Verschiedene Untersuchungen weisen darauf hin, dass sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen zunimmt. Entsprechend werden Erziehungsberechtigte und Lehrpersonen vermehrt mit Problemsituationen konfrontiert, in denen Jugendliche die gegenseitigen Grenzen nicht einhalten oder die sexuelle und psychische Integrität missachten. Rund drei Viertel der betroffenen Schülerinnen und Schüler erfahren sexualisierte Gewalt durch ihnen bekannte Jugendliche unter 18 Jahren. Zusätzlich nimmt die digitale sexualisierte Gewalt zu: Gemäss der James-Studie 2024 haben rund 15 Prozent der 12/13‑jährigen und rund 30 Prozent der 14/15-jährigen Jugendlichen in der Schweiz unerwünschte sexuelle Anfragen erhalten. Dennoch wird über Gewalt unter Jugendlichen häufig nur wenig gesprochen. Umso wichtiger ist es, Jugendliche frühzeitig zu sensibilisieren und ihnen Orientierung und Handlungsmöglichkeiten zu vermitteln.
Genau hier setzt die Präventionskampagne «Love Limits» an, wie die Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Uri schreibt. Die Fachstelle Kindesschutz und der Schulpsychologische Dienst des Kantons Uri führen «Love Limits» auch heuer auf der Urner Oberstufe durch. Vom 7. bis 28. September wird die interaktive Wanderausstellung von sämtlichen zweiten und dritten Klassen besucht.
Eigene Grenzen kennen und die Grenzen anderer respektieren
Im Mittelpunkt der Kampagne stehe die Auseinandersetzung mit Fragen rund um Beziehungen, Nähe, Sexualität und persönliche Grenzen. Die Jugendlichen setzen sich aktiv damit auseinander, wie sie sich unter Gleichaltrigen, in Beziehungen und auch bei Trennungen achtsam und respektvoll verhalten können. Dabei stehen zentrale Präventionsfaktoren im Vordergrund: sich selbst treu bleiben, eigene Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen, Rechte und Pflichten kennen, verantwortungsbewusst handeln, gegenseitige Grenzen respektieren und sich bei Bedarf Hilfe holen.
Die Ausstellung richtet sich jedoch nicht nur an Jugendliche. Auch Lehrpersonen und Erziehungsberechtigte werden für das Thema sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen sensibilisiert und erhalten Anregungen, wie sie Jugendliche im Umgang mit persönlichen Grenzen und schwierigen Situationen unterstützen können.
Ergänzend zur Ausstellung finden zwei Elternabende statt: am 7. und 16. September, jeweils um 19 Uhr, im Prüfungssaal der Kantonalen Mittelschule Uri in Altdorf. Die Abende bieten Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich mit Fachpersonen über den Umgang mit (sexualisierten) Grenzverletzungen unter Jugendlichen auszutauschen.
Fachpersonen leisten wichtigen Beitrag
Eine besondere Funktion im Rahmen von «Love Limits» haben die Fachpersonen. Sie unterstützen die Fachstelle Kindesschutz bei der Durchführung und den Führungen durch die Ausstellung. Beteiligt sind Personen unter anderem aus den Bereichen Kinder- und Jugendpsychologie, Schulsozialarbeit, Kinder- und Jugendmedizin, Jugend- und Erwachsenenstrafrecht, Opferhilfe sowie Jugendberatung.
«Die Durchführung von ‹Love Limits› wäre ohne das breite Fachwissen und das grosse Engagement dieser Personen nicht möglich», wird Anuar Keller Buvoli, Leiterin der Fachstelle Kindesschutz, in der Mitteilung zitiert. «Gleichzeitig erleben wir, dass auch die Fachpersonen vom Einsatz profitieren. Die Begegnungen mit den Jugendlichen ermöglichen wertvolle Erfahrungen zum einen. Zum anderen fördern die Führungen in interdisziplinären Teams die Vernetzung über die verschiedenen Fachbereiche hinweg.» (rwi/zvg)
Weitere Informationen sind auf dem Flyer «Love Limits» auf der Website des Kantons Uri zu finden.
Wirkung wird evaluiert
Die diesjährige Durchführung von «Love Limits» im Kanton Uri ist von Kindeschutz Schweiz für die Wirkungsstudie 2026 ausgewählt worden. Die Studie, durchgeführt von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) prüft die Wirkung der Präventionsangebote, die Kindesschutz Schweiz lanciert hat. Ziel der Studie ist es, die Wirkung der Programme bei den Schülerinnen und Schülern sichtbar zu machen und den gesundheitlichen und psychosozialen Nutzen für Kinder und Jugendliche, Eltern, Lehrpersonen sowie Schulen zu verdeutlichen.
Ausserdem möchte sie gegenüber Eltern und der Öffentlichkeit das Engagement der beteiligten Lehrpersonen und Schulen sowie der beteiligten Fachinstanzen für das Wohl der Schülerinnen und Schüler transparent machen.
Schliesslich soll die Evaluation die Qualität der Programme sichern. National werden rund 35 Klassen zum Programm «Mein Körper gehört mir!» und rund 60 Klassen zum Programm «Love Limits» befragt, wobei die Mehrheit der befragten Klassen, nämlich 40, Urner Oberstufenklassen sind. Die Datenerhebung erfolgt bei den Lehrpersonen und den Schülerinnen und Schülern mittels eines online-Fragebogens an zwei Erhebungszeitpunkten, einmal vor und einmal nach Ausstellungsbesuch. Die Teilnahme ist freiwillig. Alle Beteiligten werden zu gegebener Zeit über die Evaluationsergebnisse informiert. (zvg)


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