Canuto, Bewohner des Dorfs Tamanduá in der Provinz Misiones, Argentinien, verwandelte sich in einen Jaguar und starb dann eines tragischen Todes. «Jepotá» heisst das mythische Konzept der indigenen Mbyá-Guaraní, das diese Verwandlung beschreibt und wodurch eine tiefe Verbindung zur Natur oder zu spirituellen Kräften ausgedrückt wird. Der Filmemacher Ariel Kuaray Ortega kehrt ins Dorf seines Grossvaters zurück und möchte die ganze Geschichte von Canuto erfahren.
Die Doku-Fiktion «A transformação de Canuto» («Canuto’s Transformation») ist kein Film über die indigene Gemeinschaft, sondern kommt unmittelbar aus ihr heraus. Die Dorfbewohner sprechen vor der Kamera über ihre Bräuche und Glaubensvorstellungen, über Kolonialisierung und ihr belastetes Verhältnis zur Militärdiktatur, stellen die Geschichte von Canuto aber auch in fiktiven Szenen nach. Der Film wird so zum Gemeinschaftsprojekt.
«A transformação de Canuto» feierte seine Weltpremiere 2023 am IDFA in Amsterdam, dem weltweit grössten Filmfestival für Dokumentarfilme, wo er im Wettbewerb «Envision» mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde. Die Sektion legt den Fokus auf formal gewagtere Werke, die sich der Realität von einem anderen Blickpunkt aus nähern und an die äussersten Grenzen der dokumentarischen Filmgattung stossen. Die Linien zwischen den Darstellenden und den Filmfiguren lösen sich allmählich auf, Gegenwart und Vergangenheit werden eins. Der renommierte britische Filmkritiker Peter Bradshaw hat «A transformação de Canuto» im «Guardian» als «faszinierende Studie» gelobt.
Indigene Filmschaffende sind dank Schweizer Beteiligung hier
Die Zentralschweizer Vorführungen finden in Anwesenheit der indigenen Filmschaffenden Ariel Kuaray Ortega (Co-Regie) und Luz Jachuká Duarte (Regieassistenz) mit anschliessendem Gespräch statt. Hergestellt wurde der Kontakt durch Sagittaria, die Schweizer Vereinigung für Naturschutz in Argentinien. Die in Baden beheimatete NGO ist bei der Organisation des Filmgesprächs massgeblich involviert. Mit ihr nach Argentinien gereist war Dorotea Bitterli. Sie ist Hispanistin und Filmwissenschaftlerin und schreibt für die Zuger Zeitung. (reg)
Mittwoch, 21. Januar, 18.00, Stattkino, Luzern; Samstag, 24. Januar, 10.45, Kino Seehof, Zug.



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