Sexuelle Gewalt

Shitstorm um Komiker Daniel Sloss – obwohl nicht er den Vergewaltigungswitz riss

Gewalt gegen Frauen ist kein Witz. Doch ausgerechnet bei Komikern scheint das noch nicht angekommen zu sein. Die grösste Enttäuschung ist nun einer, von dem das niemand erwartet hätte.

«Wenn du hier bist, wer vergewaltigt dann Rebecca Goodwin? Das ist ein Witz. Natürlich ist es ihr Vater.» Diesen Spruch liess Komiker Vittorio Angelone im Podcast «Have A Word» mit Daniel Sloss, Adam Rowe und Freddy Quinne raus.

Er war an Quinne gerichtet, um sich über ihn lustig zu machen. Alle lachten. Eine nicht. Nämlich die Frau, die nicht dabei war, aber dennoch für diese «Pointe» herhalten musste.

Aufgezeichnet wurde die Folge bereits Ende 2025, doch bisher lag sie hinter der Bezahlschranke. Nun veröffentlichte Angelone seinen «Witz» auf Social Media und löste einen Shitstorm aus. Nicht nur gegen sich selbst, sondern vor allem gegen Daniel Sloss. Denn der Komiker hat seit Jahren genau dieses Verhalten öffentlich anprangert.

Entschuldigung erst nach Shitstorm

Rebecca Goodwin ist ein britisches OnlyFans-Model. Kurz vor der Aufzeichnung des Podcasts hatte sie der Polizei gemeldet, dass sie vergewaltigt wurde. Auch auf TikTok sprach sie darüber.

Sie hörte von der Podcast-Folge erst, nachdem der Post dazu mehrfach geteilt wurde – und sie ist fast froh, dass es nicht früher passierte. «Denn das wäre nur wenige Wochen nach [dem Übergriff] gewesen. Damals befand ich mich in einem anderen psychischen Zustand als heute», erzählt sie auf TikTok. «Ich weiss nicht, wie ich damals auf so einen ‹Witz› reagiert hätte.»

Inzwischen haben sich die Komiker bei ihr entschuldigt und Angelone hat den Post gelöscht. Laut «BBC» ist die Äusserung in der kostenpflichtigen Version der Podcast-Folge aber weiterhin zu hören.

Goodwin stellt klar: Die Entschuldigungen werden zur Kenntnis genommen, aber nicht angenommen. «Ihr habt das vor einem Jahr getan und es mir nie gesagt. Und ihr entschuldigt euch jetzt nur, weil ich etwas dazu auf Social Media gesagt habe», sagt sie.

Eines möchte sie deutlich machen: «Wir stecken in einer globalen Femizidwelle, und wir Frauen und Kinder flehen darum, dass ihr uns hört und uns ernst nehmt.» Witze über Vergewaltigungen und Gewalt an Frauen würden Femizide verharmlosen und sogar normalisieren.

Was bei all dem besonders schockiert, ist, dass Goodwin sagt: «Das war ein Raum voller Menschen, bei denen ich mich sicher gefühlt hätte – und ich habe mich geirrt.»

Warum gerade Daniel Sloss enttäuscht

Tatsächlich bezeichnen sich die Männer als «linke Komiker», die auch schwere Themen hinterfragen.

Vor allem einer von ihnen hat sich genau damit einen Namen gemacht: Daniel Sloss. Die Fans des Schotten sind geschockt, dass er damals nichts gegen diesen «Witz» sagte. Denn sein wohl berühmtester Monolog, der seit Jahren immer wieder geteilt wird, befasst sich genau damit.

2019 machte er in seinem Special «X» Gewalt an Frauen zum Thema und sprach explizit darüber, dass Männer einander zur Verantwortung ziehen müssen. Denn er hatte das schon mal versäumt, weil er wegsah.

Das sagte Daniel Sloss auf der Bühne:

Hier die Übersetzung: «Ich kannte diesen Mann acht Jahre lang – und er hat es verdammt noch mal getan. Es gibt Monster unter uns, und sie sehen aus wie wir.

Mach nicht denselben Fehler, den ich jahrelang gemacht habe: einfach nur zuschauen und sagen: ‹Ich bin nicht Teil des Problems, also muss ich Teil der Lösung sein.› Denn so funktioniert diese Scheisse einfach nicht.

Ich glaube, dass die meisten Männer gut sind. Aber wenn einer von zehn Männern ein Arschloch ist und die anderen neun nichts tun, dann könnten sie genauso gut nicht da sein. Innerlich gut zu sein, zählt einen Scheiss. Du musst aktiv gut sein und dich einmischen.

Statt einen Heldenkomplex zu haben und zu sagen: ‹Ich werde einen Vergewaltiger verprügeln», verhindere es! Denn ich weiss, dass das möglich ist – weil ich weiss, wie kläglich ich dabei versagt habe.

Denn wenn ich hundertprozentig ehrlich zu mir selbst bin: Gab es über die Jahre Hinweise im Verhalten meines Freundes gegenüber Frauen, die ich ignoriert habe? Die Antwort ist ja. Und das wird mich bis zu meinem Lebensende verfolgen. Redet mit euren Freunden. Mischt euch ein.»

Nun hat er denselben Fehler wiederholt. Er hat nichts gesagt, sondern gelacht, als sein Freund einen Witz über Vergewaltigungen machte. Vor allem seine weiblichen Fans sind mehr als enttäuscht.

«Ich hasse es wirklich, dass du uns gezeigt hast, dass du letztlich auch nur ein Mann bist. Genau wie die anderen. So enttäuschend und abstossend», lautet nur einer von vielen Kommentaren.

Gepostet wurde er zu Sloss' Statement auf Instagram, in dem er schreibt: «Mir ist bewusst, wie heuchlerisch das ist, und ich werde nicht versuchen, Ausreden dafür zu finden. Ich habe versagt. Wer von meinem ausbleibenden Handeln enttäuscht ist, hat jedes Recht dazu. Bitte nehmt mich also nicht in Schutz – genau das habe ich nämlich selbst versäumt, als es für jemanden, der es wirklich gebraucht hätte, nötig gewesen wäre.»

Obwohl er den «Witz» nicht selbst erzählt hat, hagelt es für ihn den wohl grössten Shitstorm. Aus demselben Grund, den Rebecca Goodwin genannt hat: Seine Fans dachten, er sei ein guter Mann. Aber in dem Moment, in dem er das hätte beweisen können, hat er gelacht.

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