Kolumne «Stadtwärts»

Applaus für Littau

In Luzerns neuem Stadtteil herrscht politische Gleichgültigkeit, heisst es. Doch bei Lichte betrachtet stellt man fest: Ein bisschen mehr «Littau» würde auch der alten Stadt gut anstehen.
Das Brauchtum ist intakt: Das «Eierrösi» ist von der Littauer Fasnacht nicht wegzudenken. Bei der Politik hingegen gilt: Es ist kompliziert.
Bild: Boris Bürgisser

Wer in die Politik geht, braucht ein dickes Fell. Man wird für alles, was schief läuft, hart kritisiert. Und wenn's mal nicht schief läuft, wird man nicht etwa gelobt, sondern man hat ja bloss «den Job gemacht». Applaus gibt es für Politikerinnen und Politiker selten. Umso aussergewöhnlicher, dass bei der Sitzung des Grossen Stadtrats Luzern Mitte Juni tatsächlich geklatscht wurde.

Es handelte sich nicht etwa um Szenenapplaus für eine bestimmte politische Äusserung, sondern es wurde geklatscht, als die Sitzung zu Ende war. Dazu muss man wissen: Das Stadtparlament tagte für einmal nicht im ehrwürdigen Rathaus in der Altstadt, sondern im Zentrum St. Michael in Littau. Zum zweiten Mal seit 2019 beehrte das Parlament den neuen Stadtteil mit seiner Anwesenheit. Dieser verdankte es mit einem beeindruckenden Besucheraufmarsch – und eben mit Schlussapplaus.

Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie schwer sich Littau normalerweise mit der Politik tut. Die Stimmbeteiligung ist meistens miserabel. Selbst die 10-Millionen-Initiative lockte nicht einmal die Hälfte der Stimmberechtigten an die Urne – während es im Wesemlin-Quartier über drei Viertel waren. Doch offenbar gilt: Wenn die Politik zu ihnen kommt, zeigen sich die Littauerinnen und Littauer durchaus staatstragend. Das untermauert die oft gehörte Erklärungsthese, wonach die schwache politische Beteiligung (und auch die geringe Vertretung in den städtischen Behörden) kein generelles Desinteresse ist, sondern eher eine Folge des Gefühls, man könne in der «grossen» Stadt sowieso nichts bewirken.

Daraus lassen sich Lehren ziehen: Im dörflichen Littau, wo die Wege zur Gemeindepolitik einst kurz und unkompliziert waren, holt man die Leute nicht mit abgehobenen Dialog-Prozessen und nervigen Mitwirkungs-Tools ab. Sondern mit unmittelbarem, persönlichem Austausch zwischen Politik und Bevölkerung. Ein bisschen mehr «Littau» würde so gesehen auch den übrigen Quartieren gut anstehen.

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