Tschechow ist grausam: Er gibt seinen Figuren grosse Träume als «Ufzgi» auf, an denen sie scheitern müssen. Und am Ende? Bringen sie sich selbst um.
Trotzdem fragt man sich nach dieser Folge aus München: Wer ist eigentlich grausamer, Tschechow oder der Betrieb, der ihn ermöglicht?
Am Münchner Residenztheater jedenfalls hat der Schauspieljob zwei jungen Frauen innert sechs Monaten das Leben gekostet. Die letzte kippte während einer «Möwe»-Inszenierung um. «Aus heiterem Himmel», sagen Kollegen. Oder war der Himmel doch nicht «so heiter», wie die Ermittler Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) annehmen?
Die Frau soll mit dem Schmerzmittel Tilidin vergiftet worden sein, und die Münchner, die im Job ständig etwas vorgespielt bekommen, sind genervt von dieser Theaterwelt, für die Drehbuchautor Andreas Kleinert jedes Theaterklischee reaktiviert hat: da die gestrenge Intendantin mit Statement-Brille, die von der Familie spricht, sobald Probleme klein geredet werden müssen, da der schwule Regisseur, der mit schwarzer Pädagogik seine Schauspieler «ans Limit» führt. Es lebt die Täter-Opfer-Umkehr, es tobt die Konkurrenz zwischen Darstellerinnen, die in weissen Hemden über die Bühne torkeln und es blüht der Absatz von Ibuprofen inmitten dieser Affekt-Maschinerie, in der nur die Diva des Hauses (die Schweizerin Ursina Lardi) sich Authentizität erlauben kann.
Batic und Nemec gehen an Ostern in Pension. Die drittletzte Folge ist eine erste Abschiedsbühne für die zwei und ein grosser Spass für alle Theaterfans.
So, 20.05 Uhr, SRF 1. Fünf Sterne.





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