
Bei einer Protestaktion der Klimagruppe «Act Now» an der Coop-Pronto-Tankstelle an der Langsägestrasse in Kriens kam es am Donnerstag zu einem Polizeieinsatz, bei dem zwei Personen zeitweise in Handschellen gelegt wurden. Die Aktivistinnen und Aktivisten hatten sich nach eigenen Angaben im Rahmen eines friedlichen Sit-ins mit Plakaten neben die Zapfsäulen gesetzt und Klimawarnhinweise an die Zapfsäulen geklebt. «Erdöl tötet. Befreien wir uns aus der Abhängigkeit. Schützen wir unsere Liebsten», stand auf einem Transparent geschrieben. Der Betrieb der Tankstelle sei dabei nicht behindert worden, schreiben die Aktivisten auf ihrer Website.
Die Luzerner Polizei bestätigt den Einsatz. Laut Mitteilung gingen am Donnerstag kurz nach 13.15 Uhr Meldungen ein, wonach mehrere Personen bei einer Tankstelle Kundinnen und Kunden behindern und beim Tanken filmen würden. Vor Ort kontrollierte die Polizei acht Personen, die teilweise Leuchtwesten und Plakate mit sich führten. Gemäss Polizeiangaben leisteten einzelne Beteiligte zum Teil passiven Widerstand und mussten von den Tanksäulen weggetragen werden.
Kamera sei beschädigt worden
Ein anwesender, freier Journalist, der die Aktion fotografisch begleitete, schildert den Einsatz gegenüber dieser Zeitung kritischer. Die ersten Beamten seien «sofort und ohne vorgängige Kommunikation» körperlich gegen mehrere Aktivisten vorgegangen. Als er und eine weitere Person den Einsatz dokumentierten, hätten Polizeibeamte ihnen erklärt, sie dürften nicht fotografieren. Nachdem er sich geweigert habe, seine Kamera auf den Boden zu legen, sei er von mehreren Beamten festgehalten und «sehr rabiat» mit Handschellen fixiert worden. Dabei sei eine Kamera beschädigt worden. Auch ein Videofilmer von «Act Now» sei vorübergehend in Handschellen gelegt worden.
Die Polizei erklärt dazu, zwei Personen hätten während der Kontrolle Aufnahmen gemacht und den Anweisungen der Einsatzkräfte nicht Folge geleistet. Deshalb seien sie «vorübergehend in Handschellen gelegt» worden. Nach Abschluss der Kontrolle wurden acht Personen weggewiesen und vor Ort entlassen.
Zwei Männer – ein 54-jähriger Deutscher und ein 22-jähriger Italiener – werden laut Polizeiangaben wegen Hinderung einer Amtshandlung bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Der Journalist kündigte seinerseits Anzeigen wegen Nötigung, Freiheitsberaubung, Amtsmissbrauchs und Sachbeschädigung an. Zudem prüfe er eine Beschwerde wegen eines möglichen Verstosses gegen die Pressefreiheit.

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