Die Stadt Luzern hat letztes Jahr 115 Millionen Franken mehr eingenommen als geplant – und das trotz Steuersenkung. Das führt dazu, dass die Rechnung 2025 statt mit einem Minus von 22 Millionen mit einem Gewinn von 92,7 Millionen Franken abschliesst.
Zu verdanken ist dies grösstenteils den Firmen, die auch 2025 massiv mehr Steuern ablieferten. Im Fokus steht hier vor allem der US-Pharmakonzern MSD, der in Luzern seinen Sitz hat. MSD ist wohl der mit Abstand grösste Steuerzahler der Stadt. Seine Geschäfte laufen seit Jahren glänzend – es wäre keine Überraschung, wenn MSD für einen Grossteil der zusätzlichen Steuereinnahmen verantwortlich wäre.
Wir haben mit Franziska Bitzi (Mitte), Finanzdirektorin der Stadt Luzern, gesprochen.
Franziska Bitzi, die Stadt Luzern präsentiert einen Gewinn von fast 100 Millionen. Ist das wieder dem MSD-Effekt zu verdanken?
Franziska Bitzi: Über einzelne Firmen können wir keine Auskunft geben. Was ich aber sagen kann: Den grossen Unternehmen in der Stadt geht es aktuell sehr gut. Neben der Pharmabranche, die bei unserer letzten Auswertung etwa einen Drittel der Steuereinnahmen ausmachte, gibt es auch in der Finanz- und Versicherungsbranche sehr wichtige Steuerzahler in Luzern. Auch ihre Geschäfte laufen seit der Pandemie sehr gut.
Einmal mehr wurde die Stadt vom Geldsegen überrumpelt: Sie hatten eigentlich ein Defizit von 22 Millionen erwartet. Wieso haben Sie das erneut nicht kommen sehen?
Es ist extrem schwierig, verlässliche Prognosen bei den Firmensteuern zu machen. Ein Beispiel: Im Oktober informierte uns der Kanton, der für die Steuerveranlagung der Firmen zuständig ist, dass in Kürze 45 Millionen Franken ungeplante Steuereinnahmen an die Stadt überwiesen werden. Das war im Oktober 2025 - also über ein Jahr, nachdem das Budget fürs Jahr 2025 erstellt worden war. Es wäre also rein zeitlich nicht möglich gewesen, diese Zusatzeinnahmen bereits im Budget einzuplanen. Ein anderes Beispiel: Für 2028 prognostiziert der Kanton einen Rückgang der Firmensteuern. Was das konkret für die Stadt bedeutet, ist aber schwer abzuschätzen, weil wir nicht wissen, ob dies auch Firmen in der Stadt betrifft.
Früher stammte der allergrösste Teil der Steuereinnahmen von natürlichen Personen. Doch jetzt hat eine Handvoll extrem potenter Firmen dieses Verhältnis auf den Kopf gestellt. 2025 machten die Firmensteuern über 40 Prozent der Gesamteinnahmen aus. Ist das ein Klumpenrisiko?
Ja, das ist ein Risiko: Würde eine dieser Firmen plötzlich ausfallen, hätten wir einen massiven Einbruch bei den Steuereinnahmen. Deshalb ist es wichtig, Reserven zu halten, um kurzfristige Entwicklungen auffangen zu können.
Wer viel Geld hat, kann sich mehr leisten: Die Ausgaben sind 2025 zwar auch gestiegen, doch die SP fordert, angesichts der hohen Gewinne noch stärker zu investieren – etwa in die Energiewende, in Wohnraum und in die Tagesschule. Wie stehen Sie dazu?
Es ist klar, dass die guten Rechnungsabschlüsse Begehrlichkeiten wecken. Doch man darf nicht vergessen: Jede Investition verursacht langfristige Folgekosten – etwa in Form von Unterhalt und Abschreibungen. Wir dürfen deshalb nur so viel investieren, wie die Folgekosten auch tragbar sind. Das Parlament hat uns den Auftrag gegeben, das Ausgabenwachstum im Budget 2027 zu bremsen. Doch gleichzeitig hat es viele zusätzliche Leistungen beschlossen. Wenn wir diese alle umsetzen, ist das Ziel der Ausgabenbremse für 2027 bereits nicht mehr realistisch.
Die Stadt Luzern hat viermal in Folge die Steuern gesenkt. Ist eine Steuersenkung auch für 2027 ein Thema?
Der Steuerfuss ist immer ein Diskussionsthema. Wir werden mehr wissen, wenn im Sommer der Budgetentwurf 2027 vorliegt.
Angenommen, es gäbe eine fünfte Steuersenkung: Wie sinnvoll ist es, die Steuern immer weiter herunterzudrücken?
Diese Frage müssen wir uns tatsächlich stellen. Der Grund, weshalb wir uns die Steuersenkungen leisten können, sind ja die Firmen. Doch von einer Senkung profitieren vor allem die natürlichen Personen. Die grossen Firmen müssen so oder so die OECD-Mindeststeuer von 15 Prozent bezahlen. Liegt der Steuerfuss in der Stadt tiefer, fliesst die Differenz als Ergänzungssteuer an Bund und Kanton. Das bedeutet: Je tiefer die Steuern in der Stadt, desto stärker profitieren Bund und Kanton von unseren Firmen. Deshalb wollte die Stadt Luzern den Steuerfuss nur für natürliche Personen senken. Aber dieses Splitting wurde uns vom Kanton untersagt. Ich würde mir für die Stadt deutlich mehr Gestaltungsfreiheit wünschen.






Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.