Mit 41 Jahren ist Stan Wawrinka in seinem letzten Karrierejahr aktuell immer noch der beste Schweizer Tennisspieler. Zwar ist der Lausannois nur noch auf Weltranglistenposition 142 zu finden, doch der nächsten Generation ist der Durchbruch noch nicht geglückt. Seit September 2024 war ausser Wawrinka kein Schweizer Tennisspieler mehr in den Top 100 zu finden. Dennoch ist es um das nationale Tennis nicht schlecht bestellt. Aktuell stehen acht weitere Schweizer unter den Top 300, was für eine kleine Tennisnation eine beachtliche Zahl ist. Doch der Durchbruch gelang noch keinem.
Für die anstehenden Swiss Indoors hat bisher nur Wawrinka eine von drei Wildcards fürs Hauptfeld sicher. Wer die anderen beiden Einladungen für die erste Runde erhält und wer «nur» in der Qualifikation starten darf, soll erst Ende dieser Woche entschieden werden. Die Swiss Indoors melden am Dienstag lediglich, dass Henry Bernet (ATP 371), Remy Bertola (ATP 227), Mika Brunold (ATP 261), Jérôme Kym (ATP 249) und Dominic Stricker (ATP 263) den Zuschlag erhalten haben. Damit steht fest, dass in diesem Jahr alle Wildcards, welche die Turnierorganisatoren frei vergeben können, an Schweizer gehen.
Nicht berücksichtigt wird der Schweizer Senkrechtstarter der Saison. Der 22-jährige Zürcher Dylan Dietrich (ATP 264) ist die Nummer 1 der US-College Rangliste und machte 2026 in den Semesterferien mit einer Bilanz von 30 Siegen und 8 Niederlagen auf der Profi-Tour knapp 700 Ränge gut. Auch der Genfer Kilian Feldbausch (ATP 270) stiess in diesem Jahr in die Top 300 vor und gewann sein erstes Challenger-Turnier. Er kommt wegen einer Formkrise und der starken nationalen Konkurrenz allerdings in diesem Jahr noch nicht zum Zug.
Alle fünf Kandidaten spielen noch ein Challenger
Der Kampf um den begehrten direkten Zutritt zum ATP-500er-Turnier bleibt spannend. Bernet, Bertola, Brunold, Kym und Stricker spielen in dieser Woche noch ein Challenger-Turnier im französischen Roanne. Möglicherweise entscheidet das Abschneiden dort über die Vergabe.
Turnierdirektor Roger Brennwald hat in diesem Jahr die Qual der Wahl. Mit dem 23-jährigen Möhlemer Kym, dem 22-jährigen Reinacher Brunold und dem 19-jährigen Basler Bernet gibt es drei lokale Hoffnungsträger, die in den vergangenen Jahren schon Wildcards erhalten haben. Bernet, der Junior-Australian-Open-Champion von 2025, weckt beim Basler Publikum Fantasien und war vor einem Jahr bereits der Main Act am Super Monday. Nach schwachem Saisonstart kommt er immer besser in Form und auch Brunold und Kym spielten zuletzt stark.
Für den 28-jährigen Tessiner Bertola spricht, dass der Davis-Cup-Spieler aktuell die Nummer 2 der Schweiz ist und er vergangenes Jahr in Basel die Qualifikation überstand.
Auch der abgerutschte Stricker hat Argumente
Zu guter Letzt bekommt auch Stricker noch eine Einladung aus Basel, obwohl er seit 2024 nicht mehr in den Top 100 zu finden ist und Mühe bekundet, zu alter Stärke zurückzufinden. Doch an den Swiss Indoors konnte der 24-jährige Berner bereits vier Partien im Hauptfeld gewinnen und damit die St. Jakobshalle zum Kochen bringen. 2023 schlug er unter anderem mit Casper Ruud die damalige Nummer 8 der Welt.
Solche Exploits können für die Schweizer Spieler einen Karriereschub bedeuten. Für einen Erstrundensieg bei einem ATP-500er-Turnier wie in Basel gibt es 50 Weltranglistenpunkte. Bei einem Challenger-Turnier sind es – je nach Stufe – nur 6 bis 13. In diesen Gefilden benötigt es deutlich mehr Siege für den Einzug in die Top 100 als auf der ATP-Tour.



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