Kolumne «Stadtwärts»

Ein Ticket nach «Gaggi…»? Die wundersame Welt der Billettautomaten

An den Automaten kann man mehr als nur ÖV-Tickets lösen. Sie unterhalten auch Kinder – seit Generationen. Diese Tradition könnte aber gefährdet sein.

Billettautomaten gelten als Auslaufmodell. In Zeiten der Digitalisierung wird deren Zahl seit Jahren laufend reduziert. Das ist durchaus bedauerlich. Einerseits, weil es für digital nicht bewanderte Menschen schwieriger wird, ein ÖV-Billett zu lösen. Andererseits, weil für Kinder eine Möglichkeit wegfällt, sich die Wartezeit an der Haltestelle zu versüssen.

Schon mir hat es als Kind ein «Freudeli» bereitet, am VBL-Automaten mit der Funktion «mehrere Billette» möglichst teure Kombinationen auszutüfteln. Die Möglichkeiten waren aber begrenzt, man konnte nur Fahrten innerhalb der Agglomeration Luzern lösen. Heute sind Reiseziele in der ganzen Schweiz und teils sogar im nahe gelegenen Ausland abrufbar. Der Rekord unserer Kinder für die teuerste Ticketkombination liegt bei mehreren Tausend Franken. Für zusätzliche Unterhaltung sorgt, dass man die Reiseziele selbst in die Automaten eintippen kann, was die Suche nach lustigen Ortsnamen ermöglicht (es gibt beispielsweise mehrere, die mit «Gaggi» beginnen).

An Automaten kann man nicht nur Billette lösen, sondern auch nach lustigen Ortsnamen suchen.
Bild: std

Die Floskel «Früher war alles besser» trifft auf die Automaten also nicht zu, höchstens auf deren Anzahl. Sicher, es gibt einen nachvollziehbaren Grund für den Abbau. Früher wurde ich beim Spielen am Automaten oft «gestört», weil jemand ein Billett lösen wollte. Meinen Kindern passiert das fast nie. Offensichtlich kaufen die meisten ein digitales Ticket – auch bei mir selbst ist das in der Regel der Fall. Damit trage ich dazu bei, dass Automaten abgebaut werden und eine Tradition langsam zu verschwinden droht.

Vielleicht könnte man ja das Ganze aus einem anderen Blickwinkel betrachten: Solange Kinder am Automaten spielen, hängen sie nicht am Handy. Und da Handys süchtig machen und psychische Probleme verursachen können, wäre der Erhalt von Automaten eine Investition in die Volksgesundheit.

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