Luzern

Mit gesegnetem Chindsgi-Täschli ins neue Schuljahr: Gottesdienste zum Schulstart sind beliebt

Viele Luzerner Pfarreien kennen die Tradition von Segensfeiern am Sonntag vor Schulbeginn. Das Angebot kommt bei Familien gut an.
Beim Gottesdienst zum Schulbeginn – hier in Horw – werden jeweils auch die Schultaschen gesegnet.
Bild: Sandra Boog-Vogel

Die langen Sommerferien neigen sich dem Ende zu: Am nächsten Montag fängt in den meisten Luzerner Gemeinden die Schule wieder an. Für die älteren Kinder beginnt damit der Alltagstrott wieder, für die Jüngsten ist es nichts weniger als der Start in den «Ernst des Lebens». In vielen Kirchgemeinden hat sich dabei die Tradition etabliert, den Schulstart mit einem speziellen Gottesdienst zu feiern. Dieser findet jeweils am Sonntag vor Schulbeginn statt.

«Der Schulanfang oder der Eintritt in den Kindergarten ist für die Kinder ein grosser Meilenstein, der oft mit Vorfreude, aber manchmal auch mit ein wenig Herzklopfen oder der Angst vor schwierigen Aufgaben verbunden ist», sagt Esther Brun, Katechetin in der katholischen Pfarrei Littau. Deshalb gibt es in Littau schon seit Jahren einen Familiengottesdienst zum Schulbeginn. So auch dieses Jahr am 16. August – wie es der Zufall will, fällt er diesmal mit dem Fest des Littauer Kirchenpatrons St. Theodul zusammen.

Auch in der Stadtluzerner Pfarrei St. Paul hat die «Schulsegensfeier» eine «längere Tradition», wie Religionslehrerin Susanne Wallimann sagt. «Für Kinder, die neu die erste Klasse besuchen, und die Eltern bedeutet der Beginn des Schuljahres einen neuen, einschneidenden Lebensabschnitt. Auch für die älteren Kinder ist der Schulstart immer wieder ein Neubeginn». Diesen wichtigen Übergang sollen die Schulgottesdienste ganz bewusst thematisieren.

Sogar die Schulsachen werden gesegnet

Dies geschieht auch mit speziellen Ritualen wie der Segnung der mitgebrachten Schultheks und Schultaschen. Esther Brun sagt: «Die Schultasche oder das Chindsgi-Täschli ist das symbolische Werkzeug für den neuen Lebensabschnitt und das neue Schuljahr. Mit dem Segen sagen wir den Kindern: ‹Ihr geht nicht allein. Gottes Segen begleitet euch wie ein schützendes Boot durch jeden stürmischen Alltag›.»

Die Gottesdienste zum Schulbeginn sind durchaus gefragt. In die Pauluskirche kommen jeweils rund 100 Personen – neben Kindern auch Eltern und Grosseltern, in Littau sind es jeweils rund 30 bis 50 Kinder. Meist findet im Anschluss an die Feier noch ein Apero statt. In der katholischen Kirche Reussbühl sind die Familien eingeladen, ihr zu Hause gekochtes Mittagessen mitzubringen. Im Anschluss an den Gottesdienst wird dann in Form einer «Teilete» gemeinsam gegessen. In Reussbühl kommen jeweils 50 bis 60 Personen zur Schulstartfeier. Für die Reussbühler Religionslehrerin Claudia Schweikert bietet sie auch eine gute Gelegenheit, die Familien der Pfarrei zusammenzubringen. Dies sei durchaus ein Ersatz für separate Elternabende.

Bis zu 100 Kinder in Emmenbrücke

Auch in der katholischen Kirche Horw sind die Schulstart-Gottesdienste fester Bestandteil des kirchlichen Lebens – genauso wie im Pastoralraum Emmen-Rothenburg: In der Pfarrkirche Gerliswil in Emmenbrücke erscheinen jeweils 80 bis 100 Kinder mit ihren Eltern, wie Pastoralraumleiter David Rüegsegger sagt. In Rothenburg, wo die Schulsegensfeier in den normalen Sonntagsgottesdienst eingebettet ist, sind es meist über 50 Kinder. «Der Schulstartsegen ist bewusst anders gestaltet als ein gewöhnlicher Gottesdienst. Im Mittelpunkt stehen die Kinder mit ihren Hoffnungen, Erwartungen und vielleicht auch kleinen Sorgen, die sie mit dem neuen Schuljahr verbinden», erklärt Rüegsegger. «Der Gottesdienst möchte ihnen Mut machen und sie darin bestärken, dass sie ihren Weg nicht allein gehen.» Auch in Emmenbrücke und Rothenburg werden nicht nur die Kinder gesegnet, sondern auch deren Schultaschen.

Open-Air-Gottesdienst in Horwer Badi

Etwas ganz Spezielles hat sich die reformierte Kirche Horw zum Schulstart einfallen lassen: Der Gottesdienst findet am See in der Winkelbadi statt. Damit habe man letztes Jahr schon gute Erfahrungen gemacht, sagt Pfarrer Jonas Oesch. «Es gibt ein steigendes Bedürfnis, auch mal aus der Kirche rauszugehen». Beim letztjährigen «Open-Air-Gottesdienst» zum Schulstart kamen denn auch weit über 100 Personen in die Winkelbadi, wie Oesch erzählt.

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