Der Iran hat sich als erstes Land auf sportlichem Weg für die WM 2026 qualifiziert (die Gastgeber USA, Mexiko und Kanada sind gesetzt). Doch nun steht die Teilnahme der Mannschaft von Trainer Amir Ghalenoei auf ultrawackligen Beinen. Grund: Die militärische Intervention der USA im Iran.

Im Land ruht wegen der 40-tägigen Staatstrauer für den getöteten Mullah-Anführer Ajatollah Ali Chamenei der Sport. Die WM-Vorbereitungsspiele der Iraner Ende März gegen Nigeria und Costa Rica sind abgesagt. Ein Vorbote für den Sommer? Findet die WM ohne den Iran statt?
«Angesichts der Ereignisse und des Angriffs der USA ist es unwahrscheinlich, dass wir uns auf die Weltmeisterschaften freuen können», stellt Fussball-Verbandspräsident Mehdi Taj klar. Die Situation werde sicherlich auch in den sportlichen Betrachtungen ein Thema sein und erfordere eine Entscheidung. «Das US-Regime hat unser Heimatland angegriffen, und das ist ein Vorfall, der nicht unbeantwortet bleiben wird», betont Taj weiter. Die Aussichten auf die Weltmeisterschaft seien daher derzeit eher trübe - und: «Über einen Boykott oder eine Teilnahme werden die Sportfunktionäre entscheiden.» Womit Verbandspräsident Taj weniger sich selber, sondern die iranische Regierung meinen dürfte.

Auch das noch: Iran soll in den USA den «Pride Match» absolvieren
Die Iraner wurden in die WM-Gruppe G mit Belgien, Neuseeland und Ägypten gelost, alle Gruppenspiele finden in der USA statt. Pikant: Die Partie gegen die Nordafrikaner am 26. Juni in Seattle soll als «Pride Match» im Rahmen des jährlichen Aktionsmonats der LGBTQ-Bewegung stattfinden. Ein Plan, gegen den sich Iran und Ägypten seit Bekanntwerden mit Vehemenz wehren. In beiden Ländern steht es schlecht um die Rechte der LGBTQ-Menschen. Das iranische Gesetz erlaubt sogar bei Homosexualität die Todesstrafe.
Fürs Erste rückt der Streit um den «Pride Match» in den Hintergrund. Ab sofort geht es um die Frage: Will der Iran überhaupt an der WM teilnehmen? Und falls ja: Würde die USA die iranische Delegation überhaupt ins Land lassen?
Rückblick: Im vergangenen Jahr verhängte US-Präsident Donald Trump einen Einreisestopp für Menschen aus dem Iran. Ausnahmen für Sportler wurden zwar in Aussicht gestellt, aber bei der Gruppenauslosung Anfang Dezember 2025 in Washington fehlte der Iran. Weil drei Funktionären, darunter Verbandspräsident Mehdi Taj, die Einreise ins grösste der drei WM-Gastgeberländer tatsächlich untersagt wurde.
Sollte Trump dieses Verbot auf die iranischen Fussballer und das Trainerteam ausweiten, würde das einen Rattenschwanz an heiklen Folgeszenarien auslösen. Zum einen müsste der Weltverband Fifa einen Ersatz für den Iran finden - und diesen in einem der bestklassierten der nicht qualizierten Nationen des asiatischen Kontinentalverbands finden. In Frage kommen der Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Trump kündigte schon in den vergangenen Wochen während der Repressionen der iranischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten «sehr starke Gegenmassnahmen» an. Seine Abneigung dürfte durch den Kriegsbeginn weiter zugenommen habe - sprich die Lust auf das WM-Verbot für den Iran.
Ein Ausschluss des Irans auf politischem Weg ist gemäss heutigem Stand wahrscheinlich, wird dann aber die Fifa in die Bredouille bringen. Konsequenterweise und gestützt auf sein eigenes Reglement müsste der Weltverband in diesem Fall seinerseits Sanktionen gegen das Nationalteam der USA aussprechen, wegen politischer Einflussnahme auf eine Fifa-Veranstaltung. Eine mögliche Bestrafung wäre ein Ausschluss der USA für Fifa-Wettbewerbe. So wie es der Verband seit Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland handhabt. Aber ob Fifa-Präsident Gianni Infantino angesichts seiner Freundschaft zu Donald Trump den Mumm für eine solch radikale Massnahme hat? Wohl kaum.

Die Fifa beobachtet vorerst die Situation
Ebenfalls denkbar ist darum, dass die Fifa sich selber um den WM-Ausschluss des Irans kümmert. Um Trump zufrieden zu stellen. Aussprechen müsste ein solches Verbot der 32-köpfige Fifa-Rat - und dieses dann irgendwie den Statuten entsprechend begründen.
Es würde sich dann aber die nächste Frage aufdrängen, nämlich die: Müsste wegen des Angriffs auf den Iran nicht auch die Kriegsinitiantin USA ausgeschlossen werden? Zum Vergleich: Seit dem Einfall in die Ukraine Anfang 2022 ist Aggressor Russland für alle Fifa- und Uefa-Wettbewerbe gesperrt.
Die Fifa lässt verlauten, dass die Situation im Iran beobachtet werde und eine für alle teilnehmenden Nationenen sichere WM-Durchführung Priorität habe.
Fakt ist: Die Fragezeichen vor dem in 100 Tagen beginnenden Mega-Event mit 48 Teilnehmern mehren sich. Denn die USA-Iran-Frage ist längst nicht der einzige Problemherd. Da sind die Finanz-Hilferufe und Streik-Drohungen mehrerer Austragungsstädte in den USA, weil versprochene Gelder der Bundesregierung nicht fliessen. Da ist Trumps in der Luft schwebende Absicht, demokratisch regierten Städten die WM-Spiele wegzunehmen, sollten diese aus seiner Sicht nicht für die Sicherheit garantieren können. Und da ist die Gewalteskalation in Mexiko nach der Ermordung von Drogenboss «El Mencho».
Schon länger steckt die Fifa wegen der WM in Teufels Küche - in dieser dürfte es in den nächsten Wochen immer heisser werden.



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