notifications
Tatort-Kolumne

Gift, Gier und grosse Egos: Batic und Leitmayr im Haifischbecken Theater

In ihrer drittletzten Folge werden die Münchner Komissare mit allen Klischees konfrontiert, die die Theaterbühne zu bieten hat. «Das Verlangen» war im Dezember schon in der ARD zu sehen.
Ihr drittletzter Fall: Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec).
Bild: Walter Wehner / BR

Tschechow ist grausam: Er gibt seinen Figuren grosse Träume als «Ufzgi» auf, an denen sie scheitern müssen. Und am Ende? Bringen sie sich selbst um.

Trotzdem fragt man sich nach dieser Folge aus München: Wer ist eigentlich grausamer, Tschechow oder der Betrieb, der ihn ermöglicht?

Am Münchner Residenztheater jedenfalls hat der Schauspieljob zwei jungen Frauen innert sechs Monaten das Leben gekostet. Die letzte kippte während einer «Möwe»-Inszenierung um. «Aus heiterem Himmel», sagen Kollegen. Oder war der Himmel doch nicht «so heiter», wie die Ermittler Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) annehmen?

Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) befragt die Schauspieler der Tschechow-Inszenierung «Die Möwe».
Bild: Walter Wehner / BR

Die Frau soll mit dem Schmerzmittel Tilidin vergiftet worden sein, und die Münchner, die im Job ständig etwas vorgespielt bekommen, sind genervt von dieser Theaterwelt, für die Drehbuchautor Andreas Kleinert jedes Theaterklischee reaktiviert hat: da die gestrenge Intendantin mit Statement-Brille, die von der Familie spricht, sobald Probleme klein geredet werden müssen, da der schwule Regisseur, der mit schwarzer Pädagogik seine Schauspieler «ans Limit» führt. Es lebt die Täter-Opfer-Umkehr, es tobt die Konkurrenz zwischen Darstellerinnen, die in weissen Hemden über die Bühne torkeln und es blüht der Absatz von Ibuprofen inmitten dieser Affekt-Maschinerie, in der nur die Diva des Hauses (die Schweizerin Ursina Lardi) sich Authentizität erlauben kann.

Batic und Nemec gehen an Ostern in Pension. Die drittletzte Folge ist eine erste Abschiedsbühne für die zwei und ein grosser Spass für alle Theaterfans.

So, 20.05 Uhr, SRF 1. Fünf Sterne.

Da lebt sie noch: Nora Nielsen (rechts, Giulia Goldammer) hält die Rolle der Nina nicht mehr lange durch.
Bild: Johann Feindt / BR

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)