«Café und Kultur im Balthasar-Haus» titelte diese Zeitung in ihrer Printausgabe vom vergangenen 19. Juni. Gemeint war damit die geplante Zwischennutzung im ehemaligen, seit zwei Jahren leer stehenden «Schild»-Modehaus bei der Reussbrücke. Kurz nach dem Artikel meldete sich ein aufmerksamer Leser bei uns und wies darauf hin, dass der Name «Balthasar-Haus» auf eine andere Liegenschaft in der Altstadt zutrifft.
Tatsächlich steht am Kornmarkt 12 das Balthasar-Haus, sogar mit einer Info-Tafel an der Fassade versehen. Es wurde Ende des 16. Jahrhunderts erbaut. Ein gewisser Wilhelm Balthasar kaufte das Haus 1573. Später wohnte Schultheiss Jakob Balthasar (1658 bis 1733) darin. Beide gehörten zu einer mächtigen Luzerner Patrizierfamilie.
Womit wir wieder beim erstgenannten Balthasar-Haus wären. Auch dieses wurde von einem Balthasar erstellt, mit Baujahr 1658: Josef Dietrich zum Vornamen (1634 bis 1707). Nur: Als sich die Luzerner Jugend in den 1960er-Jahren mit Demos gegen den Abriss des originalen Riegelbaus wehrte, nannte man es auch Leszinksi-Haus. Denn: Max Leszinski, dem bereits das Nachbarhaus gehörte, hatte das Gebäude in den 1920er-Jahren gekauft und darin einen Laden betrieben. Der Altbau musste trotz Protest 1969 einem Modehaus aus Beton mit einer – zur Besänftigung der Gemüter – vorgeschobenen Riegelfassade weichen. Umgangssprachlich sprach man danach wohl meistens vom «Spengler»-, später «Schild»-Haus.
Somit trifft der Name Balthasar-Haus durchaus auf beide zu. Dies bestätigt ein Blick ins vertrauenswürdige Buch «Luzerner Altstadt» von 1978, wo jenem an der Reussbrücke ein ganzes Kapitel gewidmet ist. Darin schreibt der Autor explizit vom Balthasar-Haus. Einzig bei der ersten Erwähnung im Text verwendet er den Zusatz «oder Leszinski-Haus». Eine andere Reihenfolge der Begriffe ist in einem Eintrag im Staatsarchiv nachzulesen: «Leczinski-Haus Luzern (Balthasar-Haus, Modehaus Spengler)».
Übrigens: Streng genommen gab es einst ein drittes Balthasar-Haus – am Kapellplatz 8. Es war ab Ende des 17. Jahrhunderts über drei Generationen ebenfalls im Eigentum der Familie Balthasar. 1839 kaufte Ferdinand Willmann diese Liegenschaft. Dessen Enkel Joseph (1862 bis 1943) übertrug es der Joseph-Willmann-Stiftung, die dem Haus bis heute den Namen gibt. Zum Glück! Drei Häuser mit gleichem Namen in der doch überschaubaren Luzerner Altstadt würden mich definitiv überfordern.




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