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Sexueller Übergriff

Vorwürfe gegen Katy Perry – was, wenn der Täter eine Frau ist?

Die Polizei ermittelt wegen der Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Katy Perry. Bewiesen ist nichts, doch dass eine Frau in solch einem Fall Täterin sein könnte, schockiert auf einem anderen Level. Aber nicht unbedingt auf einem höheren.
Katy Perry hat in der Vergangenheit schon manche Grenzen überschritten, doch die aktuellen Anschuldigungen sprengen alles.
Bild: Instagram

Als Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes erzählte, ihr Ex-Mann habe sie «virtuell vergewaltigt», war der Schock gross. Und doch ist es eine traurige Tatsache, dass beinahe täglich ähnliche Themen für Schlagzeilen sorgen. Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist keine Seltenheit. Doch jetzt steht plötzlich eine (Promi)-Frau im Fokus der Anschuldigungen.

Model und Schauspielerin Ruby Rose liess vor wenigen Tagen die Bombe platzen: Katy Perry soll sie vor 20 Jahren in einem Nachtklub sexuell belästigt haben. In einem inzwischen gelöschten Post auf Threads schrieb die 40-Jährige: «Sie hat mich nicht geküsst. Sie sah mich, wie ich mich auf dem Schoss meiner besten Freundin ausruhte, um ihr aus dem Weg zu gehen, beugte sich herunter, zog ihre Unterwäsche zur Seite und rieb ihre widerliche Vagina an meinem Gesicht, bis ich die Augen aufriss und mich schwallartig auf sie übergab.»

Ruby Rose wurde als Model bekannt und spielte unter anderem in «Orange Is the New Black»
Bild: Matt Syles

Ob es sich so zugetragen hat, wird nun von der australischen Polizei ermittelt. Ein Sprecher von Perry wies sämtliche Vorwürfe zurück: «Die von Ruby Rose in den sozialen Medien verbreiteten Anschuldigungen gegen Katy Perry sind nicht nur kategorisch falsch, sondern gefährliche, rücksichtslose Lügen.» Das Model habe schon öfter schwere Anschuldigungen verbreitet, die nie bewiesen wurden.

Tatsächlich hatte sie schon mit einigen Promis online Krach und ruderte danach wieder zurück. Doch die Vorwürfe gegen Perry sind ein anderes Kaliber.

Katy Perrys Vergangenheit

Derweil werden ältere Vorfälle der Sängerin wieder ausgegraben. So tat sie sich 2024 mit Produzent Dr. Luke zusammen, der zuvor von Kesha wegen sexuellen, körperlichen und seelischen Missbrauchs verklagt wurde. Die Parteien einigten sich aussergerichtlich, doch während Promis wie Lady Gaga, Adele und Pink die Sängerin öffentlich unterstützten, brachte Katy Perry mit Dr. Luke stattdessen den Song mit dem beinahe ironischen Titel «Woman’s World» heraus.

2018 sorgte die 41-Jährige für Aufsehen, als ein damals 19-jähriger Kandidat bei «American Idol» gestand, dass er noch nie jemanden geküsst habe. Perry wollte, dass er sie auf die Wange küsst, drehte plötzlich den Kopf und küsste ihn auf den Mund. «Yeah, ich habe ihn erwischt», lachte sie. Der junge Mann sagte später, es sei ihm unangenehm gewesen: «Ich wollte, dass mein erster Kuss etwas Besonderes ist.»

Aktuell wird auch ein Interview von Anna Kendrick aus dem Jahr 2014 heiss diskutiert. In der Show von Conan O’Brien erzählte die Schauspielerin, dass die Sängerin sie bei einem Anlass unvermittelt begrabschte: «Katy Perry fingerte meinen Ausschnitt.» Die Schauspielerin nahm die Sache offensichtlich mit Humor. «Ich kenne sie, und ja, weisst du, sie ist sehr aufdringlich – ich mag das», sagte sie und fügte an, sie habe es mit ihrem Kleid auch «irgendwie» herausgefordert: «Wenn es niemand getan hätte, wäre ich ein bisschen traurig gewesen.»

Während Kendrick offensichtlich nur einen Spruch riss, wirkt das dennoch extrem unpassend. Schliesslich werden genug Frauen – und Schauspielerinnen – belästigt. Und es wirft die Frage auf: Dürfen Frauen andere Menschen begrapschen? Natürlich nicht. Und doch, wird eher als harmlos abgetan. So auch, als Katy Perry 2012 den damals 18-jährigen Justin Bieber vor laufender Kamera am Hintern packte. Und mit solchen Aktionen ist sie nicht allein.

Wenn Promi-Frauen zu weit gehen

Moderatorin Jenny McCarthy hielt Bieber 2016 an einer Award-Show fest und küsste ihn wiederholt auf den Hals. «Ich bin Single und ich glaube, das war ‹Cougar›-Vergewaltigung», scherzte sie danach und bezog sich damit auf einen Ausdruck für ältere Frauen, die jüngere Männer daten. Das Publikum lachte und die Presse schrieb von ihrer «Schwärmerei» für den Teenager.

Justin Bieber hatte offensichtlich wenig Freude an dem Überfall von Jenny McCarthy.
Bild: Bildert: Lester Cohen

Madonna machte sich 2016 ebenfalls darüber lustig, als sie an einem Konzert eine 17-Jährige aus dem Publikum auf die Bühne holte, ihr plötzlich am Oberteil riss und kurz ihre Oberweite entblösste. «Tut mir leid, sexuelle Belästigung», meinte sie nur lapidar und bot an, dass das Mädchen auch an ihrem – sehr viel sicherer fixierten – Oberteil ziehen dürfe.

Schauspielerin Mindy Kaling erzählte 2015 in einem Interview, dass sie in ihrer «Mindy Show» Schauspieler Lee Pace spontan in einer Szene auf den Mund küsste, worüber der Schauspieler sichtlich schockiert war. Als ihre Mitarbeiter sie warnten, sie könnte dafür verklagt werden, drohte sie: «Wenn ihr das irgendjemandem erzählt, seid ihr gefeuert.»

Mindy Calling fand ihre Aktion lustig – doch würde man die Rollen umdrehen, würden die reaktionen wohl anders ausfallen.
Bild: Richard Shotwell

Wenn Frauen einander in den Rücken fallen

Die aufgezählten Fälle mögen alle nicht so gravierend sein, wie beispielsweise die Taten von Harvey Weinstein oder R. Kelly. Und doch kommt im Fall einer Täterin ein eigenartiges Gefühl hinzu: Verrat.

Während es mehr als genug weibliche Opfer gibt, ist es kaum zu begreifen, wenn jemand aus den eigenen Reihen Grenzen nicht respektiert. Auch wenn Katy Perry es vielleicht nur als harmlosen Scherz sieht, hätte sie ihre Hände schlichtweg bei sich behalten sollen. Falls das Ganze denn tatsächlich passiert ist. Denn umgekehrt wäre es ebenso schockierend, wenn Ruby Rose die Anschuldigungen erfunden hat und damit ausgerechnet einer anderen Frau in den Rücken fällt. Müssten Frauen es nicht besser wissen?

Nun laufen die Ermittlungen und währenddessen wird Ruby Rose online von vielen Seiten angezweifelt. Frauen und Männer schreiben in Kommentaren: «Warum meldet sie das genau jetzt und nicht schon vor 20 Jahren?» Oder: «Sie will nur Aufmerksamkeit.» Genau wie es Betroffene von sexueller Gewalt nur allzu oft zu hören bekommen. Immerhin ist in dieser Sache alles genau gleich wie bei einem männlichen Täter.

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