«No Kings» – zwei Worte, die in jüngerer Zeit populär geworden sind. Sie stehen für eine US-amerikanische Protestbewegung gegen Donald Trump und damit gegen eine wachsende Machtkonzentration im Weissen Haus. Die Forderung: Niemand soll wie ein König über dem Gesetz und den demokratischen Werten stehen.
Keine Könige erwünscht also. Und was ist mit Königinnen? Mit Queens? Wäre die Welt eine bessere, wenn mehr Frauen an der Macht wären? Oder sind Frauen vielleicht besonders gefährlich, wenn sie ihre weiblichen Reize spielen lassen? Es ist eines der zentralen Themen in der aktuellen Ausstellung in der Zuger Galerie Gleis4, aber der Gedanke reicht weit darüber hinaus: «No Kings, but Queens» stellt das Thema Macht in ihrer gesamten Varietät zur Diskussion – mit einem geschärften Blick auf die aktuelle Weltlage. Vielsagende Kunstwerke mit einer subtilen Botschaft, die man als Betrachter selber suchen muss, greifen ein vielseitiges Verständnis von Macht und ihren Auswirkungen auf.
Affen, Busen und «Big Dicks»
Wie reagiert die Autorität auf Spott? Nadya Tolokonnikova vom russischen Performance-Kollektiv Pussy Riot lehnte sich öffentlich gegen Putin auf – und landete im Gefängnis. Ihr grossformatiges Acrylgemälde «you will please me» steht symbolisch für ihren Kampf gegen das System. Tamara Riedels «Monkey deluxe» in Gold oder das weisse Pendant «Big Dick» hingegen zielen offensichtlich direkt auf die Machtinhaber mit XY-Chromosomensatz und ihr männliches Geltungsbedürfnis. Dass der «Big Dick» seinen Blick direkt auf einen monströsen Busen richtet, erweitert das Interpretationspotenzial.
Losgelöst von einer intergeschlechtlichen Wechselwirkung ist das rund 160 Zentimeter hohe Werk «Toy Stories». Es beherrscht visuell den Hauptausstellungsraum und zeigt einen nachdenklichen Netanjahu auf einem konisch zulaufenden Berg Kinderspielzeug sitzend. Er trägt Echthaar aus Israel, seine Pose ist Rodins «Penseur» nachempfunden. Der britische Künstler Mason Storm stellt Israels Machthaber der Unschuld von Kindern gegenüber. Auch wenn Storm – wie auch bei seinem weltbekannten Werk «Saint or Sinner?» (Trump am Kreuz) – damit keine konkrete Botschaft vermittelt, ist die subtile Provokation offensichtlich, die für Storms Kunst charakteristisch ist. Einige Bildwerke Storms, die bereits an der Ausstellung im Bahnhof Zug im vergangenen März zu sehen waren, ergänzen die Auswahl.
Die Bildwerke von Martin Zemp und Halie Torris leiten das Augenmerk wieder zurück zur weiblichen Figur – hier als Grundlage für die Reflexion über Beziehungen, Begehren, Selbstbestimmung und die Macht erotischer Anziehungskraft.
Eine Ausstellung, die neutral bleiben will
«Mit all diesen Ansätzen laden wir ein, Macht kritisch zu hinterfragen», erklärt das Galeristenpaar Melanie und Konrad Breznik. «Losgelöst von konkreten Personen steht die Frage im Raum: Wenn wir Macht neu denken könnten, was würden wir verändern?» Wo sich (zu) viel Macht konzentriere, seien die Auswirkungen meist dieselben: «Die Leidtragenden sind wir.» Also das einfache Volk.
«Es sind Themen, die man dringend aufgreifen muss, auch – oder erst recht – über den Weg der Kunst», betont Konrad Breznik. «Uns war dabei wichtig, dass wir mit der Werkwahl für unsere Ausstellung eine neutrale Position einnehmen. Aber wir wollen damit Diskussionen anstossen, die durchaus auf emotionaler Ebene stattfinden dürfen», fügt Melanie Breznik an.
Die Ausstellung «No Kings, but Queens?» in der Galerie Gleis4 an der Artherstrasse 3 in Zug dauert bis zum 2. Dezember.






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