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Buchtipp

Der Fremdsprachenunterricht auf dem Prüfstand

Res Grimm von der Mediothek der PH Zug empfiehlt «Das Kreuz mit dem Schweizer Fremdsprachenunterricht. Wohin mit den Landessprachen?» von Daniel Elmiger.

In Sonntagsreden wird die Mehrsprachigkeit gerne als identitätsstiftendes Merkmal der Schweiz gepriesen. Im Alltag dagegen sieht es düster aus mit den Kenntnissen der anderen Landessprachen. Immer weniger Menschen können sich in einer anderen Landessprache unterhalten, immer öfter kommt es vor, dass Personen aus unterschiedlichen Teilen der Schweiz Englisch miteinander sprechen.

Im kompakten, lesenswerten Buch «Das Kreuz mit dem Schweizer Fremdsprachenunterricht. Wohin mit den Landessprachen?» geht Daniel Elmiger, Professor für Sprachwissenschaft und Didaktik an der Universität Genf, den Gründen für diese Entwicklung nach. Während der Englischunterricht in der Primar- und Sekundarschule unbestritten und meist beliebt ist, stehen der Französischunterricht in der Deutschschweiz und der Deutschunterricht in der Westschweiz oft in der Kritik, ja gelten nicht selten gar als «Hassfächer».

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Oft wird die jeweils andere Landessprache im Vergleich zum omnipräsenten Englisch als unnütz angesehen. Viele Lehrpersonen beherrschen die Sprache, die sie unterrichten, selbst nicht gut und führen deshalb eher lustlos durch die Stunden. Die Ziele des Fremdsprachenunterrichts sind zu breit, der Kontakt mit der zu lernenden Sprache kommt zu kurz, die Resultate des Unterrichts sind kaum wissenschaftlich untersucht und deshalb unklar.

Das Cover des empfohlenen Buches.
Bild: zvg

Elmiger plädiert dafür, den Fremdsprachenunterricht in der Schweiz offen und ehrlich zu diskutieren und Reformen anzugehen, denn zu vieles liegt im Argen. Er spricht sich aber klar dagegen aus, dass der Unterricht der jeweils anderen Landessprache aus der Primarschule verbannt oder ganz abgeschafft wird.

In der Bundesverfassung ist festgehalten, dass der Bund und die Kantone «die Verständigung und den Austausch zwischen den Sprachgemeinschaften» fördern. Wer die aktuellen politischen Diskussionen verfolgt, erhält eher den Eindruck, dass das Gegenteil geschieht. Wie wichtig für den Zusammenhalt des Landes ist es, dass wir zumindest eine andere Landessprache beherrschen? Was geht verloren, wenn wir uns nur noch auf Englisch mit unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern ennet der Sprachgrenzen unterhalten können?

Es ist zu hoffen, dass Elmiger mit seinem Buch eine Diskussion in Gang setzt, die nicht vom Kantönligeist geprägt ist, sondern die ganze Schweiz in den Blick nimmt. Damit wir in Zukunft wieder stolz auf die Mehrsprachigkeit der Schweiz sein können.

«Das Kreuz mit dem Schweizer Fremdsprachenunterricht. Wohin mit den Landessprachen?» Von Daniel Elmiger, ISBN 978-3-03777-308-6.

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