Vor einigen Jahren begegnete die Galeristin Evelyne Walker erstmals Arbeiten von Monika Müller. Besonders die Wolkengebilde faszinierten sie; ihre eigentümliche Tiefe, ihre Beweglichkeit und die feinen Übergänge zwischen Licht und Dunkelheit. Nun sind die Bilder Ausgangspunkt einer Ausstellung, die den Blick in den Himmel ebenso öffnet wie in das geheimnisvolle Innere der Erde.
Wolke als Metapher für Veränderung
In der Serie «Spectrum» wird die Wolke zu einem vielschichtigen Motiv, das sich jeder festen Ordnung entzieht. Aus fein überlagerten Grautönen scheinen Gewitterformationen, kosmische Nebel oder diffuse Lichtkörper hervorzutreten, um sich bei längerer Betrachtung wieder aufzulösen. Die Wolke wird zum Ausdruck von Bewegung, Veränderung und Unbeständigkeit – zu einer Metapher für eine Wirklichkeit, die sich nicht vollständig erfassen lässt.
Mit der Serie «Caves» verändert Monika Müller die Perspektive. An die Stelle des offenen Himmels tritt der Blick aus dem Inneren einer Höhle. Dunkelheit trifft auf gleissendes Licht, organische Formen erinnern an Felslandschaften. Was ausserhalb der Höhle liegt, bleibt unbestimmt. Die Öffnung verspricht Erkenntnis und entzieht sie zugleich.
Es geht um die Erfahrung des Sehens
Beide Werkgruppen verbindet zeichnerische Konzentration. Ausschliesslich mit Graphit entwickelt Monika Müller feinste Abstufungen zwischen tiefem Schwarz und leuchtendem Weiss. Schicht um Schicht arbeitet sie das Material in das Papier ein, bis die Zeichnung eine beinahe malerische Dichte erreicht. Aus einem Minimum an Mitteln entstehen atmosphärische Räume von überraschender Tiefe.
Dabei geht es weniger um die Abbildung von Natur als um die Erfahrung des Sehens selbst. Die Arbeiten bewegen sich zwischen dem Sichtbaren und dem Imaginären. Wo die Wolke den Blick in eine scheinbar grenzenlose Weite führt, bündelt ihn die Höhle durch eine Öffnung ins Licht. (zvg/are)
Bis 19. Dezember in der Galerie Vitrine, Stiftstrasse 4, Luzern, Do/Fr 14 bis 18.30 Uhr, Sa
12 bis 16 Uhr. 15. Dezember, 19.00 Uhr: Fanni Fetzer, Direktorin des Kunstmuseums Luzern führt Gespräch mit der Künstlerin.





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