Mit Interesse blätterte ich im kürzlich erschienenen Themenheft der Architekturzeitschrift Hochparterre zur städtebaulichen Entwicklung in Luzern Süd. Ein Reporter beschreibt darin lesenswert, wie er diese neu entstehende «Stadt der Widersprüche» auf einer Velotour erlebt hat. Unter anderem stellt er fest, dass sich rund um den Bahnhof Mattenhof zur Mittagszeit «schnell Leben einstellt» dank diverser Gastroangebote.
Freundlich sei das Miteinander von Jung und Alt oder Locals und Expats. Nur lasse sich nicht leicht sagen, ob die Szenerie «eher einem Dorfplatz oder der Plaza einer Grossstadt» entspreche. Zu letzterem passten die hoch aufragenden Bauten mit ihrer «anonymen» Architektur. Hingegen: «Für die dörfliche Lesart spricht die Tatsache, dass das Zentrum hinter der nächsten Ecke bereits wieder zu Ende ist», schreibt er.
Mir geht eher das Zweite durch den Kopf, wenn ich dort unterwegs bin. Dabei wage ich zu behaupten, dass Kriens nirgends urbaner daherkommt, als hier. Und: Gerade auch abends herrscht hier (leider) mehr Betrieb als im «alten» Dorfzentrum. Trotzdem endet das Stadtgefühl für mich abrupt. Dahinter folgen Autogarage, Wiese und Scheune. Noch. Denn wie heisst es so schön: Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.
Dies gilt übrigens auch für das Luzerner Hirschmatt-Quartier mit seinen Blockrandbebauungen. Es entstand Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen innerhalb von nur 15 Jahren und präsentierte sich in der Anfangszeit keineswegs so kompakt wie heute. Historische Aufnahmen zeigen, wie imposante Gründerzeit-Häuserzeilen teils allein auf weiter Flur mitten im einstigen Sumpfland stehen. Die Stadt war ebenfalls an der nächsten oder zumindest übernächsten Ecke zu Ende.
Manche lästern ja, dies sei heute noch so. Hat was. Führt man Bekannte aus ferneren Regionen vom Bahnhof her durch das Quartier Hirschmatt-Neustadt, sind diese zwar überrascht vom grossstädtischen Flair in einer Kleinstadt. Doch schon am Pilatusplatz schaute mich mal einer ungläubig an und fragte rhetorisch: «Aha, war's das schon?!»



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