Vergewaltigungsprozess

Russell Brand im Zeugenstand: Niemand will für ihn aussagen

Er erschien selbstsicher zum Gerichtstermin, doch drinnen sah es anders aus: Russell Brand musste zugeben, dass sich sämtliche Freunde von ihm abgewendet haben.

«Heute ist der Tag für Wahrheit und Gerechtigkeit», verkündete Russell Brand vor den wartenden Medien, als er beim Gericht in London ankam. Der Schauspieler und Komiker trat im Vergewaltigungsprozess erstmals in den Zeugenstand und äusserte sich dort zu den Vorwürfen.

Diese sind happig: Brand soll zwischen 1999 und 2009 drei Frauen vergewaltigt haben. Drei weitere sollen Opfer von sexueller Nötigung geworden sein. Ein vierter Fall wurde von sexueller Nötigung zu versuchter sexueller Belästigung herabgestuft.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Eröffnungsplädoyer kein Blatt vor den Mund genommen: Der 51‑Jährige sei «skrupellos und berechnend» gewesen, mit einem «unersättlichen» Drang nach sexuellen Kontakten. Er habe eine «kindliche Erwartung gehabt, dass jeder seiner Wünsche erfüllt werden müsse.»

Brand fand keine Entlastungszeugen

Als Brand von seinem Anwalt befragt wurde, stritt er erneut alle Vorwürfe ab. Mehr noch: Der Schauspieler erzählte, wie die Ehe mit Katy Perry 2010 sein Leben völlig verändert und ihm «einen überwältigenden Ruhm» eingebracht habe. Durch diese Bekanntheit seien die jetzigen Vorwürfe «verheerend» für ihn.

«Ist es Ihnen gelungen, eine einzige Person, die über relevante Beweise verfügt, dazu zu bewegen, zu Ihren Gunsten auszusagen?», fragte sein Anwalt. Brand verneinte. Sämtliche Freunde hätten sich von ihm abgewandt und keiner würde ihn auch nur «mit der Kneifzange anfassen», sagte er: «Mein gesamtes Leben wurde von den Vorwürfen vereinnahmt.»

«Zustimmung ist wichtiger als der Sex selbst»

Im Zeugenstand wurde er zu den Aussagen der mutmasslichen Opfer befragt. Brand konnte sich nicht an alle Begegnungen mit den Frauen erinnern. Zu einem Fall sagte er: «Ich erinnere mich, dass ich weniger als eine Minute mit der Klägerin sprach, bevor wir zum Herumalbern auf die Toilette gingen.» Er habe «absolut keinen Zweifel», dass sie einverstanden war.

Wenn er mit jemandem Sex hatte, sei es immer einvernehmlich gewesen. Das sei «grundlegend, essenziell und notwendig – und in vielerlei Hinsicht wichtiger als der Sex selbst».

Der Prozess wird weitergeführt und geht am Donnerstag in die nächste Runde. Für Russell Brand gilt die Unschuldsvermutung.

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