
Das Telefon klingelte, angezeigt wurde eine Nummer mit Luzerner Vorwahl. Eine 65-jährige Frau nahm ab. Der Anrufer gab sich als Bankberater aus. Und sagte ihr in Mundart, es habe einen Vorfall gegeben. Sie müsse sich bei der Polizei melden. Er gab ihr die Nummer eines Polizisten der Luzerner Polizei. Der würde ihr erklären, was zu tun sei. Also rief die Frau an. Der vermeintliche Polizist, auch er sprach akzentfrei Mundart, gab ihr an, dass man versucht habe, Geld von ihrem Konto abzuheben. Er fragte sie, ob sie Anzeige erstatten wolle.
Der Polizist hat sie dann darüber informiert, dass sich die Bank nochmals melden werde. Der Mitarbeiter der Bank hat sich dann wiederum gemeldet und die Frau informiert, dass sie Geld abheben solle und die Seriennummern prüfen müsse. Das hat sie gemacht und den Bankmitarbeiter wieder angerufen. Der hat sie informiert, dass die Geldscheine Duplikate seien und sie diese der Staatsanwaltschaft als Beweismittel abgeben müsse. Ein Kurier werde das Geld abholen.
Falle schnappte zu
«Die Anrufer setzten in diesem Fall unüblicherweise keinen Zeitdruck auf und versuchten, Vertrauen aufzubauen», sagt Simon Kopp, Mediensprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft. «Das Vorgehen solcher Betrüger ist äusserst perfide, weil man oft kaum noch erkennen kann, dass es eine Betrugsmasche ist.» Doch die Frau wurde zum Glück skeptisch und benachrichtigte die Polizei. Diese reagierte umgehend und plante, den Mann abzufangen. Das Couvert mit den vermeintlichen Banknoten war bereit, als sich am vergangenen Freitag der Kurier anschickte, es bei der Frau zu holen. Zuvor schickte er noch eine Nachricht, es werde etwa fünf Minuten später. Die Polizei heftete sich an seine Fersen und konnte ihn in Willisau festnehmen.
Es handelt sich um einen 50-jährigen Mann aus Serbien, wie die Staatsanwaltschaft in einer Mitteilung schreibt. «Er ist geständig und gibt an, im Auftrag gehandelt zu haben», sagt Simon Kopp. Weitere Details versucht die Polizei bei den Befragungen herauszufinden. Zum Beispiel, ob der Mann schon in anderen Fällen als Kurier tätig war. Oder mit wem er zusammengearbeitet hat. «Erfahrungsgemäss operieren solche Betrüger vom Ausland aus. Es kann aber auch sein, dass es sich um Trittbrettfahrer aus der Schweiz handelt», erklärt Kopp.
Der Vorname der Frau lässt vermuten, dass es sich nicht um eine 25-Jährige handelt. Nicht selten suchen sich die Betrüger auf diese Weise potenzielle Opfer aus. «Die Frau hat vorbildlich reagiert, als sie ein ungutes Gefühl hatte.» Wird die Polizei rechtzeitig informiert, besteht die Chance, die Betrüger zu ermitteln. Auch wer den Betrug zu spät bemerkt, soll sich laut Kopp unbedingt melden (siehe Box).
So schützen Sie sich
• Seien Sie misstrauisch, wenn Sie angerufen werden.
• Beenden Sie das Gespräch unverzüglich und geben Sie keine persönlichen Daten von sich preis.
• Übergeben Sie niemals Bargeld oder Wertsachen an eine Ihnen unbekannte Person.
• Machen Sie keine Angaben zu Ihren Bankkarten oder sonstigen Finanzdaten.
• Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen – Auflegen ist Ihr gutes Recht.
• Sprechen Sie mit Ihrem Umfeld über die Gefahr von Telefonbetrug.
• Sind Sie unsicher, beenden Sie das Telefonat sofort und kontaktieren Sie selbst die Polizei direkt.
• Melden Sie sich unverzüglich bei Ihrer Bank oder dem betroffenen Finanzinstitut und lassen Sie Ihre Bankkarten oder Konten sperren.
• Wenden Sie sich an den nächsten Polizeiposten und erstatten Sie Anzeige.





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