Erstmals hat die Stiftung Doku-Zug im letzten Jahr ihren «Prix Doku-Zug» verliehen. Mit dem Preis werden Abschlussarbeiten mit einem Bezug zur Region oder besonderer gesellschaftspolitischer Relevanz gewürdigt. Am Freitag fand nun im Chamer Lorzensaal die zweite Preisverleihung statt. Dieses Mal zeichnete die Stiftung insgesamt fünf Hochschul- und Maturitätsarbeiten aus, wie es in einer Mitteilung heisst.
In der Festrede «Cham, Rom, Chicago – eine Zeitreise in die Gegenwart» spannte Philippe Weber, Historiker und Fachdidaktiker, einen Bogen von der lokalen Geschichte bis zu globalen Entwicklungen. Er zeigte auf, wie sich in einer Gemeinde wie Cham weltgeschichtliche Strömungen spiegeln – von politischen Umbrüchen über Migration bis hin zur Transformation von Arbeits‑ und Lebenswelten.
Weber machte deutlich, dass historische Bildung gerade dann ihre Wirkung entfaltet, wenn sie konkrete Orte, Personen und Geschichten mit den grossen Linien unserer Zeit verknüpft. Seine «Zeitreise in die Gegenwart» passe damit ideal zum Anliegen des Prix Doku‑Zug, der junge Menschen ermutige, «Geschichte, Politik und Gesellschaft nicht abstrakt, sondern anhand greifbarer Beispiele zu erforschen», wie die Stiftung schreibt.
«Beeindruckende Breite» der eingereichten Arbeiten
In ihren Laudationes würdigten Namensforscher Beat Dittli und Historiker Thomas Zaugg zunächst die «beeindruckende Breite» der 24 eingereichten Arbeiten. Sie betonten, dass die Jury bewusst auf eine Rangierung verzichtet und stattdessen in zwei Kategorien – Hochschularbeiten und Maturitätsarbeiten – je mehrere Projekte prämiert habe.
Bei den Hochschularbeiten wurde eine Masterarbeit zur Geschichte der «Neuen Linken» im Kanton Zug ausgezeichnet, die aufzeigt, weshalb hier ab den 1970er‑Jahren eine besonders eigenständige linke politische Bewegung entstehen konnte. Ebenfalls gewürdigt wurde ein an der PH Zug entwickeltes Sachbilderbuch über eine Führung durch die Stadt Zug, das mit kindgerechten Texten, Aufgaben und Illustrationen einen neuen Zugang zur Stadt für Schulklassen eröffnet.
Unter den prämierten Matura-Arbeiten ragte eine politikwissenschaftliche Studie hervor, die fragt, ob und wie sich liberale Demokratien gegenüber autoritären Akteuren bewähren, ohne ihre eigenen Prinzipien zu verraten. Grosse Beachtung fand auch eine literarisch‑historische Rekonstruktion der Lebensgeschichte eines fremdplatzierten Kindes im frühen 20. Jahrhundert. Eine weitere prämierte Arbeit widmete sich dem Zugersee, verband eigenständige Messreihen von Phosphat‑ und Nitratwerten mit offiziellen Daten und zeigte damit, dass die ökologische Sanierung dieses «landschaftlichen Juwels» den Kanton Zug noch auf Jahrzehnte beschäftigen wird.
Sämtliche Arbeiten können auf der Website der Stiftung nachgelesen werden. Ebenfalls wird dort ab Herbst der Prix Doku-Zug 2027 ausgeschrieben. (rh)



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