Erneut steht einer der beiden Schräglifte der Gütschbahn still – dies bereits seit mehreren Wochen. Für die Anwohnenden des Gütschquartiers ist der wiederholte Ausfall ein Frust. Man müsse inzwischen deutlich mehr Zeit einrechnen, um in die Stadt zu gelangen, erzählt ein Anwohner: «Im ungünstigsten Fall muss der verbliebene Lift zuerst hinunter-, wieder hinauf- und nochmals hinunterfahren, bis man selbst an der Reihe ist.» Bei Veranstaltungen wie Daydances im Château Gütsch verschärfe sich die Situation zusätzlich.
Doch bei den Recherchen zum neuerlichen Ausfall kommt noch etwas anderes ans Licht: Die Personenbeförderungskonzession der Gütschbahn ist bereits am 13. Dezember 2025 ausgelaufen. Für diese Konzession ist das Bundesamt für Verkehr (BAV) zuständig. Eine Übergangsregelung gebe es nach dem Ablauf nicht, erklärt Mark Siegenthaler von der Kommunikationsstelle des BAV: «Streng genommen fehlt in so einem Fall die Berechtigung, Personen zu befördern.»
Gesuch zur Erneuerung mittlerweile eingereicht
Stillgelegt wird die Bahn vorerst trotzdem nicht. Das BAV müsse die Interessen abwägen: Eine Einstellung des Betriebs könne für Personen, die auf das ÖV-Angebot angewiesen sind, erhebliche Folgen haben. Die Betreiberin erhalte deshalb Gelegenheit, den rechtmässigen Zustand wiederherzustellen. «Sollte dies nicht gelingen, müsste der Betrieb effektiv eingestellt werden.»
Während unserer Recherche änderte sich der Stand beim Erneuerungsgesuch scheinbar mehrmals. Zunächst erklärte das BAV, das Gesuch stehe noch aus, während die Stadt mitteilte, die Unterlagen seien bereits eingereicht. Wenig später bestätigte das Bundesamt schliesslich, dass das Gesuch komplettiert und eingetroffen sei. Über die Erneuerung der Konzession ist aber noch nicht entschieden.
Mit einer Personenbeförderungskonzession sind grundsätzlich eine Betriebs- und eine Fahrplanpflicht verbunden, erklärt Siegenthaler. Betriebsunterbrüche sind zwar möglich, müssen aber je nach Art kommuniziert beziehungsweise dem BAV gemeldet werden. Dem Bundesamt sei bislang nicht bekannt gewesen, dass es bei der Gütschbahn wiederholt zu länger dauernden Ausfällen gekommen wäre. Ob bei der Gütschbahn gegen konzessionsrechtliche Vorgaben verstossen wurde, könne das BAV mit den vorliegenden Informationen nicht beurteilen.
Überflutung des Motorenraums sorgt für Probleme
Die Château Gütsch AG ist für Betrieb und Unterhalt der Gütschbahn verantwortlich. Auf Anfrage unserer Zeitung möchte sie sich nicht näher dazu äussern. Sie bestätigt lediglich, dass der Ausfall auf starke Regenfälle beziehungsweise Unwetter und eine anschliessende Flutung des Motorenraums zurückzuführen sei. Die Reparaturen seien in Arbeit.
Das Problem ist nicht neu. Bereits 2024 erklärte Andreas Gartmann, General Manager des Château Gütsch, gegenüber unserer Zeitung, die wiederkehrenden Ausfälle seien auf die ursprüngliche Konstruktion der Bahn zurückzuführen. Weil sich der Antrieb in der Talstation befinde, werde der Motorraum bei starken Regenfällen «regelrecht geflutet». Auch lange Lieferzeiten für Ersatzteile könnten dazu führen, dass einzelne Bahnen über längere Zeit ausfallen. Die Herstellerfirma Inauen-Schätti widersprach dieser Darstellung damals: Werden Verschleissteile entsprechend gewartet und ersetzt, stehe einem geordneten Betrieb nichts im Weg.
Die Stadt kennt die Probleme ebenfalls seit Jahren. Anfang 2025 wurde eine Petition eingereicht, die eine Übernahme der Bahn durch die Stadt oder alternativ eine Busverbindung ins Quartier forderte. Bereits seit 2021 liefen Gespräche zwischen Stadt, Betreiberin und Inauen-Schätti.
Château Gütsch ist bis 2040 verantwortlich
Im Juni 2025 kündigte die Stadt an, sowohl eine Übernahme und Sanierung der Gütschbahn als auch eine Bus-Alternative zu prüfen. Mehr als ein Jahr später sind diese Abklärungen noch nicht abgeschlossen. «Diese Abklärungen sind am Laufen», erklärt Christoph Bättig, Co-Stabschef der städtischen Umwelt- und Mobilitätsdirektion. Einen Zeitplan für einen Entscheid nennt die Stadt nicht. Gespräche mit der Château Gütsch AG über eine mögliche Übernahme würden geführt.
Gemäss einem 2014 mit der Stadt abgeschlossenen Vertrag ist die Château Gütsch AG verpflichtet, Betrieb und Unterhalt der Bahn bis 2040 sicherzustellen. Eine konkrete Grenze, ab welcher die zugesicherte Erschliessung wegen zu vieler Ausfälle als nicht mehr gewährleistet gilt, gebe es allerdings nicht, so Bättig, und werde seitens Stadt auch nicht als sinnvoll erachtet. Nach wie vor gelte, dass die Stadt erst bei einer gravierenden Situation auf die Bahn zugreifen könnte. Aktuell sei einer der beiden Lifte stets in Betrieb.





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