Zu einem besonderen Anlass wollte ich Karten für ein klassisches Konzert kaufen. Und weil es eben ein besonderer Anlass war, legte ich die Messlatte entsprechend hoch: Ein bisschen Glamour, ein bisschen grosse Namen, ein bisschen symphonische Üppigkeit sollte es schon sein. Das Programm: Gerne traditionell – am besten irgendein berühmtes Meisterwerk aus der Romantik. Und das Ganze verfeinert mit einem Wochenendausflug in eine grössere Stadt – es muss ja nicht immer das Luzerner KKL sein.
Doch die Suche nach dem ultimativen Konzerterlebnis gestaltete sich unerwartet schwierig. In der Zürcher Tonhalle war die einzige Veranstaltung am gewünschten Wochenende ein Konzertmärchen für Kinder, und im Opernhaus Zürich lief grad ein Barockfestival. In anderen Städten der Schweiz und dem nahen Ausland sah’s nicht besser aus. Etliche Konzerthäuser hatten an besagtem Wochenende gar nichts auf dem Programm und blieben geschlossen.
Vielleicht sollte ich einfach in einer höheren Liga suchen? In der Mailänder Scala soll es auch erschwingliche Tickets geben, wie man mir sagte. Doch die Ernüchterung folgte postwendend: Nix mit Verdi und Puccini – in der Scala war Crossover-Ballett angesagt, einen ganzen Monat lang.
Ich beginne mich zu fragen: Bin ich vielleicht zu konservativ geworden für den heutigen Musikbetrieb? Ist man von gestern, wenn man anstelle einer zeitgenössischen Oper mit gesellschaftskritischer Inszenierung lieber eine gut gespielte Brahms-Sinfonie hört?
Wie auch immer, am Ende wurde ich doch noch fündig – und zwar vor der Haustüre: Das Lucerne Festival Orchestra mit Riccardo Chailly, auf dem Programm Beethoven und Mendelssohn, ein Konzert der Spitzenklasse, wie sich zeigen sollte. Es muss nicht immer das KKL sein? Doch, es muss fast immer das KKL sein.
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