Eine Tablette ist schnell im Mund, ein Putzmittel schnell geöffnet: Besonders bei kleinen Kindern kann es deshalb zu Vergiftungen kommen. 2025 wurde der Giftnotruf 44'736 Mal kontaktiert – so häufig wie noch nie.
Wie oft wird der Giftnotruf aus Luzern angerufen?
Aus dem Kanton Luzern gingen 2025 beim Giftnotruf 145 insgesamt 1944 Anfragen ein. Das sind 100 mehr als im Vorjahr (+5,4 Prozent). Damit nahmen die Anfragen etwas stärker zu als schweizweit. Tox Info Suisse, die den Notruf 145 betreibt, verzeichnete landesweit ein Plus von 4,6 Prozent. Vor allem Privatpersonen suchten häufig Rat: Ihre Zahl stieg von 1317 auf 1405. Aus Luzerner Spitälern kamen 312 Anfragen (+17 Prozent). Bei den Arztpraxen stieg die Zahl um 9 auf 75.
Gemessen an der Bevölkerung liegt Luzern dennoch weiterhin unter dem Schnitt. Auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner kamen 3,2 Anfragen aus der Bevölkerung, schweizweit waren es 3,5. Interessant: Die Luzerner Bevölkerung wuchs innert Jahresfrist um 1,2 Prozent, die Zahl der Anfragen dagegen um 5,4 Prozent.
Wer ist besonders häufig betroffen?
Vor allem Kinder. 51,5 Prozent der Luzerner Anfragen betrafen Kinder bis 16 Jahre, praktisch gleich viele wie schweizweit. Besonders betroffen sind Kleinkinder. «Vier von fünf Anfragen zu Kindern betreffen Kleinkinder bis fünf Jahre», sagt Damaris Ammann, Geschäftsführerin von Tox Info Suisse. Buben sind mit rund 52 Prozent leicht häufiger betroffen als Mädchen. Bei den Erwachsenen ist das Geschlechterverhältnis umgekehrt: Frauen machten fast 60 Prozent der Fälle aus.
Womit vergiften sich die Menschen?
Mit Abstand am häufigsten geht es um Medikamente und Haushaltsprodukte. Medikamente machten 2025 schweizweit 37 Prozent der Vergiftungsanfragen aus, Haushaltsprodukte 23 Prozent. Damit entfielen rund sechs von zehn Fällen allein auf diese beiden Gruppen. Dahinter folgen Pflanzen (8 Prozent), technische und gewerbliche Produkte sowie Nahrungsmittel und Getränke (je 6 Prozent). Die Vergiftungen erfolgten in acht von zehn Fällen unbeabsichtigt, schreibt Tox Info Suisse im Jahresbericht. Die Informationsstelle feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen – und steht finanziell unter Druck. Der Bund half mit 1,6 Millionen Franken aus.
Was tun im Vergiftungsfall?
Bei Verdacht auf eine Vergiftung gilt zunächst: Ruhe bewahren und kein Erbrechen herbeiführen. Ist die betroffene Person wach, soll der Mund ausgespült und anschliessend Tox Info Suisse unter der Nummer 145 kontaktiert werden. Bei Bewusstlosigkeit sowie Atem- oder Kreislaufstillstand muss sofort der Rettungsdienst unter der Nummer 144 alarmiert werden. Flüssigkeit darf einer bewusstlosen Person nicht eingeflösst werden.
Gelangt eine Substanz ins Auge, empfiehlt Tox Info Suisse, Kontaktlinsen zu entfernen und das Auge während 10 bis 15 Minuten mit sauberem, lauwarmem Wasser zu spülen. Bei Hautkontakt sollen benetzte Kleider entfernt und die betroffenen Stellen gründlich abgespült werden. Nach dem Einatmen giftiger Stoffe gilt es, für frische Luft zu sorgen. (rem)



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