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98. Academy Awards

Michael B. Jordan gewinnt Oscar für besten Hauptdarsteller – und das sind die übrigen Sieger

Mit seiner Doppelrolle in «Sinners» schlug Jordan den favorisierten Timothée Chalamet. Hauptsieger des Abends war «One Battle After Another».
Michael B. Jordan posiert mit glänzendem Lächeln und glänzender Statue.
Bild: JILL CONNELLY

Während dreieinhalb eher zäher Stunden sind in der Nacht auf Montag die 98. Academy Awards verliehen worden, besser bekannt als Oscars. Hier erfahren Sie, wer sich freuen durfte, wer enttäuscht nach Hause gehen musste, und wer sich in der Dankesrede politisch geäussert hat.

Wer waren die Gewinner?

Wenig überraschend räumte «One Battle After Another» gross ab. Paul Thomas Andersons Action-Film über einen gealterten Revoluzzer (Leonardo DiCaprio) gewann insgesamt sechs Oscars; darunter der Hauptpreis für den besten Film, der Oscar für die beste Regie und jener für den besten Nebendarsteller (Sean Penn, der der Veranstaltung allerdings fernblieb).

Hatte alle Hände voll Gold: Regisseur Paul Thomas Anderson («One Battle After Another»).
Bild: JILL CONNELLY

Vier Oscars und damit die zweithöchste Ausbeute des Abends holte der Blues-Horrorfilm «Sinners». Ein höchst solides Ergebnis, das die Verantwortlichen wohl trotzdem nicht ganz zufriedenstellen kann, da «Sinners» mit rekordhohen 16 Nominierungen angetreten war.

Unter diesen vier Oscars war aber auch jener für den besten Hauptdarsteller. Dieser ging an Michael B. Jordan, der in «Sinners» Zwillingsbrüder spielt. Jordans Erfolg war die einzig wirkliche Überraschung des Abends, nachdem während der letzten Monate als beinahe sicher gegolten hatte, dass der Opern-Disser Timothée Chalamet als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet werden würde.

In den Nebenkategorien glänzte Guillermo del Toros üppige «Frankenstein»-Neuauflage, die drei Oscars für Frisuren, Kostüme und Szenenbild erhielt. Weiter gewann der Animationsfilm «KPop Demon Hunters» die Auszeichnung für den besten Animationsfilm sowie jene für den besten Filmsong («Golden»).

Wer waren die Verlierer?

Die grösste Klatsche setzte es an «Marty Supreme» ab. Josh Safdies Tischtennis-Film mit Timothée Chalamet in der Hauptrolle war für neun Oscars nominiert und gewann keinen einzigen. Auch die mehrfach nominierten Kritikerlieblinge «Bugonia», «The Secret Agent» und «Train Dreams» gingen leer aus.

Ebenfalls einstecken musste «Hamnet»: Das schmachtende Historiendrama war achtmal nominiert gewesen – einzig die Schauspielerin Jessie Buckley gewann den Preis für die beste Hauptdarstellerin. Ähnlich erging es «Sentimental Value»: Dem norwegischen Familiendrama waren Siegeschancen in mehreren Kategorien nachgesagt worden; letztlich gewann es einzig in der für den besten internationalen Film.

Das muss Liebe sein: Jessie Buckley lächelt ihren Oscar an.
Bild: Jordan Strauss

Was gab zu reden?

Zwei Premieren gab es zu vermelden: Mit Autumn Durald Arkapaw, der Kamerafrau von «Sinners», gewann erstmals eine Frau den Oscar für die beste Kamera. Und mit dem ohrwurmigen «Golden» holte erstmals ein K-Popsong die Auszeichnung für den besten Song.

Ansonsten war es eine bemerkenswert ereignislose Oscar-Verleihung gewesen. Moderator Conan O’Brien stichelte souverän gegen Trump, erging sich aber auch in zahlreichen anderen, tendenziell selbstverliebten Witzen, sodass die Saal-Regie mehrere Dankesreden abwürgen musste. Der an die Sieger gerichtete Appell «Bitte kurzhalten» («please wrap») leuchtete immer wieder auf den grossen Saal-Bildschirmen.

Die erste Kamerafrau, die den Goldjungen schnappt: Autumn Durald Arkapaw mit ihrem Oscar für «Sinners».
Bild: Jordan Strauss

Wer hielt politische Dankesreden?

Wer sich ähnlich klare Statements erhoffte, wie sie etwa der Musiker Bad Bunny an den Grammys abgegeben hatte, wurde weitgehend enttäuscht. Zwar platzierte auch Jimmy Kimmel, der die Dokumentarfilm-Oscars präsentierte, einige Seitenhiebe gegen Trump («er wird so wütend sein, dass seine Frau hier nicht nominiert wurde»), während Gastmoderator Javier Bardem schlicht «no to war and free Palestine» forderte.

