Umweltschutz

Gratis-ÖV und Fahrverbote bei Hitze? Das fällt bei Luzerns Stadtrat durch

Die SP fordert Sofortmassnahmen gegen hohe Ozonwerte. Diese würden aber wenig bringen, antwortet der Stadtrat.
Viel Verkehr am Schweizerhofquai.
Bild: Boris Bürgisser
(Luzern, 8. 9. 2023)

Aufgrund der Hitze sind die Ozonwerte in der Zentralschweiz aktuell «stark erhöht». Das teilt Umwelt Zentralschweiz mit, eine Kooperationsstelle der kantonalen Umweltfachstellen von Luzern, Zug, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden. Der Stundenmittel-Grenzwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter ist in den letzten Tagen an mehreren Messstationen überschritten worden. Beispielsweise betrug der Wert am Donnerstag bei der Station Ebikon-Sedel zeitweise 128 Mikrogramm, am Montag in Beromünster 148,5 Mikrogramm.

Das ist kein Einzelfall. Die Grenzwerte «werden im Sommerhalbjahr regelmässig und deutlich überschritten», was Atemwege und Augen beeinträchtige und auch das Pflanzenwachstum hemme. Das schreibt der Luzerner Stadtrat in seiner Antwort auf eine SP-Motion. Letztere fordert, dass die Stadt bei hoher Ozonbelastung Massnahmen ergreift.

Die Exekutive lehnt dies aber ab. Zwar bestehe Handlungsbedarf. Die von der SP vorgeschlagenen Massnahmen seien aber wohl nur teilweise umsetzbar, «äusserst aufwendig und wenig wirksam», schreibt der Stadtrat. Die SP nennt in der Motion unter anderem Gratis-ÖV, Sperrung von Fahrspuren oder einzelnen Gebieten für Autos, Temporeduktionen und ein Verbot für «Fahrzeuge, die besonders hohe Schadstoffemissionen aufweisen». Die Massnahmen könnten vorübergehend, etwa bei Hitzewarnungen, in Kraft gesetzt werden. Sie sollen den Schadstoffausstoss vermindern; Ozon entsteht unter anderem durch Abgase im Verkehr, Farben und Lösemittel.

Die Massnahmen hätten gemäss Stadtrat aber «nur geringfügige Auswirkungen». Denn die Substanzen, aus denen Ozon entsteht, würden «trotzdem aus dem Umland in die Stadt Luzern verfrachtet». Generell könne man «Ozonspitzen nur geringfügig mit lokalen Massnahmen beeinflussen».

Nicht nur auf einen Schadstoff fokussieren

Weiter verweist der Stadtrat auf die Umweltschutzgesetzgebung, die vorsehe, dass die Einhaltung der Immissionsgrenzwerte «mit langfristigen anstelle von kurzfristigen Massnahmen sichergestellt wird». Zudem wolle er die Problematik der Luftschadstoffe «ganzheitlich» angehen statt «mit einem unausgewogenen Fokus auf einem einzelnen Schadstoff». Denn neben Ozon stellten auch Feinstaub und NO₂ ein Problem dar. Die Stadt habe denn auch schon langfristige Massnahmen eingeleitet, um die Lufthygiene zu verbessern (Förderung erneuerbarer Energie, Reduktion  Autoverkehr). Weiter erhoffe sich der Stadtrat mehr Massnahmen von Bund und Kanton. (std)

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