Modeausbildung

Mehr Bewerbungen als Plätze – trotzdem muss LU Couture schliessen

Das Luzerner Lehratelier für Bekleidungsgestaltung wird nach 13 Jahren aufgelöst. Grund dafür sind anhaltende finanzielle Schwierigkeiten.
Die LU Couture organisierte auch den Fashion Day, eine der grössten Modeschauen der Schweiz, hier im Luzerner Theater.
Bild: Ingo Höhn

LU Couture, das Lehratelier für Bekleidungsgestaltung in Willisau und Luzern, wird wegen finanzieller Schwierigkeiten nach 13 Jahren aufgelöst. Die 29 Lernenden sollen ihre Ausbildung noch beenden können, teilt der Kanton mit. Neue Lehrverträge werden nicht mehr abgeschlossen.

Für Manuela Ottiger, Verwaltungsratspräsidentin der LU Couture AG, kommt der Entscheid nicht völlig überraschend. «Natürlich sind wir betroffen», sagt sie auf Anfrage. Man habe vom Kanton aber eine klare Ausgangslage erhalten und sei laufend im Austausch gewesen. «Wir haben gesehen, dass es finanziell eng wird.»

Die Schliessung erfolgt in Etappen. Der Standort Willisau wird Ende 2027 aufgegeben, weil der Mietvertrag ausläuft. Von der Schliessung betroffen sind sieben Mitarbeiterinnen. Die Berufsbildnerinnen seien am Mittwoch über den Entscheid informiert worden. Der Betrieb in Luzern soll spätestens Ende des Schuljahres 2028/29 eingestellt werden. Danach soll die AG liquidiert werden. Eine frühere Schliessung im Sommer 2028 wird geprüft.

Hohe Nachfrage trotz finanzieller Probleme

Dabei mangelt es nicht an Interessierten. LU Couture erhält mehr Bewerbungen, als Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik absolvierten 2025 im Kanton Luzern 31 Personen eine EFZ-Ausbildung als Bekleidungsgestalterin oder Bekleidungsgestalter. 30 davon wurden vollschulisch ausgebildet, lediglich eine Person absolvierte eine klassische duale Lehre. Seit 2013 wurden bei LU Couture 107 junge Berufsleute ausgebildet. Mit LU Couture verschwindet somit der mit Abstand wichtigste Ausbildungsbetrieb für diesen Beruf im Kanton.

Weshalb also das Aus trotz hoher Nachfrage? Ottiger verweist auf das Geschäftsmodell. Rund 40 Prozent der benötigten Mittel müsse LU Couture selber über Umsätze erwirtschaften. Das sei für einen Ausbildungsbetrieb anspruchsvoll, weil gleichzeitig der Ausbildungsauftrag erfüllt werden müsse. Im vergangenen Jahr erzielte LU Couture einen Umsatz von mehreren Hunderttausend Franken. Der Kanton unterstützt das Lehratelier seit der Gründung 2013 finanziell und hält seit 2023 die Aktienmehrheit. Allein im vergangenen Jahr floss rund 1 Million Franken in die LU Couture AG. Doch auch das reichte nicht. Ende 2025 geriet der Ausbildungsbetrieb erneut in finanzielle Schieflage. Der Regierungsrat schoss deshalb nochmals 250'000 Franken nach.

Gleichzeitig machte der Regierungsrat deutlich, dass er die Finanzierung nicht dauerhaft weiter erhöhen werde. LU Couture erhielt den Auftrag, ein finanziell nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Der Verwaltungsrat prüfte laut Ottiger verschiedene Varianten. Auch Gespräche mit möglichen weiteren Geldgebern seien geführt worden. Doch selbst eine abgespeckte Variante hätte zusätzliche kantonale Mittel benötigt. «Trotz aller Anstrengungen ist es nicht gelungen, den Betrieb finanziell nachhaltig aufzustellen», sagt Bildungs- und Kulturdirektor Armin Hartmann.

Fashion Day brachte Aufmerksamkeit

Ein wichtiges Aushängeschild waren die zuletzt alle zwei Jahre veranstalteten Fashion Days. Vor einem Jahr präsentierten Models die Kreationen der Lernenden im Le Théâtre in Emmen vor mehr als 1200 Besuchenden

«Der Fashion Day war ein bedeutendes Aushängeschild für LU Couture», sagt Ottiger. Für die Lernenden sei die Modeschau eine wertvolle Möglichkeit gewesen, ihre Arbeiten zu präsentieren. Wirtschaftlich habe der grosse Auftritt allerdings wenig bewirkt. «Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten, aber deswegen konnten wir nicht mehr verkaufen.»

Eigentlich wäre im kommenden Jahr wieder ein Fashion Day geplant gewesen. Ganz abschreiben will Ottiger diesen noch nicht. Vielleicht könne er «in irgendeiner Art» stattfinden.

Der Kanton betont, dass die Ausbildung zur Bekleidungsgestalterin oder zum Bekleidungsgestalter trotz der Schliessung weiterhin möglich sei. Angebote gebe es innerhalb und ausserhalb des Kantons. Langfristig rechnet der Kanton mit Einsparungen von jährlich 400'000 bis 600'000 Franken.

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