Nach fast 18 Jahren wummern im «Rok Klub» an der Luzerner Seidenhofstrasse bald zum letzten Mal die Bässe. Die Verantwortlichen kündigen in einer Medienmitteilung vom Dienstag die Schliessung per Ende Mai an. «Wir möchten dieses Kapitel bewusst abschliessen, solange wir diesen Schritt aus eigener Überzeugung und in einem positiven Moment gehen können», sagt Phil Kathriner. Er ist Teilhaber der Rok Gastro AG und früherer langjähriger Geschäftsführer des Clubs.

Gründe für das Aus gibt es mehrere, und sie sind keine Überraschung: So ist generell weniger Volk im Ausgang als noch vor ein paar Jahren und die Dynamik hat sich verändert. «Entweder ist der Club ganz leer oder ganz voll», sagt der aktuelle Rok-Geschäftsführer Yannick Müller. Als Beispiel habe man beim Hardtechno-Event am letzten Samstag wegen der vielen Leute einen Einlassstopp verfügen müssen, hingegen sei es gerade an Freitagabenden anspruchsvoll. «Entsprechend schwierig ist das Planen.»
Ganz Junge machen wieder vermehrt Party
Zwar gibt es positive Entwicklungen. So machen ganz Junge wieder vermehrt Party, wobei sie vor allem auf Urban-/Hiphop-Formate anspringen. «Nur ist der Markt dafür relativ schnell gesättigt», sagt Kathriner. Dazu kommt noch etwas anderes: Das düstere Rok entspricht schon rein optisch nicht mehr dem, was sich junge Clubberinnen und Clubber von einer Location wünschen. Deshalb brauche es hier ein neues Konzept.

Das grosse Club-Sterben
Noch vor zehn Jahren war Luzern ein Nachtleben-Hotspot für Tanzwütige, die nicht nur aus der ganzen Zentralschweiz, sondern darüber hinaus, hierher kamen zum Feiern. Viele dieser Clubs gibt's nicht mehr – darunter Casineum, El Cartel, Klangfabrik, Pravda, Uferlos, Mad Wallstreet. Vor allem die Pandemie machte vielen Betrieben den Garaus. «Es ist nicht auszuschliessen, dass es weitere Clubschliessungen geben wird», sagte im Juni 2024 Gianluca Pardini, damals Geschäftsführer der Bar und Club Kommission Luzern, zu dieser Zeitung. Die Gründe dafür sind vielschichtig (etwa: eher gesunder Lebensstil und damit weniger Alkohol, Social Media, Konzentration auf Megaevents) und längst nicht nur ein Luzerner Phänomen – auch in Grossstädten wie Zürich oder in der europäischen Club-Metropole schlechthin – Berlin – straucheln viele Betriebe des Nachtlebens oder sind verschwunden. (hor)
Denn: Die Schliessung des «Rok Klubs» bedeutet nicht zwingend das Ende dieser Lokalität im Untergeschoss des Flora-Hotels. Kathriner und seine Geschäftspartner bleiben Pächter des Lokals. Wie es weitergeht, sei derzeit aber offen. Kathriner sagt nur so viel: «Die Location ist grundsätzlich prädestiniert für einen Clubbetrieb und hat eine lange Geschichte im Luzerner Nachtleben. Es wäre ein grosser Verlust, wenn der Standort nicht zu einem späteren Zeitpunkt in neuer Form, mit weiterentwickeltem Konzept und frischen Impulsen wiederbelebt wird.»
Eine lange Geschichte hat die Location definitiv: Seit der Eröffnung des Flora-Hotels im April 1979 wird im Untergeschoss die Nacht zum Tag gemacht. Anfänglich waren es sogar zwei Lokale: der (schon lange geschlossene) Ländlerkeller und die Flora-Disco. Letztere baute Freddy Burger Management Mitte der 1990er Jahre zum Adagio-Club um. Vor fast 18 Jahren übernahm dann die Rok Gastro AG den Club.
25 bis 30 Mitarbeitende sind betroffen
Von der Rok-Schliessung betroffen sind rund 25 bis 30 Mitarbeitende – alle Teilzeit und mit kleinen Pensen. Darunter ist das Barpersonal oder die Security. Diese seien informiert und zeigten viel Verständnis für den Schritt. «Es kommt für sie auch nicht aus dem heiteren Himmel», sagt Müller. Dank guter Vernetzung in der Gastrobranche werde man viele von ihnen woanders unterbringen können.
Zuerst aber wird das Rok noch gebührend verabschiedet: Während des ganzen Mai werden sämtliche etablierten Eventreihen ein letztes Mal durchgeführt. Dazu gehören Formate aus verschiedenen musikalischen Richtungen. Müller und Kathriner sagen: «Wir hoffen, dass auch viele ehemalige Clubberinnen und Clubber den Weg zu uns finden und nochmals mitfeiern. Es sind doch mehrere Generationen, die hier mit dem Nachtleben sozialisiert worden sind.»



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