«Zauberhafte Schwestern 2»

Sandra Bullock und Nicole Kidman dürfen nicht alt werden

Einst galt in Hollywood: Bloss nicht zu viele Frauen in einem  Film. Trotzdem wurde «Zauberhafte Schwestern» zum Kult. Jetzt kommt die Fortsetzung – mit Frauen über 50 in den Hauptrollen. Aber hat sich wirklich etwas geändert?

Vor fast 30 Jahren mussten sich Sandra Bullock und Nicole Kidman die Frage anhören: «Wie viele Frauen braucht man in einem Film?» Jetzt sind sie mit der Fortsetzung von «Zauberhafte Schwestern» zurück – als Produzentinnen und Hauptdarstellerinnen, die 62, bzw. 59 Jahre alt sind. Halleluja, was für ein Fortschritt! Könnte man meinen.

Doch im Film ist die Zeit offenbar beinahe stehen geblieben. Stockard Channing und Diane Wiest spielen erneut die schrulligen alten Tanten, die schon im Original dabei waren. Damals waren die Schauspielerinnen 54, bzw. 50 Jahre alt. Sandra Bullock und Nicole Kidman sind heute fast zehn Jahre älter – doch von alten Tanten sind sie meilenweit entfernt.

Altern? Ja, aber «diskret«

Doch ist Alter scheinbar trotzdem mehr als nur eine Zahl. Denn im Original spielte Schauspielerin Evan Rachel Wood Bullocks Tochter. In der Fortsetzung wurde sie aber ersetzt – weil sie mit ihren 39 Jahren zu alt ist.

Denn nun ist die Tochter im Film auf dem College. Deshalb übernimmt stattdessen die 27-jährige Joey King die Rolle. Damit ja nicht zu deutlich wird, dass die Hauptdarstellerinnen älter geworden sind?

Manche Fans schütteln darüber den Kopf. «Die Kinderrollen wurden neu besetzt, damit Sandra Bullock und Nicole Kidman höchstens wie 45 wirken. Enttäuschend», schreibt jemand in einem Kommentar, und in einem anderen heisst es: «Man hätte es so anpassen sollen, dass alle ursprünglichen Schauspieler hätten mitwirken können – und nicht nur diejenigen, die so tun wollen, als wären sie 20 Jahre jünger.»

Aber wollen Bullock und Kidman das tatsächlich? Oder gibt Hollywood das noch immer vor? Denn schrullige alte Tanten dürfen zwar mitspielen, aber nicht die Handlung bestimmen.

Auch Männer spüren den Druck, «diskret» zu altern. Sie haben dabei allerdings viel mehr Spielraum. Das zeigt Kidmans Ex-Mann Tom Cruise. 36 Jahre nach dem Original kam er für «Top Gun: Maverick» ebenfalls zurück.

Kelly McGillis, die damals an seiner Seite stand, gab aber kein Comeback. «Ich bin alt und dick, und ich sehe meinem Alter entsprechend aus», sagte sie über die Fortsetzung.

Kinnhaare und «scheiss drauf»-Attitüde

Bullock und Kidman schaffen den schier unmöglichen Spagat, in Hollywood älter zu werden, aber nicht so auszusehen. Und das, während Schauspielerinnen stets genau beäugt und verurteilt werden, sobald man Falten sieht oder die Stirn «verdächtig glatt» ist.

Doch die beiden sind zwei attraktive, fabelhafte und erfolgreiche – aber eben auch ältere – Frauen. Genau das zeigen sie, wenn sie in Interviews zum Film mit einer herrlichen «scheiss drauf»-Attitüde plaudern, die man eben mit einer gewissen Lebenserfahrung gewinnt.

«Ich war früher unglaublich schüchtern und jetzt finde ich: Ach, wen interessiert’s? Ich bin heute viel freier», meint Nicole Kidman gegenüber «People». Und Sandra Bullock erzählt höchst charmant, wie sie sich im Rückspiegel Kinnhaare auszupft. Schade, dass genau diese lockere Weisheit im Drehbuch keinen Platz hatte.

Dabei gehe es laut Bullock genau darum: «Wir vergessen oft, dass unsere Mütter und Grossmütter ebenfalls junge Frauen mit Träumen, Hoffnungen und Sehnsüchten waren. Wir haben sie nie wirklich als Menschen in diesem Sinne wahrgenommen. Sie waren eben nur ‹Mama› oder ‹Oma›.» Sie hätten nie die Anerkennung erhalten, die ihnen eigentlich zustand.

Dasselbe nun im Film. Zwar füttern Bullock und Kidman die Nostalgie der Fans von damals – die ebenfalls älter geworden sind. Doch offenbar hat Hollywood noch immer seine liebe Mühe damit, wenn man in den Gesichtern der Hauptdarstellerinnen sehen kann, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist.

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