Von den ausgezeichneten Filmemachenden hingegen war kaum dergleichen zu hören. Sie bedankten sich artig bei ihren Familien, Freunden und Netflix, erwähnten jedoch die Zustände des Landes, in dem die Veranstaltung stattfand, mit keiner Silbe.

Bemerkenswert war das insbesondere im Fall von Paul Thomas Anderson: Sein Film «One Battle After Another» zeichnet das dystopische Bild faschistisch regierter USA und wurde oft für seine Nähe zur Gegenwart gelobt. Doch obwohl «One Battle After Another» sechs Oscars gewann und Anderson damit mehrmals Gelegenheit für Reden hatte, beliess er es jeweils bei Dankes- und Freudenbekundungen («let’s have a Martini»).

Wurden expliziter: Regisseur David Borenstein, Produzentin Helle Faber und Protagonist Pawel Talankin (v.l.n.r.) vom Dokumentarfilm «Mr. Nobody Against Putin».
Bild: John Locher

Einzig die Macher des ausgezeichneten Dokumentarfilms «Mr. Nobody Against Putin» wurden expliziter. Im Film zeigt der Regisseur David Borenstein, wie sich der russische Lehrer Pawel Talankin weigert, Propaganda zu unterrichten und schliesslich aus Russland flüchtet.

In seiner Rede sagte Borenstein, er habe durch das Beispiel aus Russland gesehen, wie man ein Land «durch unzählige kleine Akte der Komplizenschaft» verliere: Nämlich dann, «wenn wir uns mitschuldig machen, wenn eine Regierung auf den Strassen unserer grossen Städte mordet, wenn wir schweigen, wenn Oligarchen die Medien übernehmen und kontrollieren, wie wir sie produzieren und konsumieren können.»

Nun, auch darüber, dass mit David Ellison von Paramount bald ein Verbündeter Trumps die ehrwürdigen Warner Bros.-Studios übernehmen wird, schwieg sich Hollywood an der diesjährigen Oscar-Verleihung nobel aus. Obwohl Regisseur Anderson auch hier gute Gelegenheit gehabt hätte: Sein Gewinnerfilm «One Battle After Another» wurde produziert von – Warner Bros.

Das sind alle Siegerfilme

  • Bester Film: «One Battle After Another»
  • Beste Regie: Paul Thomas Anderson («One Battle After Another»)
  • Beste Hauptdarstellerin: Jessie Buckley («Hamnet»)
  • Bester Hauptdarsteller: Michael B. Jordan («Sinners»)
  • Beste Nebendarstellerin: Amy Madigan («Weapons»)
  • Bester Nebendarsteller: Sean Penn («One Battle After Another»)
  • Bestes Originaldrehbuch: Ryan Coogler («Sinners»)
  • Bestes adaptiertes Drehbuch: Paul Thomas Anderson («One Battle After Another»)
  • Bester internationaler Film: «Sentimental Value» (Joachim Trier)
  • Beste Kamera: «Sinners» (Autumn Durald Arkapaw)
  • Bester Animationsfilm: «KPop Demon Hunters» (Maggie Kang, Chris Appelhans, Michelle L.M. Wong)
  • Bester Dokumentarfilm: «Mr. Nobody Against Putin» (David Borenstein, Pavel Talankin, Helle Faber, Alžběta Karásková)
  • Bester Dokumentar-Kurzfilm: «All The Empty Rooms» (Joshua Seftel, Conall Jones)
  • Beste Filmmusik: «Sinners» (Ludwig Göransson)
  • Bester Song: «Golden» aus «KPop Demon Hunters» (EJAE, Mark Sonnenblick, Joong Gyu Kwak, Yu Han Lee, Hee Dong Nam, Jeong Hoon Seo, Teddy Park)
  • Bester Schnitt: «One Battle After Another» (Andy Jurgensen)
  • Bester Ton: «F1» (Gareth John, Al Nelson, Gwendolyn Yates Whittle, Gary A. Rizzo, Juan Peralta)
  • Beste visuelle Effekte: «Avatar: Fire And Ash» (Joe Letteri, Richard Baneham, Eric Saindon, Daniel Barrett)
  • Bestes Szenenbild: «Frankenstein» (Tamara Deverell, Shane Vieau)
  • Bestes Casting: «One Battle After Another» (Cassandra Kulukundis)
  • Bestes Kostümdesign: «Frankenstein» (Kate Hawley)
  • Bestes Make-up und beste Frisuren: «Frankenstein» (Mike Hill, Jordan Samuel, Cliona Furey)
  • Bester Kurzfilm: «The Singer» (Sam A. Davis, Jack Piatt) und «Two People Exchanging Saliva» (Alexandre Singh, Natalie Musteata)
  • Bester animierter Kurzfilm: «The Girl Who Cried Pearls» (Chris Lavis, Maciek Szczerbowski)

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