Fussball-WM 2026

Vargas schiesst die Schweiz ins Glück: Nun wartet im ersehnten WM-Viertelfinal Argentinien

Die Schweiz gewinnt den WM-Achtelfinal gegen Kolumbien im Penaltyschiessen. Torhüter Gregor Kobel kürt sich zum Helden. In der Nacht auf Sonntag um 3 Uhr kommt es zum Duell mit dem Titelverteidiger um Lionel Messi.
Schweizer Jubel. Der historische WM-Viertelfinal ist geschafft.
Bild: Gregory Bull

2010 erobern die Schweizer Wintersportler Vancouver, bringen herausragende sechs Goldmedaillen nach Hause. Ammann, Cologna, Defago und Janka heissen damals die Helden. 16 Jahre später folgen ihnen die Fussballer Granit Xhaka, Gregor Kobel und Co. in den Schweizer Sportolymp. Die Schweiz steht im WM-Viertelfinal. Besiegt den Achtelfinal- und den Penaltyfluch. In der Nacht auf Sonntag geht es gegen Weltmeister Argentinien (Anpfiff 3 Uhr morgens).

Der Tag des Achtelfinals beginnt ungünstig aus Schweizer Sicht. Der letzte Versuch, Johan Manzambi nach seinem Trainingsunfall doch noch fitzubekommen, führt ins Leere.

Der historische Sieg in Bildern:

Und dann stellt sich der Nati auch noch diese gelbe Wand in den Weg: Der «BC Place» in Vancouver ist mit drei Spielen in Folge zwar zur Schweizer WM-Heimstätte geworden. Doch rund ums Stadion wimmelt es von Menschen in Kolumbien-Trikots, nur vereinzelt sind «Hopp Schwiiz»-Rufe auszumachen. Als hätte sich neben den zahlreich angereisten Fans ganz Kanada mit ihnen solidarisiert.

Der ohrenbetäubende Lärm beim Abspielen der Hymnen hat Einschüchterungspotenzial für alle mit einem Nati-Herz. Doch wie hatte Murat Yakin im Vorfeld gesagt: «Wer sich für den Viertelfinal qualifiziert, entscheidet sich nicht auf der Tribüne, sondern auf dem Rasen.»
Der Natitrainer sieht sich nach dem Manzambi-Out mit der kniffligen Aufgabe konfrontiert, seinen Unterschiedsspieler zu ersetzen. Solche Herausforderungen liebt der 51-Jährige. Und zaubert - Yakin-like - mit Ardon Jashari eine Überraschung aus dem Hut.

Akanji und Elvedi verteidigen alles weg

Ohne Manzambi werden die Schweizer gegen den klar besten aller bisherigen WM-Gegner von Beginn an in die Defensive gedrängt. Doch genau darauf hat Yakin seine Mannschaft eingestellt, angeführt von den Abwehrtürmen Akanji und Elvedi verteidigt sie alles weg. Und als nach 20 Minuten doch ein Ball gefährlich auf das Nati-Tor erreicht, ist Gregor Kobel zur Stelle.

Nico Elvedi zeigt eine überragende Partie, hat Luis Suarez, Torschützenkönig der portugiesischen Liga, jederzeit im Griff.
Bild: Lindsey Wasson/AP

Doch offensiv ist die Nati lange inexistent. Mitunter, weil Granit Xhaka spielerisch nicht auf Touren kommt und ohne Manzambi der Überraschungsmoment fehlt. Dessen Ersatz Jashari ist ein Totalausfall. Erst nach einer halben Stunde kommt Rieder zur ersten Schweizer Chance, gleich darauf kann auch Ndoye abschliessen. Immerhin ein Zeichen an die Kolumbianer: Auch die Schweiz ist da!

Yakins kluge Korrektur in der Pause

Trotzdem korrigiert Yakin schon in der Pause seinen Fehler und bringt für Jashari Djibril Sow. Der kommt kurz nach Wiederanpfiff aus guter Position zum Abschluss. Und als ein Rieder-Freistoss haarscharf am Lattenkreuz vorbeizischt, sind die Schweizer sogar im Chancenplus.
Doch es ist nur ein kurzes Hoch, rasch beginnt wieder das Leiden. Doch zu diesem sind die Schweizer an diesem Tag bereit, trotzen fast schon stoisch dem Zweikampf-Vollkaracho der Kolumbianer.

Mit zunehmender Dauer ist es nur noch ein Abnützungskampf bei äusseren Bedingungen, die an einen Besuch in der Masoala-Halle erinnern. Die Kräfte schwinden von Minute zu Minute. Dann tritt ein, was sich abgezeichnet hat: Verlängerung.

Erst vergibt Amdouni, danach Campaz den Matchball

Das Drama ist schon jetzt perfekt. Doch gelingt es der Nati endlich, ein zweites K.o.-Spiel an einem Turnier für sich zu entscheiden? Yakin zieht sein letztes Ass, bringt Zeki Amdouni für den herausragenden Rieder. Und tatsächlich: Der Genfer hat in seiner ersten Aktion den Matchball auf dem Fuss, schliesst aber zu überhastet ab. Fast folgt die Strafe auf dem Fuss, als nach Xhakas fahrlässigem Ballverlust Campaz das sichere 1:0 für Kolumbien vergibt. Penaltyschiessen!

Granit Xhaka, im wichtigsten Moment seiner Karriere, tritt als erster Schweizer an. Drin! Dann versagen Manuel Akanji wie an der EM 2024 die Nerven. Schwamm drüber: Krake Kobel greift sich den Penalty von Hernandez. Und dann schiesst Ruben Vargas die Schweiz ins Glück. Viertelfinal, Messi - wir kommen!

Hier hält Gregor Kobel den entscheidenden Penalty.
Bild: Abbie Parr

Schweiz - Kolumbien 4:3 n.P.
Vancouver. - 52497 Zuschauer. - SR: Barton (Slv)
Penaltyschiessen: Quintero 0:1. Xhaka 1:1. Sanchez verschiesst. Amdouni 2:1. Campaz 2:2. Akanji verschiesst. Hernandez Kobel hält. Itten 3:2. Diaz 3:3. Vargas 4:3.
Schweiz: Kobel; Zakaria (87. Widmer), Elvedi, Akanji, Rodriguez (71. Muheim); Freuler, Xhaka; Rieder (103. Amdouni), Jashari (46. Sow), Ndoye (92. Vargas); Embolo (87. Itten).
Kolumbien: Vargas; Munoz, Sanchez, Lucumi, Mojica; Lerma (82. Rios); Puerta, Arias (66. Campaz); Rodriguez (66. Quintero), Suarez (82. Hernandez), Diaz.
Bemerkungen: Schweiz ohne Manzambi, Jacquez und Aebischer (verletzt).

Der Liveticker zum nachlesen:

Im Achtelfinal gegen Algerien vergab Fabian Rieder eine Grosschance. Nun erhält er gegen Kolumbien die Chance zur Wiedergutmachung.
Bild: Toto Marti/Blick/freshfocus

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