Kunst

Bildschirme prägen unsere Wahrnehmung der Welt: Diesmal schauen wir nicht nur auf sie, sondern in sie hinein

Der Schweizer Künstler Timo Ullmann zeigt in der Kunsthalle Luzern seine Werke in der Ausstellung «Fullscreen». Und zeigt, was in und hinter Bildschirmen steckt.

Bildschirme – grosse, mittelgrosse und am allerhäufigsten kleine – sind unsere alltäglichen Begleiter. Doch was passiert, wenn wir nicht bloss auf sie schauen, sondern auch dahinter oder mitten in deren Herz? In der Kunsthalle Luzern zerlegt der Aargauer Video- und Performancekünstler Timo Ullmann (39) Bildschirme in ihre Bestandteile und setzt sie zu neuen Ansichten zusammen.

Der Bildschirm wird selbst zum Bild

Ein sphärisches Universum aus Screens, Mobiles, Projektionen und Licht macht erfahrbar, wie neuartige Technologien unsere Wahrnehmung und Interaktion mit der Welt prägen. Rund 15 Arbeiten legen die üblicherweise unsichtbare technologische Infrastruktur frei. Ullmann beleuchtet den Bildschirm als Teil einer komplexen Geschichte menschlicher Bildproduktion und entfacht ein breites Spektrum an Assoziationen. So entsteht eine überraschende und poetische Expedition in unsere Gegenwart.

Reise durch die Menschheitsgeschichte

Vielfältig arrangiert kommt der Bildschirm in seinen Grundelementen daher: In «aspect_ratio» (2026) erscheint ein blosses Rechteck im 16:9-Format, das den Raum abtastet und etwas zu fokussieren sucht. «Greenscreen» (2023) zeigt in einem Bild-im-Bild-Arrangement von grünen Pflanzen die digitale Konstruktion von Bildern. Der achteckige Kronleuchter «chandelier_simulacrum» (2025) erinnert mit seinen vielen flimmernden TV-Simulatoren an das Flackern des Feuers und spannt einen Bogen zur evolutionären Bedeutung des Lichts. In «Fullscreen» (2026) bewegt sich das Publikum via übereinandergelegter Bildschirmkulissen durch die Epochen der Mediengeschichte – bei kontinuierlich zunehmender Geschwindigkeit und Dichte.

Rückzugsort bietet das Kabinett: Eine Videoprojektion bringt Spuren digitaler Verbindung über physische Distanzen in Erscheinung und macht sie raumfüllend erfahrbar. Im Rundbild Bourbaki Panorama und den Kinos im selben Haus lässt sich das immersive Erlebnis in unmittelbarer Nähe weiterführen.

Die Ausstellung präsentiert sich als Gesamterlebnis: Im abgedunkelten Raum spenden einzig Leuchtobjekte Orientierung. Szenografische Interventionen lassen die Fensterfront als Membran erscheinen, die Innen und Aussen gleichzeitig trennt und verbindet, und veranschaulichen so den Dialog zwischen physischem und virtuellem Raum. (are)

Ausstellung «Fullscreen» vom 23.10. bis 19.12. in der Kunsthalle Luzern. Vernissage: Freitag, 23.10., 19 Uhr.

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