
Ein Pflaster am Hals erinnert an den operativen Eingriff, den NHL-Verteidiger Jonas Siegenthaler in den vergangenen Tagen über sich ergehen lassen musste. Während der Saison mit den New Jersey Devils hatte sich der 29-jährige Zürcher am Nacken verletzt, weshalb er nun die laufende Heim-WM in seiner Heimatstadt verpasst. Nun ist er dennoch als Unterstützer ein Teil der Mannschaft und gibt Auskunft über seine Verletzung und seine Gefühlslage.
Wie geht’s Ihnen?
Jonas Siegenthaler: Mir geht’s gut. Ich war am Anfang der WM bereits beim Team, bin dann aber nach Nordamerika zurückgereist und nun am Freitag wieder nach Hause gekommen. Alles ist gut verlaufen, die Reise, die Operation.
Was können Sie zu Ihrer Verletzung und der Operation sagen?
Es ist alles nach Plan verlaufen. Es war ein Eingriff, der nötig geworden ist. Jetzt bin ich mich am Erholen und fit werden für die neue Saison.
Sie haben die Saison zu Ende gespielt. Haben Sie die Verletzung schon länger mit sich herumgetragen?
Es ist während der Saison passiert, genau kann ich es nicht sagen. Aber es ist eine Verletzung, die im Laufe der Zeit aufkommt mit den Abnützungserscheinungen. Nach der Saison haben wir dann eine MRI-Untersuchung gemacht, die ergeben hat, dass mein Nacken nicht gut ist und die beste Lösung ein operativer Eingriff ist. Das habe ich nun getan.
Inwiefern hat Sie die Verletzung auf dem Eis beeinträchtigt?
Ich habe es gespürt, aber es war nicht so schlimm, dass ich nicht hätte spielen können. Ich habe mit den Symptomen durchgespielt. Ich war dann schon etwas überrascht über die MRI-Resultate und den Befund. Man sagte mir, dass untrainierte Leute mit dieser Verletzung etwas anders unterwegs wären, deshalb war es auch etwas überraschend für mich, dass es so eine schwerwiegende Verletzung war. Aber nun ist alles wieder gut.

Wie schwer ist es Ihnen gefallen, ausgerechnet die Heim-WM zu verpassen?
Es war schon ein harter Schlag in den Magen. Ich flog bereits nach Hause und dann kam der Anruf, dass ich die Heim-WM nicht spielen kann. Ich brauchte ein paar Tage Zeit, um das verarbeiten zu können. Ich habe alles probiert, um die WM spielen zu können, aber es hat mir jeder Arzt gesagt, dass ich keine Chance darauf habe. Es gilt, die Situation zu akzeptieren und nach vorne zu schauen.
Sie sind aus Nordamerika abgereist und sind davon ausgegangen, dass Sie die Heim-WM spielen können?
Ja, ich bin so schnell wie möglich in die Schweiz geflogen, die Resultate der MRI-Untersuchungen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht da. Als ich zu Hause war, bekam ich den Anruf mit der schlechten Nachricht.
Wie sehen Sie nun Ihre Rolle im Team?
Ich sehe mich ein bisschen als der Mann für alles. Eine genaue Funktion habe ich nicht. Aber ich bin da, um den Jungs und dem Staff ein bisschen zu helfen, so gut es geht. Ich bin froh, kann ich ein Teil des Teams sein, die Jungs zu sehen. Ich mache das Beste daraus.
Wie erleben Sie das Schweizer Team?
Es ist klar, dass ich viel lieber auf dem Eis wäre, aber es ist mega cool, zuzuschauen und all das mitzuerleben. Es sind unglaublich coole Spiele mit all den Fans. Ich hatte schon einige Gänsehautmomente, das ist einmalig. Das Team macht es sehr gut, vor der WM war ein bisschen Chaos, aber die Mannschaft meistert das sehr gut und sie zeigt auf dem Eis, dass sie das Ganze abschalten und ausblenden kann. Die Jungs sind nur auf sich selbst fokussiert.
Wenn das Team nicht ganz so gefestigt und eine verschworene Einheit wäre, dann hätte man wohl die Geschichte um Patrick Fischer nicht ganz so einfach meistern können?
Auf jeden Fall. Im Grossen und Ganzen ist das Team unverändert geblieben. Ich denke, das macht uns auch stärker, der Zusammenhalt ist gross, wir kennen uns seit Juniorenzeiten. Und die letzten Weltmeisterschaften hatten wir mehrheitlich dasselbe Team – das spricht für sich. Das ist auch ein wenig der Grund, weshalb wir Verletzte da sind mit Kevin Fiala, Andrea Glauser und ich. Wir probieren unseren Teil beizutragen, egal wie. Wir sind froh, können wir trotz Verletzungen dabei sein.
Wie erleben Sie Jan Cadieux als neuen Headcoach?
Ich erlebe ihn derzeit nicht wie als Spieler – aber wir kennen ihn ja bereits. Er ist ein super Typ, ein super Coach, sehr schlau. Er war auch nicht in einer einfachen Situation. Aber auch er hat es sehr gut gemeistert, wie jeder andere in der Kabine auch. Schlussendlich ging es auch für ihn darum, das Chaos ausblenden zu können und fokussiert zu bleiben. Ich denke, das ist ihm auch sehr gut gelungen.
Wie nehmen Sie die Stimmung in der Mannschaft wahr?
Die Stimmung ist sehr gut und die Jungs zeigen es ja auch auf dem Eis, dass sie wirklich Spass haben, zusammenspielen können und die WM geniessen. Ich nehme auch eine gewisse Lockerheit wahr, die Stimmung ist nicht zu angespannt, das ist auch sehr wichtig.
Kann das Publikum der entscheidende Faktor sein?
Ja, ich glaube schon. Wenn ich an die WM in Tschechien zurückdenke und mich an den Final erinnere, dann waren vielleicht beide Teams etwas müde, aber die Tschechen hatten noch etwas mehr Power vom Publikum erhalten. Das war vielleicht ausschlaggebend, sicher ein Vorteil, wenn man vor dem eigenen Publikum spielen kann. Wenn ich an den Spielen herumschaue, ist alles rot, die Atmosphäre
Abschliessend ein Wort zur NHL-Saison: Weshalb konnten sich die New Jersey Devils nicht für die Playoffs qualifizieren?
Wir hatten sehr gut angefangen, erlebten dann aber einen Zusammenbruch, die Monate Dezember und Januar haben uns in den Fuss gebissen. Wenn man auf die Tabelle blickt und wir in dieser Zeit vier, fünf Spiele mehr gewonnen hätten, dann bin ich überzeugt, dass wir die Playoffs geschafft hätten. Schlussendlich ist es so, wie es ist. Die Teams waren besonders eng aufeinander klassiert, beinahe jede Mannschaft hatte bis zum Schluss um die Playoffs gekämpft. Wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen und es nächste Saison besser machen.


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