Raunen bringt. Ein bisschen schockieren gehört schon zur Satire. Denn im folgenden Sketch rechtfertigen die beiden als Bundesvertreter die Exporte: «Eusi Moral ist nicht verhandelbar, schliesslich haben wir eine humonitäre Tradition.»
«Schaut jemand vom SRF diese Sendung?»
Fall 2: Ausführlich spotten Vetter/Hadorn über Arbeitszeitreglemente mit Arztzeugnissen - mit Seitenhieben auf Kanzler Merz, der zu den durchschnittlichen 14.5 Tagen Krankheitsabwesenheiten in Deutschland sagte: «Ist das wirklich notwendig?» Der Nationalrat will die ärztliche Schweigepflicht gegenüber dem Arbeitgeber im Falle einer Krankschreibung aufheben. Was etwa SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr ganz toll findet und im SRF-Interview sagt, dass sie gerne den Arzt anrufen möchte, um ihm zu sagen, dass die krankgeschriebene Person vielleicht eine andere Arbeit machen könne. Hausärzte als Sozialdetektive, spottet Vetter.
Und dann platziert Moritz Schädler doch noch einen Tiefschlag gegen das SRF. Auf Vetters Frage, warum er blau mache und ob er keine Angst habe, dass das SRF das mitbekomme, antwortet er: «Hast du das Gefühl, dass irgendjemand vom SRF diese Sendung schaut?»
Ein Raunen geht durchs Publikum. Und hey, die Schweiz hat doch eine Tradition im Blaumachen: EU Nein, EWR nein, Nato nein. Die bilateralen Verträge seien das aufwändigste Arztzeugnis zum blau machen, zum Nicht mitmachen – so Vetters Fazit zu diesem Thema.
So geht Spott, der sitzt: Kunstvoll-bissige Übertreibung, Satire halt. «Die Sendung des Monats im September» kam sogar an die «heute show» im ZDF heran. Wir werden Vetter/Hadorn im 2027 sehr vermissen.







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