Ausnahmebetrieb an der Montessori-Schule in Luzern: Das «Fahrende Tonstudio» war zu Gast und verwandelte die Klassenzimmer vergangene Woche in professionell ausgestattete Aufnahmestudios. 25 Schülerinnen und Schüler der 7. bis 9. Klasse produzierten in fünf Gruppen ihre eigenen Hörspiele – inklusive Soundeffekten und Musik.
Möglich macht das Projekt Stefan Bregy mit seinem «Fahrenden Tonstudio». Statt dass die Klassen ins Aufnahmestudio gehen, kommt es zu ihnen. Der 44-Jährige war ursprünglich Gymnasiallehrer und leitete ein Wahlfach für Audioproduktionen aller Art. Seit 2017 ist Bregy selbstständig, reist durch die Deutschschweiz und die Romandie und bietet verschiedenste Workshops an.
Jugendliche machen fast alles selbst
Projektwochen wie diese beginnen für Bregy mit dem Aufbau: Technik einrichten, Mikrofone testen und den Schülerinnen und Schülern die Grundlagen erklären. Die Geschichten haben die Klassen im Vorfeld gemeinsam mit den Lehrpersonen entwickelt, erklärt er. An der Montessori-Schule in Luzern reichten die Themen von Sagen und Geistergeschichten bis zu historischen Stoffen und Krimis.
Im nächsten Schritt standen die Sprachaufnahmen in den selbstgebauten Sprecherkabinen an. Danach produzierten die Jugendlichen Geräusche und Musik: Sie nahmen mit kleinen Mikrofonen auch draussen Klänge auf oder programmierten Beats am Computer. Zum Schluss wurde alles geschnitten. «Die Kinder arbeiten sehr selbstständig – nur selten nehme ich am Ende noch Anpassungen vor», sagt Bregy. Perfektion sei für ihn zweitrangig. Entscheidend sei der Prozess von der ersten Idee bis zum Endprodukt.
Mehr als 500 Klassen begleitet
Die Reaktionen seien überwiegend positiv. «90 Prozent sind mit grossem Einsatz dabei», sagt Bregy. Neben der Kreativität werde vor allem auch die Sprache gefördert: Wer einen Text mehrmals einspreche, verbessere automatisch Betonung und Lesefluss – und überwinde Hemmungen.
Liam, 14, arbeitete an «Pilu», einer Geschichte über den Pilatusdrachen im Mittelalter. «Am Anfang ist es komisch, sich selber zu hören», sagt er. Besonders das Schneiden und Organisieren in der Gruppe habe ihm gefallen. Auch für die anderen Schülerinnen und Schüler sei es eine willkommene Abwechslung vom Alltag.
Auch bei den Schulen stosse das Projekt auf grosses Interesse – besonders im Kanton Luzern, sagt Bregy. Über 500 Klassen habe er inzwischen begleitet, mehr als 150 davon in Luzern. Dank der Subventionierung von Schule & Kultur Luzern (Schukulu) konnte sich das fahrende Tonstudio hier früh etablieren. Besonders zu Beginn sei diese Unterstützung entscheidend gewesen, sagt Bregy.




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