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Vom Bösewicht zum Leitwolf: Die erstaunliche Wandlung von Brendan Lemieux beim HC Davos

Der HC Davos surft nach dem Sieg beim Spengler Cup nun dem Qualifikationssieg entgegen. Interessant ist insbesondere die Entwicklung von Brendan Lemieux.

Nie seit Einführung der Playoffs (1986) hat es diese Wandlung vom vermeintlichen Bösewicht zum Leitwolf gegeben. Noch selten eilte einem neuen Ausländer ein so schlechter Ruf voraus wie Brendan Lemieux bei seiner Ankunft im Dezember 2024 in Davos. Ja, der Rekordmeister erntet Entrüstung für die Verpflichtung gleich bis 2027. Selbst der jeder Polemik abholde «Tages Anzeiger» titelte: «Er biss dem Gegner die Hand blutig – jetzt spielt das NHL-Raubein in Davos». Eine Anspielung auf die Episode, als er in Diensten der Los Angeles Kings seinem Gegenspieler Brady Tkachuk bei einem Fight zweimal in die Hand gebissen hatte und von der NHL für fünf Spiele gesperrt worden war. Seine Bilanz: 62 Faustkämpfe und 924 Strafminuten in 452 NHL- und AHL-Partien. Aber lediglich 74 Tore.

06.01.2026; Biel; Eishockey National League EHC Biel - HC Davos; Brendan Lemieux (HC Davos) spricht mit Filip Zadina (HC Davos) (ZamirLoshi/freshfocus)
Bild: ZamirLoshi/freshfocus

Im dritten Playoff-Halbfinal zwischen den ZSC Lions und Davos am 3. April 2025 in der Swiss Life Arena kommt es zum erwarteten Eklat: Brendan Lemieux hatte in bisher 15 Einsätzen noch keinen Skorerpunkt gebucht. Nur ein bisschen geschubst und gerempelt. In der 38. Minute balgt er sich ein bisschen mit ZSC-Stürmer Chris Baltisberger, Linesman Dominik Altmann eilt herbei und will die Streithähne trennen, als ihn der Kanadier mit der rechten Faust am Kinn trifft. Die Partie kann er nicht mehr fortsetzen. Die ZSC Lions gewinnen 5:1 und der Bösewicht kassiert vier Spielsperren.

Einer bleibt sachlich und ruhig: HCD-Trainer Josh Holden. Und erklärt später die Rolle seines neuen Stürmers: Brendan Lemieux sei während seiner Karriere als Profi in der Rolle eines Bösewichtes gefangen gewesen, auch weil eben sein Vater als Raubein sehr erfolgreich gewesen sei. Dabei werde verkannt, welch guter Spieler Brendan Lemieux sei – ein kräftiger Powerflügel, der Raum vor dem gegnerischen Tor schaffe, gesunde Härte und Emotionen ins Spiel bringe und seinem Team in schwierigen Situationen helfen könne. Das sagte Josh Holden zu einem Zeitpunkt, als alle noch den «bösen» Brendan Lemieux brandmarkten und dessen Verpflichtung kritisieren.

Ein typischer Lemieux-Treffer: Er steht vor dem Tor und lenkt den Puck erfolgreich ab.
Bild: JUERGEN STAIGER

Der HCD hat in den letzten 15 Tagen inklusive Spengler Cup 11 Spiele bestritten. Eine Phase mit maximaler Belastung und in den letzten beiden Partien fehlte auch noch Topskorer Matej Stransky. Und doch bleibt der HCD konkurrenzfähig: Ein Punkt in Biel (3:4 n.P), ein Sieg im Spitzenkampf gegen Lausanne (5:1) und eine Niederlage in Langnau (1:3). Der bissige Leitwolf beim HCD: Brendan Lemieux. Vier Tore in den letzten drei Spielen und nur vier Strafminuten. Josh Holden hat recht behalten.

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