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Mexiko

Die WM im Würgegriff der Drogenbosse: Ob es in Mexiko ruhig bleibt, entscheiden nur die Kartelle

Internationale Fussballverbände stellen die Spiele im südlichsten der drei WM-Länder in Frage. Die Präsidentin von Mexiko will beruhigen und verspricht totale Sicherheit.

Der portugiesische Fußballverband FPF sandte am Dienstag (Ortszeit) eine besorgte Depesche nach Mexiko-Stadt. Darin äusserten die Funktionäre ihre Bedenken angesichts der Sicherheitslage in Mexiko und stellten die Teilnahme Portugals am geplanten Freundschaftsspiel Ende März zur Einweihung des renovierten Azteken-Stadions in Mexiko-Stadt in Frage. «Die jüngsten Entwicklungen erforderten eine fortlaufende Bewertung der Reisebedingungen für die FPF-Delegation», hiess es in dem Schreiben verklausuliert.

Mit Blick auf die bürgerkriegsähnlichen Zustände vom vergangenen Sonntag in vielen Städten Mexikos sorgt sich Portugal um die Sicherheit seiner Stars. An dem Tag hatten die Kämpfer und Killer des mächtigen CJNG-Kartells Chaos und Gewalt vor allem im Bundesstaat Jalisco rund um den WM-Austragungsort Guadalajara gesät, nachdem ihr Anführer Nemesio Oseguera, alias «El Mencho» von staatlichen Sicherheitskräften getötet worden war.

Polizei und Militär überall: WM-Besucher in Mexiko müssen sich an dieses Bild gewöhnen.
Bild: Marco Ugarte

Aber vier Monate vor dem geplanten Eröffnungsspiel der Fussball-Weltmeisterschaft am 11. Juni in Mexiko-Stadt sind nicht nur die Portugiesen verunsichert, auch die Fifa ist besorgt, auch wenn Präsident Gianni Infantino «volles Vertrauen» in Mexiko hat, wie er am Dienstag erklärte. DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig hofft auf ein Ende der «kriegsähnlichen Situation» und die Verbände der Länder, die ihre Interkontinental-Playoffs Ende März in Guadalajara und Monterrey austragen sollen, melden Bedenken an. Derzeit verhandelt die mexikanische Regierung mit den Verbänden von Bolivien, Surinam, Jamaika, Neukaledonien, der Demokratischen Republik Kongo und dem Irak. Dabei stünden auch alternative Austragungsorte zur Debatte, heisst es in mexikanischen Medien. Eine Absage der zwischen dem 27. März und 1. April geplanten Ausscheidungsspiele wäre für Mexiko ein Desaster und das mögliche Ende der Rolle als Co-Gastgeber.

Dementsprechend versucht Präsidentin Claudia Sheinbaum alle Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. Auf ihren morgendlichen Pressekonferenzen diese Woche ging es fast immer nur um die Themen Gewalt, Kartelle und Fussball-WM. «Es besteht kein Risiko», betonte sie am Dienstag und versicherte, dass alle Voraussetzungen für einen reibungslosen und sicheren Ablauf des Turniers für die Besucher gegeben seien. Insgesamt sollen 13 WM-Begegnungen in Mexiko ausgetragen werden, darunter das Eröffnungsspiel zwischen dem Co-Gastgeber und Südafrika in Mexiko-Stadt. Es gebe «alle Garantien» dafür, dass die Weltmeisterschaft stattfinden werde, behauptete Sheinbaum und betonte, dass die Regierung die Lage unter Kontrolle habe.

Aber gerade daran bestehen ernsthafte Zweifel. Die mexikanischen Großkartelle verfügen nahezu über armeeähnliche Mitgliederstärken, haben Waffen wie aus einem Kriegsarsenal und sie sind bis tief ins Land und in die Bevölkerung vernetzt. Ihre langen Arme reichen in jeden Winkel und bis vor jedes Stadiontor der Republik. Das gilt gerade für das «Kartell Jalisco Nueva Generación» (CJNG), das aus dem Bundesstaat Jalisco stammt, dessen Hauptstadt die Sechs-Millionen-Metropole Guadalajara ist.

Sicher ist daher nur: Ob es vor und während der Fussball-Weltmeisterschaft ruhig bleibt, entscheiden die Kartelle und nicht die Regierung. Wie die Syndikate in Windeseile das Land in Panik versetzen können, dafür war der vergangene Sonntag ein furchterregendes Beispiel. Insgesamt 72 Tote, brennende Busse, Autos und Supermärkte, 252 Strassenblockaden in 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten und hochgerüstete Pistoleros der Kartelle auf den Strassen. Die Folge waren geschlossene Flughäfen, abgesagter Präsenzunterricht in den Schulen, geschlossene Banken und Behörden. Den ganzen Montag schienen Teile Mexikos wie schockgefroren, was aber nicht an den ungewöhnlich niedrigen Temperaturen im Land um den Gefrierpunkt lag.

Fussball unter Bürgerkriegsbedingungen: Ob in Mexiko wirklich WM-Stimmung aufkommen wird?
Bild: Alex Cruz

Dementsprechend haben die Regierung und Sicherheitskräfte für das Turnier ein Konzept aufgelegt, als gelte es den Papst oder wichtige Präsidenten zu schützen. 50'000 Polizisten und Nationalgardisten werden in den Austragungsorten und vor den Spielstätten eingesetzt. Gepanzerte Fahrzeuge patrouillieren, Pick-Ups mit einem halben Dutzend schwerbewaffneten Sicherheitskräften fahren regelmässig durch die Strassen. Und Mannschaften werden vom Militär zu den Spielstätten eskortiert. Das globale Fussballfest gleicht zumindest in Mexiko dann einer Veranstaltung unter Bürgerkriegsbedingungen.

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