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Nidwalden

Netzwerktreffen zeigt Wege für bessere Zusammenarbeit mit Familien

Wie gelingt frühe Bildung und Förderung bei Vorschulkindern mit Migrationshintergrund? Diese Frage stand im Zentrum des kürzlichen Netzwerktreffens «Frühe Kindheit» in Nidwalden.

«Ich hatte am Anfang das Schulsystem nicht ganz verstanden. Ich wusste nicht, wie es in der Schweiz funktioniert.» Mit diesen Worten schildert ein Vater in einem Fallbeispiel seine Erfahrungen, wie aus einer Mitteilung des Kantons Nidwalden hervorgeht. Die Erfahrungen stünden exemplarisch für viele Familien mit Migrationshintergrund und bildeten Ausgangspunkt für das 13. Netzwerktreffen «Frühe Kindheit» vom Mittwoch, 22. April, in Stans. Knapp 100 Fachpersonen aus den Bereichen Gesundheit, Bildung und Soziales diskutierten auf Einladung der kantonalen Gesundheits- und Sozialdirektion, wie frühe Bildung und Förderung für Vorschulkinder mit Migrationshintergrund gelingen kann.

Die Aussage des Vaters mache deutlich, wie herausfordernd der Einstieg in das Schweizer Bildungssystem sein kann – insbesondere dann, wenn sprachliche und kulturelle Unterschiede hinzukommen. Vielen Eltern sei nicht klar, welche Erwartungen an sie gestellt werden. Diese sollten im Austausch mit den Fachpersonen offen angesprochen werden.

Erwartungen frühzeitig klären

Hier setzt die frühe Förderung an. «Eine zentrale Erkenntnis des Treffens war, dass Beziehungen aktiv aufgebaut und Erwartungen frühzeitig geklärt werden müssen. Eltern sollen nicht nur informiert, sondern als wichtige Partner einbezogen werden», wird Martina Durrer, im Sozialamt für den Bereich «Frühe Kindheit» zuständig, zitiert. Die Teilnehmenden diskutierten nach Inputs von Janine Hostettler Schärer vom Institut Frühe Bildung der Pädagogischen Hochschule St. Gallen und anhand weiterer Fallbeispiele, wie dies in der Praxis gelingen kann. Dabei zeigte sich, dass einfache Massnahmen oft eine grosse Wirkung entfalten: Eltern gezielt in Institutionen einladen, Abläufe verständlich erklären oder bewusst Zeit für Gespräche einplanen.

Ein weiterer Fokus lag auf der Verständigung. Hierzu sei das Erlernen der deutschen Sprache zentral, nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erziehungsberechtigten. Anfänglich lassen sich sprachliche Barrieren mit geeigneten Mitteln überwinden. Übersetzungshilfen oder visuelle Unterstützung durch Bilder oder Piktogramme können dazu beitragen, Informationen zugänglich zu machen und Missverständnisse zu vermeiden. Die Familien sollen aber ihre Familiensprache weiter pflegen, da Mehrsprachigkeit eine wichtige Ressource ist. So bleiben Kinder in ihrer vertrauten Sprache handlungsfähig und bauen auf vorhandene Kenntnisse auf, was das Lernen weiterer Sprachen erleichtert.

Der Austausch in einer Kita oder Spielgruppen hilft Kindern und Eltern.
Bild: Symbolbild: Getty

Spielgruppen und Kitas als frühe Kontakte

Auch für Eltern wurden konkrete Empfehlungen formuliert: Sie sollen ihren Kindern spätestens ab dem 3. Lebensjahr vielfältige Kontakte zur deutschen Sprache ermöglichen, etwa in Spielgruppen, Kitas oder anderen Angeboten der frühen Förderung. Damit Familien solche Angebote wie Muki-Turnen oder Eltern-Kind-Treffs tatsächlich nutzen, sind sie aber oft auf Unterstützung angewiesen. Hier kommt den Fachpersonen eine wichtige Rolle zu. Wenn sie Angebote kennen, können sie gezielt informieren und den Zugang erleichtern, indem sie Eltern miteinander vernetzen oder Vertrauen für die Teilnahme an Angeboten aufbauen. Eine zentrale Erkenntnis des Treffens war denn auch, dass gut informierte Fachpersonen entscheidend dazu beitragen können, dass Familien passende Angebote finden und nutzen.

Neben fachlichen Inputs und der Präsentation von konkreten Angeboten für Familien mit Migrationshintergrund bot das Netzwerktreffen Raum für Vernetzung. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam Wege für Verbesserungen in der Zusammenarbeit und Kommunikation mit Migrationsfamilien anzusprechen. (rwi/zvg)

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