
Die Show fing so vielversprechend an! Doch am Ende war klar, dass Moderator Conan O’Brien sein Pulver gleich zum Start verschoss, als er den besten Spruch des Abends abfeuerte: «Zum ersten Mal seit 2012 sind keine Briten als beste Schauspieler nominiert – aber ein britischer Sprecher sagte: ‹Ja, aber wenigstens verhaften wir unsere Pädophilen.›» Wumm, das hat gesessen! Und O’Brien legte nach. «Wir senden live aus dem ‹Hat-einen-kleinen-Penis-Theater› … Mal sehen, ob er seinen Namen davor setzt!», meinte er und bezog sich auf das Kennedy Center, das Präsident Donald Trump in das «Trump-Kennedy Center» umbenannte.
Jimmy Kimmel schloss sich an, als er den Oscar für den besten Dokumentarfilm präsentierte und deren Wichtigkeit betonte: «Es gibt Filmemacher, die ihr Leben riskieren, um Ungerechtigkeit anzuprangern. Und dann gibt es Dokus, in denen man im Weissen Haus umher latscht und Schuhe anprobiert.» Gemeint ist natürlich Melania Trumps 40 Millionen Dollar teure Doku. «Oh man, wird er sauer sein, dass seine Frau nicht nominiert wurde», lachte Kimmel. Trumps Namen nannte aber auch er nicht.
Dafür wurde Schauspieler Javier Bardem deutlich, als er ebenfalls einen Oscar präsentierte und zuallererst herausposaunte: «Nein zu Krieg! Und Free Palestine!» Das war’s dann aber auch schon mit überraschenden Show-Momenten.

Neben Trump bekam auch Timothée Chalamet sein Fett weg. Doch er konnte darüber lachen, als O'Brien meinte: «Die Sicherheitsvorkehrungen sind heute Abend extrem streng. Mir wurde mitgeteilt, dass es Befürchtungen hinsichtlich möglicher Angriffe sowohl aus der Opern- als auch aus der Ballettgemeinschaft gibt.»

Eine Gefühls-Achterbahn – ohne Höhen, aber mit vielen Tiefen
Emotional wurde es, als verstorbene Filmschaffenden geehrt wurden. Schauspieler Billy Crystal hielt eine Rede für seinen Freund, den Regisseur Rob Reiner, der Ende 2025 von seinem Sohn ermordet wurde. Rachel McAdams sprach unter Tränen über ihren «Die Familie Stone»-Co-Star Diane Keaton, und Barbra Streisand sang für ihren langjährigen Freund Robert Redford. Es war ein Moment, der zu Tränen rührte.

Doch je länger die Show dauerte, desto mehr kamen als Zuschauer andere Emotionen zum Vorschein. Man hätte aus der Haut fahren können, weil die Gewinner der weniger beachteten Kategorien sich zwar herrlich emotional und nervös freuten – aber ständig innerhalb kürzester Zeit durch das Orchester förmlich von der Bühne gejagt wurden!
Als bei einem der Gewinner für den besten Kurzfilm sogar das Mikrofon und Licht abgestellt wurden, sagte sogar Moderator O’Brien: «Ich weiss, wir haben einen engen Zeitplan, aber einem Mann, der gerade spricht, das Mikrofon wegzuziehen … ist zum Schreien.» Manche gaben aber auch ihm die Schuld. «Wenn sie all die dämlichen Conan-Witze streichen würden, könnten die Gewinner endlich Reden halten, ohne ständig unterbrochen zu werden», twitterte ein Zuschauer.

Selbst die «Bridesmaids»-Reunion enttäuschte: «Die Königinnen der Comedy auf der Bühne und trotzdem nicht witzig. Was für eine verpasste Chance für diese langweilige Show! Wer hat bloss dieses Jahr die Preisverleihung geschrieben?», twitterte ein Zuschauer.
Auch dass Sean Penn als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde, kam nicht bei allen gut an. Der Schauspieler war gar nicht anwesend, weshalb Präsentator Kieran Culkin sagte: «Sean Penn konnte heute nicht persönlich hier sein – oder wollte nicht.» Stattdessen ist der Schauspieler vor ein paar Tagen in die Ukraine geflogen. Zu welchem Zweck ist nicht klar. «Wie oft muss man eigentlich zeigen, dass einem ein Preis scheissegal ist, bis er an jemanden vergeben wird, der genauso oder vielleicht sogar noch talentierter ist?», fragt sich jemand in einem Kommentar auf Instagram. Doch abgesehen davon, dass Penn bereits zwei Oscars hat, hat er diesmal wirklich nichts verpasst.

An den Oscars gab es in der Vergangenheit nackte Flitzer, Stars, die ihren Oscar ablehnten, deren Kleider auf der Bühne rissen, einen falsch verkündeten Gewinner und natürlich gab es eine schallende Ohrfeige, die in die Award-Show-Geschichte einging. Doch die Oscars 2026 waren einfach eine Film-Award-Show – mehr nicht. Die Zuschauerzahlen sinken seit Jahren: 1998 schalteten noch 57 Millionen Menschen ein, letztes Jahr waren es noch 20 Millionen. Ob dieses Schnarchfest nun der Todesstoss für die Oscars gewesen ist?


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