Klassik

Dieser Schweizer Komponist legt sich mit Schubert an

David Philip Hefti gehört zu den profiliertesten Schweizer Komponisten. Bald wird er in der Zürcher Tonhalle zu hören sein.

David Philip Hefti gehört zu jener Handvoll lebender Schweizer Komponisten, die man kennen muss. Vorausgesetzt, man setzte in den letzten Jahren gelegentlich einen Fuss beziehungsweise seine Ohren in einen Konzertsaal oder ein Opernhaus, war die Chance nicht klein, ihn tatsächlich kennenzulernen. Hefti ist seit 20 Jahren überaus aktiv, sein Werk bereits jetzt gross und breit.

Der 51-jährige St. Galler hat eine eigene Musiksprache gefunden: Sie reizt die Möglichkeiten der Instrumente bis zum Kratzen, ja Schlagen aus, findet aber immer wieder zu tonalen, «schönen» Wendungen, auch zu Zitaten – oder wenigstens meint man, er zitiere da und dort etwas. Bisweilen ist es bloss eine kleine tonale Idee, an die sich der Hörer halten kann. Und so kann man durchaus behaupten, dass Hefti Neue Musik komponiert, die auf Anklang stösst. Das ist seine grosse Leistung.

Eine seiner Spezialdisziplinen ist das Streichquartett geworden, seit Joseph Haydn, also seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, eine Königsdisziplin der Komponisten.

In dieser Gattung stellt Hefti auch mal einem berüentghmten Werk eine freudnschaftliche Entgegnung gegenüber. So etwa in seinem 8. Quartett «Gesänge der Sehnsucht / Songs of Yearning». Das Stück wurde für das Stradivari Quartett komponiert und im Mai 2024 uraufgeführt, später im Zürcher Kaufleuten gespielt und heftig beklatscht. Hefti schrieb das Werk so, dass seine Sätze abwechselnd mit Antonín Dvořáks «Zypressen» gespielt werden – zwölf kurzen Stücken für Streichquartett.

Beim Schweizer Label «Prospero» ist nun Heftis 7. Quartett «Ans Ende der Zeit / To the End of Time» erschienen. Es entstand für einen Ballettabend, bei dem es Franz Schuberts berühmtem Quartett «Der Tod und das Mädchen» gegenübergestellt wurde. Das «Amaryllis Quartett» präsentiert die beiden Werke auf CD und spielt hier wie dort beeindruckend leidenschaftlich.

Hefti verwendet in seinem knapp 20 Minuten langen Werk verfremdete Anklänge an Schubert; meist bleibt die Beziehung aber unterschwellig. Seine Trauermusik beziehe sich «meist unhörbar» auf Schubert, sagt er selbst. Und so besteht das Werk auch allein, ohne sein Gegenüber, problemlos. Dennoch ist es reizvoll, es zusammen mit Schuberts 14. Streichquartett zu hören. Die Reihenfolge der neuen CD ist allerdings clever: erst Hefti, dann Schubert. Schubert wird also mit Hefti im Ohr gehört.

Von Zürich in die grosse Musikwelt

Im grossen Rahmen lässt sich Hefti im November erleben. Dann wird in der Tonhalle Zürich sein neues Orchesterwerk «Shifting Ground – Atmosphären für grosses Orchester» vom Tonhalle-Orchester unter Paavo Järvi uraufgeführt. Das Werk ist ein Auftrag der Tonhalle-Gesellschaft Zürich und beschäftigt sich mit einer Welt, deren vermeintlich fester Grund zunehmend ins Wanken gerät. Am 25. November nimmt das Tonhalle-Orchester das Werk mit in die Elbphilharmonie Hamburg – und Hefti ist einmal mehr in der grossen Welt zu hören.

Schubert/Hefti, String Quartets, Amaryllis Quartett, Prospero 
Tonhalle Zürich, 18./19. November, Paavo Järvi/Tonhalle-Orchester Zürich

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